Das kommende Jahr ist ein Jahr der Glückseligkeit

31.12.2011

Dem vedischen Kalender entsprechend wird dieses Jahr Nanda genannt, was Glückseligkeit bedeutet. Dieses Jahr ist also das Jahr der Glückseligkeit. Das letzte Jahr war das Jahr der Gewissheit, dasjenige davor das Jahr des Chaos und der Verwirrung. Im kommenden Jahr sollten wir also alle beschließen, mehr Zufriedenheit in der Gesellschaft zu verbreiten.

Du kannst leicht feststellen, dass alles im Leben sich auf das Glück ausrichtet.

Auch die Unterhaltung soll uns Glück bringen. Die Politik soll den Menschen Glück bringen. Die Wirtschaft soll den Menschen Glück bringen. Das Wissen soll den Menschen Glück bringen. Bei jedem Thema und bei jedem Weg geht es immer darum, Glück zu bringen. Aber irgendwie scheint unsere menschliche Gesellschaft das zu vergessen. Anstatt die Aufmerksamkeit auf das Ziel zu richten, verlieren wir uns auf halbem Weg. Wir denken, das Mittel selbst sei das Ziel. Wir glauben, die Straße selbst sei das Zuhause.

Du fährst auf der Autobahn und vergisst, dass du irgendwohin fahren musst. Du fährst immer weiter und glaubst, dass hier dein Zuhause sei. Das ist es, was die ganze Zeit geschieht.

Wir glauben, Geld sei das Ziel, Politik sei das Ziel, Unterhaltung sei das Ziel. Nein! All diese Dinge haben nur das Glück zum Ziel. Tatsächlich hängt Glück nicht von irgendwelchen Bedingungen ab. Auch wenn man etwas Bestimmtes besitzt, kann man das Ziel verfehlen, während man das Ziel auch dann erreichen kann, wenn einem die Mittel dazu fehlen.

Spiritualität bedeutet, dass du glücklich sein kannst, was auch immer kommen mag.

Was auch immer kommen mag, wie auch immer die Dinge sein mögen – auch dann, wenn alles drunter und drüber geht – : Du kannst dich entscheiden, glücklich zu sein und du kannst glücklich sein!

Es ist interessant zu beobachten, dass die Menschen in der Welt heute von Gross Domestic Happiness (GDH/* „Bruttoinlandsglück“) und nicht von Gross Domestic Product (GDP/Bruttoinlandsprodukt) sprechen. Ich glaube, das begann in England, dann folgte Amerika und schließlich ganz Europa. Der GDH* von Ländern wie Bangladesh und Bhutan, die sehr klein sind, und über sehr wenig Ressourcen verfügen, ist höher als in jenen Ländern, die ein höheres Wirtschaftswachstum aufweisen, wie zum Beispiel Skandinavien. Dort ist die Zufriedenheit sehr gering. Was sagt das aus? Was bedeutet das, und wie sollen wir damit umgehen?

Wir müssen an dieser Stelle einen Weckruf an die Welt schicken. Wir müssen der Welt sagen: Kommt, wacht auf. Seid glücklich!

Wir müssen eine Welle des spirituellen Erwachens und eine Welle der menschlichen Werte erschaffen. Der Mangel an menschlichen Werten wird die menschliche Gesellschaft auf eine animalische Welt reduzieren. Ohne Werte kann eine Gesellschaft nicht menschliche Gesellschaft genannt werden. Eigentlich kann sie noch nicht einmal als animalisches Königreich bezeichnet werden, denn auch Tiere leben nach gewissen Regeln und befolgen bestimmte Normen.

Kein Löwe wird auf die Jagd gehen, wenn sein Selbsterhaltungstrieb befriedigt, und er nicht hungrig ist. Kein Tier auf diesem Planeten wird Wälder verschmutzen. Die Wälder existieren seit Millionen von Jahren. Dennoch wird man dort keine Verschmutzung finden. Die Tiere halten alles sauber.

Es ist die menschliche Rasse, die den Planeten aus Gier und Konsumdenken zerstört und ihn für die kommenden Generationen unbrauchbar macht. Und genau hier zeigt sich die Bedeutung dieses Jahres. Die Menschen werden erwachen und die Wichtigkeit der menschlichen, spirituellen und ökologischen Werte erkennen. Als Mitglieder von Art of Living werdet ihr alle eine bedeutende Rolle zu spielen haben. Ihr seid Pioniere und müsst dieses Bewusstsein in der Gesellschaft erwecken und verbreiten.

Im Jahr 2011 haben wir viel Aufruhr erlebt. All die unterdrückten Länder sind aufgewacht, um der Diktatur, der Gewalt und der Selbstsucht einiger weniger Leute entgegenzutreten.

Im Jahr 2011 hat die arabische Welt Aufruhr und Revolutionen erlebt.

Wir alle hoffen, das kommende Jahr werde wie Balsam sein, um die Wunden derer zu heilen, die verletzt worden sind. Nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der emotionalen und spirituellen Ebene. Wir alle tragen also diese Verantwortung. Wir müssen alle aufwachen, die gebrochenen Herzen heilen und der Gesellschaft Hoffnung bringen.

Art of Living hat diese Vision einer stress- und gewaltfreien Gesellschaft schon seit längerer Zeit. Wir bewegen uns in diese Richtung, und das, was wir erreicht haben, ist gut. Wir sind stolz auf das, was wir in den letzten Jahren erreicht haben, sowohl im Bereich der Unternehmen, als auch im Bereich der Allgemeinheit. Wir konnten viele Kurse leiten und sehr vielen Menschen Trost bringen. Und doch gibt es noch sehr viel mehr zu tun. Wir wollen also weiterhin das tun, was getan werden muss.

Wir haben heute bereits während vierzig Minuten eine sehr schöne Meditation durchgeführt. Es war sehr still und ergreifend. Menschen aus der ganzen Welt haben daran teilgenommen. Ich bin sicher, dass das eine starke Veränderung in der Welt bringen wird.

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Unser Leben sollte rhythmisch und harmonisch sein

17. Januar 2012

Was für eine wundervolle Atmosphäre wir hier beobachten können, nicht wahr? Taal Ninaad! Die Beziehung zwischen Art of Living und Solapur ist sehr alt. Vor dreißig Jahren – als ich zum ersten Mal daran dachte, die Art of Living Organisation zu gründen – war ich mir unschlüssig, ob ich diese Bewegung beginnen sollte oder nicht. Ich konnte voraussehen, dass viele Menschen davon profitieren würden, zögerte aber trotzdem ein wenig, mich in all das hineinzubegeben. Ich spürte, dass ich nichts tun wollte, außer meditieren und in die Gottesverehrung einzutauchen.

Am Bahnhof von Hubli musste ich dann eine Entscheidung treffen. Auf zwei angrenzenden Gleisen standen zwei Züge, von denen der eine nach Solapur, der andere nach Bangalore fahren würde. Wäre ich nach Bangalore gefahren, so hätte ich die Art of Living Organisation nicht begonnen. Ich wäre in meiner eigenen  Gesellschaft geblieben und hätte Meditation und Yoga praktiziert. Ich war mir sicher, dass ich all das loslassen und etwas tun musste, wenn ich in den Zug nach Solapur einstieg.

Im letzten Moment schwankte ich also zwischen Bangalore und Solapur. Vier andere Leute waren bei mir. Sie hatten mich noch niemals zuvor in einem solchen Zustand der Verwirrung gesehen. Ich wusste nicht, ob ich gehen sollte oder nicht. Aber genau in jenem Augenblick musste ich mich entscheiden und kam nach Solapur.

Seitdem ich nach Solapur gekommen war, fand diese Satsangserie statt. Wohin ich auch gehe, ich kann sehen, dass die Menschen im Augenblick so glücklich sind. Jede Träne, die ihr vergießt, ist so rein, dass selbst die Engel Sehnsucht danach haben. Es sind Tränen der Liebe, der Freude, des Glücks und der Hingabe.

Die Hingabe an das Göttliche unterscheidet sich nicht von der Hingabe an die Nation. Integrität und Engagement bei den eigenen Verpflichtungen sollten Hand in Hand gehen. Wenn wir innerlich stark sind, können wir unsere Arbeit gut ausführen.

Im Leben muss es einen Rhythmus geben. Wenn das Leben seinen Rhythmus verliert und  nicht mehr stimmig ist, wird es seine Harmonie verlieren. Das Leben muss auf rhythmische und harmonische Weise gelebt werden, das an sich ist schon Wissen. Wenn Hingabe die Melodie darstellt, dann ist Wissen der Rhythmus. Das Wissen darüber, wann und wie man etwas tun sollte, wie viel man tun und wie sehr man sich bei etwas zurückhalten sollte, ist im Leben außerordentlich entscheidend.

Wir sollten uns dahingehend ändern, dass anstatt Uneinigkeit Harmonie besteht. Unser Leben sollte rhythmisch und harmonisch sein. Dann wirst du erkennen, wie viel Frieden, Freude und Zufriedenheit vorhanden sind. Ein trübsinniges Leben bedeutet, dass es irgendwie aus dem Rhythmus geraten ist. Die Harmonie ist irgendwo verloren gegangen.

Aus diesem Grund nennen wir dieses Leben eine Kunst. Ist es nicht so, dass das Leben eine Kunst ist? Wie also sollen wir mit unserem Geist umgehen? Wie sollen wir mit dem Selbst umgehen? Wie sollen wir außerdem mit der Familie umgehen? Und wie sollen wir schließlich mit der Gesellschaft umgehen?

Ich bin sehr glücklich zu erfahren, dass die freiwilligen Helfer von Solapur eine Menge für die Umwelt getan haben. Ich gratuliere ihnen allen dazu. Ihr seid alle zusammengekommen, um einen moosbewachsenen Teich zu reinigen, der schon jahrelang am verfaulen war. Ihr habt gesehen, wie all die NGOs sich euch angeschlossen haben. Sobald eine Person oder eine Gruppe eine Arbeit mit Engagement beginnt, machen alle anderen auch mit.

Das ist es, was wir tun müssen: Unser Land voranbringen.

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Wenn wir gegen die Naturgesetze verstoßen, dann leiden wir…

1. Februar 2012

F.: Was ist die Bedeutung von Arghya (der Sonne Wasser geben)?
Sri Sri Ravi Shankar:
Wasser ist ein Symbol der Liebe. Tatsächlich ist es im Sanskrit ein Synonym von Liebe. Apa heißt sowohl Wasser als auch Liebe. Deshalb nennst du jemanden, der dir sehr nahe steht, Apta, was bedeutet, dass er dir sehr lieb ist. Apa und Apta sind sehr ähnlich.

Wasser zu geben ist nicht wichtig. Wichtig ist es, die Verbindung zur Sonne zu spüren.
Die Menschen pflegten Wasser in ihren Händen zu halten und es langsam durchsickern zu lassen. Während dieser Zeit blickten sie in die Sonne. Du betrachtest also die Sonne, blickst sie an und lässt das Wasser abfließen. Du musst das Timing beachten: Es wird einige Minuten dauern, zwei oder drei Minuten vielleicht, bis das Wasser durchgesickert ist. Bis dahin blickst du in die Sonne. Das ist die Technik, die dahinter steht. Du gibst der Sonne nicht einfach Wasser. Das würde nicht funktionieren.

F.: Guruji, du hast gesagt, dieses Universum sei durch die Vereinigung von Prakriti (Natur) und Paramatman (höchste Existenz/Gott). Um wieder zu Paramatman zurückzugehen, wer ist Poorna Anand (höchste und absolute Glückseligkeit)? Wie ist dieses Sankalpa (Gedanke/Intention) in ihm aufgetaucht?
Sri Sri Ravi Shankar: Ja, es steht in den Upanishaden, dass zuerst nur Paramatman da war, und dass er sich allein fühlte. Er wollte zu vielen werden, also wurde er zu vielen. Die Intention verwirklichte sich aufgrund von Ekoham Bahusyama („Ich alleine existiere. Lass mich zu vielen werden“, Anm. d. Ü.).
Sankalpa ist keine Ablenkung. Es wird nicht als Ablenkung betrachtet. Wenn ein Suchender (Sadhak) über den kleinen Geist hinaus zum großen Geist übergeht, betrachtet er ein Sankalpa als Hindernis. Aus der Sicht des großen Geistes jedoch ist es ein Schritt, um weiterzukommen. Wenn du dich also fragst, warum ein Sankalpa im Paramatman aufgetaucht ist, wenn du denkst, er hätte unerschütterlich bleiben sollen (Nirvikalpa), dann trifft das nicht zu. Sankalpa ist auch Paramatman, Nirvikalpa ist ebenso  Paramatman, und auch Vikalpa ist Paramatman. Genauso, wie in einem Ozean die Wellen von alleine aufsteigen, ist in Paramtman der Gedanke aufgetaucht, viele zu werden. Also wurde er zu vielen. Verschiedene Wesensarten, verschieden Arten von Menschen und verschiedene Arten von Intelligenzen wurden erschaffen.
Vorgestern sah ich mir eine Dokumentation über die Erschaffung der Erde von National Geographic an. Es hieß dort, vor 400 Milliarden Jahren habe es nur Gas gegeben. Das Gas habe begonnen, herumzuwirbeln, und Feuer sei ausgebrochen. Aus dem Feuer sei das Wasser  entstanden, und so habe die Erde Gestalt angenommen.
Ich realisierte plötzlich, dass das auch in den Veden steht! Es ist also gar nichts Neues.
In unserem vedischen Wissen wird in Form von Shlokas (vierzeilige Strophe, Anm. d. Ü.) folgende Aussage gemacht: Im Raum gab es zuerst Luft, aus der Luft entstand das Feuer, aus dem Feuer ging das Wasser hervor, und aus dem Wasser wurde die Erde erschaffen. Mit der Vorstellung, Wasser auf das Feuer zu geben, ist gemeint, dass wir zu uns selbst zurückgehen sollen. Vom Wasser zum Feuer, vom Feuer zur Luft, und dann machen wir Pranayamas, nachdem wir der Sonne Arghya gegeben haben. Wir gehen zum Luftelement. Von der Luft gehen wir zum Raum und begeben uns in Meditation.
Das sind alles verschiedene Arten von Geschichten. Wenn wir uns tiefer damit auseinandersetzen, offenbart sich etwas Neues.

F.: Es heißt, wir sollen die Fotos unserer verstorbenen Eltern nicht zusammen mit den Bildern der Götter und Göttinnen aufstellen, die wir anbeten. Manche Leute gehen sogar so weit, zu sagen, wir sollten die Fotos von verstorbenen Eltern überhaupt nicht an die Wand hängen. Ist das wahr?
Sri Sri Ravi Shankar: Nein, das ist kein Problem. Es ist in Ordnung, die Fotos deiner dahingeschiedenen Eltern zusammen mit den Fotos von Gott aufzustellen. Wenn die Person ein Sanyasi ist, kann ihr Bild schon zu Lebzeiten neben dem Bild Gottes aufgestellt werden. Es ist jedoch Brauch, ihr Foto nicht aufzustellen, wenn sie verheiratet ist.

F.: Guruji, bitte erkläre uns den Grund für das Leid.
Sri Sri Ravi Shankar: Gut, nimm einmal an, ich würde dir sagen, du sollst heute Abend fünf Masala Dosas essen.Was wird mit dir geschehen? Was wird mit dir geschehen, wenn du gezwungen wirst, fünf Masala Dosas oder zwanzig Pooris zu essen? Zuerst einmal wirst du leiden. Du wirst heute Nacht nicht schlafen können, nicht wahr? Du wirst dadurch Kopfschmerzen, Magenschmerzen und dann alle anderen Arten von Schmerzen bekommen.
Der erste Grund für das Leiden besteht darin, dass wir gegen die Naturgesetze verstoßen. Der zweite Grund ist Unwissenheit. Wenn du nicht weißt, was du isst und einige falsche Dinge isst, wirst du ebenfalls leiden, nicht wahr? Drittens kann es dir auch Karma bringen, wenn du einige Gesetze zu einem früheren Zeitpunkt in der Vergangenheit oder im vergangenen Leben verletzt hast. Karmaja, Agyanaja und Pragyaparadh: Diese drei Dinge bringen Leid. Wie kann man die Unwissenheit beenden? Durch Wissen und Verstehen, indem man Fragen stellt, wie du es gerade tust.

F.: Wie kann man wirklich vergeben?
Sri Sri Ravi Shankar: Wirklich vergeben? Gibt es irgendeine falsche Vergebung? Ich kenne keine falsche Vergebung. Ich kenne nur wahre Vergebung. Vergeben bedeutet vergeben, das ist alles.
Vorbei ist vorbei, Menschen haben Fehler begangen. Geh weiter.

Weißt du, warum etwas immer wieder kommt? Der Grund liegt in deiner Anhaftung an irgendein Vergnügen. Das ist nicht der Fehler des anderen. Stell dir vor, jemand habe dir irgendeine Freude bereitet, und danach seist du von der Person betrogen worden, oder sie habe einen Fehler begangen. Du kannst diesen Fehler zwar verzeihen, aber dein Verlangen nach der Freude wird immer wieder kommen. Wenn du erkennst, dass es nur eine Illusion ist, wirst du zentrierter.

F.: Was ist das Besondere an 2012?
Sri Sri Ravi Shankar: Weißt du, für uns ist jeder Tag besonders, jedes Jahr ist besonders. Nach dem hinduistischen Kalender wird das nächste Jahr Nanda genannt. Nanda bedeutet Glück. Es ist das Jahr der Glückseligkeit.
Das vergangene Jahr endet am 23. März und heißt Khara. Khara bedeutet: Sicher, mit Gewissheit. Das Jahr davor war dasjenige der Unsicherheit, und dieses Jahr ist das Jahr der Gewissheit, der Sicherheit. Das nächste Jahr ist das Jahr des Glücks.

F.: Erlebt die Seele Glück und Leid, oder ist es der Geist, der beides erfährt?
Sri Sri Ravi Shankar: Nur der Geist erlebt diese Dinge. Alle Erfahrungen spielen sich im Geist ab. Die Erfahrung der Seele findet auch auf der Ebene des Geistes statt. Wenn der Geist ruhig ist, dann ist die Seele erfahren. Die Seele ist eine Verkörperung der Freude. Der Geist erfährt Leid. Wenn der Geist sich auflöst, wird Freude erfahren.

F.: Wo sind die Grenzen des Geistes und der Seele? Bis wohin reicht der Gesit, und wo beginnt die Seele?
Sri Sri Ravi Shankar: So wie es den Ozean und die Wellen gibt. Genauso, wie es im Ozean Wellen gibt, befindet sich der Geist in der Seele. Der Geist ist keine eigenständige Entität. Er entspricht der Welle im Ozean. Er steigt ein wenig auf und beruhigt sich wieder, kommt wieder hoch und beruhigt sich dann.

F.: Guruji, warum müssen manche Menschen ihr ganzes Leben lang leiden? Manche Menschen werden in Slums geboren und leiden immerzu, während andere in ein schönes Zuhause hineingeboren werden und ein bequemes, glückliches Leben führen können. Ich möchte es wissen. Ich sehe andere und mich selbst leiden.
Sri Sri Ravi Shankar: Leidest du? Sag mir, ob du dein eigenes Leid meinst oder das Leid anderer.
(Antwort: Ich leide auch.)
Du auch? Aber du lächelst! Wenn ich dein Gesicht betrachte, sieht es nicht danach aus, als würdest du sehr leiden!

Nur das allein ist notwendig. Nimmst du kein Lächeln auf deinem Gesicht wahr, wenn du Saddhana machst? Lächle auch in schwierigen Zeiten, so ist das Leben.
Jede Schwierigkeit kommt, um wieder wegzugehen. Sie verschwindet ebenso schnell wieder, wie sie aufgetaucht ist. Kein Problem bleibt für immer. Probleme kommen und gehen.

F.: Guruji, gibt es Wiedergeburt?
Sri Sri Ravi Shankar: Mit Sicherheit!

F.: Guruji, was kann ich tun, um dein Lieblingsschüler zu werden?
Sri Sri Ravi Shankar: Tue weiterhin das, was du schon tust. Du bist bereits mein Lieblingsschüler! Mache Seva und Saddhana, komme regelmäßig zum Satsang, werde Kursleiter. Tue anderen Menschen Gutes. Die Tatsache, dass du mein Schüler bist, bedeutet schon, dass du mein Lieblingsschüler bist. So etwas wie Lieblingsschüler oder nicht Lieblingsschüler gibt es gar nicht, in Ordnung?

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Gott existiert. Er liebt dich sehr und er ist in dir.

20. Januar 2012

Das Leben ist unbezahlbar. Es ist ein Geschenk Gottes. Wenn wir uns nicht darum kümmern, werden wir unglücklich bleiben. Wenn wir uns darum kümmern, werden wir das bekommen, was wir uns wünschen. Ich bin hergekommen, um dich an etwas zu erinnern. Weißt du, was das ist? Nein, deshalb bin ich ja gekommen, um dich daran zu erinnern. (Lachen). Du weißt nicht, warum ich hergekommen bin, nicht wahr? Ich bin gekommen, um dich daran zu erinnern, dass es diese eine Macht gibt, die existiert; Gott existiert. Wenn du mir nicht glaubst, dann frag mich. Ich werde sagen, dass Gott existiert. Und dass er dich sehr liebt. Dann wirst du fragen: „Warum hat er mir Leid gebracht? Wenn Gott existiert, warum gibt es dann Elend?” Wenn wir uns gegen ihn richten oder undankbar werden, nehmen die Sorgen zu. Wenn wir belastet sind, müssen wir nach Gott suchen. Dann erfahren wir, dass in Zeiten des Schmerzes immer jemand an unserer Seite gewesen ist.

Es heißt, Gott nehme Maß und befestige dann den Schwanz an jedem Tier. Er hat den Schwanz des Elefanten nicht an der Ziege befestigt, weil sie nicht fähig sein würde, ihn zu tragen. Jedem Tier wird ein Schwanz zugeteilt, der so lange ist, dass es ihn tragen kann.  Ähnlich entspricht das Problem eines jeden Menschen diesem Schwanz. Du wirst nur mit Problemen konfrontiert, die du bewältigen kannst. Ich bin gekommen, um die Probleme zu lösen, die du nicht lösen kannst. Alle Gurus und Intellektuellen in der Gesellschaft sind in erster Linie dazu da, um deine Probleme zu lösen. Die ganze Welt, deine Freunde und deine Verwandten sind bei dir. Du bist nicht alleine. Also ist Gott da, er existiert. Ich bin nur hergekommen, um dich an diese Tatsache zu erinnern. Gott ist da, und er liebt dich sehr. Er ist in dir.

Wenn wir unseren Geist während kurzen und häufigen Pausen beruhigen, werden wir fähig, die Verbindung mit ihm aufzubauen. Dann wird nichts mehr von dem, was du dir wünschst, unmöglich sein. Jo ichcha kariho manu maahi, prabhu prataap kachhu durlabh naahin. Das ist eine erwiesene Tatsache. Wir alle sind hier zu einem Satsang zusammengekommen. Der Gewinn daraus  sollte sein, dass dieses große Lächeln, das jetzt zu sehen ist, niemals mehr von deinem Gesicht weicht. Du hast deine Sorgen hergebracht, lass sie hier und geh mit einem Lächeln zurück. Sei versichert, dass alles sich zum Guten wenden wird. Es mag einige Zeit dauern, bis es soweit ist, aber es wird mit Sicherheit geschehen. Es kann sein, dass es etwas Zeit braucht, muss aber nicht notwendigerweise so sein.

Es sind dreißig Jahre vergangen, seit ich begonnen habe, durch die Welt zu reisen. Heute wirst du das in jedem Winkel dieser Erde finden. Die indische Kultur und Spiritualität werden respektiert. Wenn du zur letzten Stadt des Nordpols, Tromso, oder zur letzten Stadt des Südpols, Tierra del Fuego, gehst, wirst du Menschen finden, die Kirtan, Pranayama und Meditation praktizieren. Wenn du dorthin gehst und Jai Guru Dev sagst, wirst du Tausende von Menschen finden. Indien ist ein wundervoller Ort. Die Füße Gottes sind an diesen Ort gebunden. (Bezieht sich auf Bodh Gaya, Bihar, Indien, wo der Satsang stattfand). Vishnu Paad, die Füße Vishnus, sind an diesen Ort gebunden. Das ist die Bedeutung von Gaya. Buddha erhielt das Wissen an diesem Ort. Siddhartha wurde hier zu Buddha und verbreitete sein Wissen überall auf der Welt. Ihr lebt auf einem so reinen Boden.

Ich möchte dir versichern, dass es eine Kraft in deinem Inneren gibt, die du nicht nutzt. Wenn du sie nutzt, wirst du keinen Grund haben, traurig zu sein. Dukh main tyaag, sukh main seva; Übergib alles in Zeiten des Leids und diene in Zeiten des Glücks und der Freude. Wenn wir das unaufhörlich tun, wird eine Welle der Hingabe in unserem Inneren entstehen. Wenn wir glücklich sind, sollten wir Seva machen. Und wenn wir durcheinander sind, müssen wir alles übergeben und Vertrauen haben, dass es sich zum Guten wenden wird. Du solltest heute zwei Listen machen. Die eine Liste besteht aus den Dingen, die du haben möchtest, die andere aus den Dingen, für die du Verantwortung übernehmen willst. Wenn wir weniger Dinge haben, für die wir Verantwortung übernehmen, als Dinge, derer wir bedürfen,  werden wir unglücklich sein. Wenn wir jedoch mehr Dinge haben, für die wir Verantwortung übernehmen, als Bedürfnisse, werden wir glücklich sein. Wenn wir das Gefühl haben, nichts für uns selbst zu wollen, erwacht eine mystische Kraft in unserem Inneren, durch die wir auch andere segnen können. Dann beginnt unser Sankalpa (Absicht) – das, was wir benötigen -  sich zu erfüllen. Wir werden auch fähig, Wünsche von anderen zu erfüllen. Hier handelt es sich um eine erwiesene Wissenschaft und nicht um Aberglauben.

Was also müssen wir tun? Worin besteht unsere Verantwortung? Erstens sollten wir uns für eine chemiefreie Landwirtschaft einsetzen, d.h. wir sollten die biologische Landwirtschaft fördern. Alle, die hier bereits Landwirtschaft betreiben, sollten mit biologischer Landwirtschaft beginnen. Art of Living wird euch helfen, mit dem Markt in Kontakt zu kommen. Ihr befürchtet, nicht den angemessenen Preis für eure Ernte zu erzielen. Das wird nicht geschehen. In Ordnung? Zweitens: Wie viele arbeitslose Jugendliche haben wir hier? Im Auftrag von Art of Living wurde ein Büro eröffnet, das Employment Bureau, das sich um Arbeit kümmert. Diejenigen unter euch, die arbeitslos sind, können sich im Büro eintragen lassen. Du kannst deinen Namen, deine Qualifikationen und deine Vorstellungen eintragen lassen, und wir werden uns mit Sicherheit darum kümmern. Weißt du, viele Menschen aus Bihar sind  nach Bangalore gekommen, um sich dort ausbilden zu lassen. Die Jugendlichen aus Bihar sind sehr tüchtig und fleißig. Sie sind fleißig, tüchtig und treu. Diese drei Eigenschaften sind ihnen eigen.

In der Zwischenzeit ist etwas schiefgelaufen. Während ein paar Jahren war Bihar bekannt für die Spannung, die hier brodelte, und für Kämpfe. Aber ich kenne die Geschichte, die dahinter steht. Die Jugend von Bihar ist ausgelassen und stark, und solche Jugendliche wünsche ich mir. Um diese Nation aufzubauen, brauchen wir die Kraft der Jugend. Wir sind mit so viel Korruption konfrontiert. Weißt du, wo die Korruption beginnt? Die Korruption beginnt dort, wo das Gefühl der Einheit endet. Wenn keine Spiritualität vorhanden ist, gibt es Korruption und Selbstsucht. Wir alle haben genug von der Korruption, und um sie auszurotten, müssen wir alle gewisse Anstrengungen in Kauf nehmen. Wie können wir vorgehen? Zunächst einmal werden wir das Gelöbnis ablegen, weder Bestechungsgelder auszurichten noch welche anzunehmen. Wenn ein Beamter hier sitzt, der Bestechungsgelder annimmt, möchte ich erwähnen, dass er die ganzen Jahre solche Gelder angenommen und somit erfahren hat, worum es geht. Er hat seinen eigenen Namen verunziert und Bitterkeit im Herzen anderer erzeugt.

Und was tun wir mit dem vielen Geld? Wir sammeln es an, lassen es auf der Bank und sterben! Nach unserem Tod streiten sich unsere Kinder vor Gericht um dieses Geld. Du hast bewirkt, dass Brüder wie Rama und Laxman geworden sind und sich um das Geld streiten, das du durch deine korrupten Machenschaften erzielt hast. Tue so etwas nicht! Nimm während eines Jahres kein Bestechungsgeld mehr an. Das ist keine große Bitte. Nur für ein Jahr. Wenn die Dinge jedoch nicht gut laufen, kannst du tun, was du willst. Alle Jugendlichen dieses Ortes, die während sechs Monaten oder einem Jahr für die Nation arbeiten möchten, sind herzlich willkommen. Es gibt eine Menge zu tun für dieses Land. Wir alle zusammen würden gerne eine gewaltfreie Gesellschaft sehen. Ich erinnere mich, dass ich vor etwa zwölf Jahren herkam. In jenem Jahr waren die Dinge hier ziemlich ernst. Die Leute sagten: „Geh nicht dorthin, du kannst nicht dorthin gehen, es ist dort sehr gefährlich.” Bihar war gleichzusetzen mit Angst. Das war damals die Situation. Eine Versammlung war undenkbar. Man konnte nicht wissen, was wann geschehen würde. Heute ist das jedoch nicht mehr der Fall. Es hat eine bemerkenswerte Verbesserung seit damals stattgefunden. Die Menschen gehen ohne Angst umher, und das ist eine gute Sache, die geschehen ist. Trotzdem haben wir noch einen langen Weg vor uns. Wir müssen eine Menge tun.

Wir alle müssen geloben, weder Bestechungsgeld zu geben noch anzunehmen. Wenn ein Beamter Bestechungsgeld verlangt, um einen Geburts- oder Totenschein auszustellen, solltest du mit zehn weiteren Leute und nicht alleine zu ihm gehen. Sag zu ihm: „Wir haben in Gurujis Satsang gelobt, kein Bestechungsgeld zu bezahlen, also können wir es nicht tun.“ Es gehört zur Erfüllung des Dharma , an etwas festzuhalten, was du in einem Satsang gelobt hast.

Zweitens zerstört der Alkohol diese Nation. Wir sind sehr beunruhigt, diese Alkoholabhängigkeit festzustellen. In den letzten paar Monaten hat sich der Verkauf von Alkohol in unserem Land verdreifacht. Millionen von Rupien werden dafür ausgegeben, und die Menschen werden ärmer. Solange der Alkoholfluss hier weiterfließt, wird es keinen Wohlstand in diesem Land geben. Wenn das Land gedeihen und die Armut ausgerottet werden soll, müssen wir zuerst alle Alkoholläden schließen. Ich lade alle Alkoholabhängigen in meine „Bar” ein; der Rausch, den sie hier erleben werden, wird niemals enden. Wenn du im Rausch eines Satsangs tanzt, erscheinen dir alle anderen Abhängigkeiten als belanglos. Die Menschen trinken Alkohol bei Hochzeiten, wenn ein Kind zur Welt kommt, und auch dann, wenn jemand stirbt. Wenn eine Partei eine Wahl gewinnt, wird Alkohol getrunken. Falls sie aber verliert, wird ebenfalls Alkohol getrunken, um den Kummer zu vergessen. Ob die Menschen nun einen Verlust erleiden oder aber einen Überschuss erzielen, in beiden Fällen trinken sie Alkohol. Was auch immer geschieht, die Fessel des Alkoholkonsums wird im Leben aufrechterhalten. Wir werden diesen Zustand ändern müssen. Wenn du Pranayamas, Kriya und Meditation praktizierst, wirst du erkennen, was für einen Energielevel du hast. Du wirst automatisch mit dem Alkohol aufhören. Um deine Gesundheit zu unterstützen, solltest du ayurvedische Produkte verwenden. Bei Kopfschmerzen benutzen wir allopathische Medikamente. Benutze ayurvedische Medikamente, praktiziere Pranayamas und Meditation, und sämtliche Schmerzen werden verschwinden.

Eine Person aus dem Publikum: Wir sollten die Alkoholproduktion in Indien stoppen.
Sri Sri Ravi Shankar: Deshalb bin ich hier. Wenn keine Käufer mehr da sind, wie sollen sie da den Alkohol noch verkaufen?

Weißt du, warum wir Kopfschmerzen bekommen? Weil wir Nahrung konsumieren, die voller Chemie ist, in der Harnstoff und all die Düngemittel enthalten sind, die beim Anbau der Pflanzen verwendet werden. Wenn wir eine chemiefreie Landwirtschaft betreiben, bewirken die Pflanzen, die angebaut werden, keine Schmerzen in unserem Körper, wir sind glücklich und haben ein scharfes Gedächtnis. Deshalb ist es sehr notwendig, dass wir während einer kurzen Zeit täglich Yoga und Pranayamas praktizieren. Dein Körper wird dann sehr stark, und du wirst glücklich sein. Mein Segen ist immer bei euch. Es wird keinen Mangel geben.
Das ist die Magie des Yoga. Yoga hat die Kraft, all deine Wünsche zu erfüllen. Ich habe gehört, dass ein kleiner Gyan Mandap Ashram in Bodh Gaya gebaut worden ist und bin gekommen, um ihn einzuweihen. Heute sind mehr als zweihundert Menschen aus China, Japan und anderen Nationen gekommen. Selbst in China wird die Spiritualität aus Indien sehr respektiert. Unsere körperlichen Probleme verschwinden, wir werden gesund, Zufriedenheit breitet sich in der Gesellschaft aus, Probleme werden bereinigt, und die Menschen erfahren eine Verbesserung ihrer Gehirnkraft. Es ist ein so wunderbares und angenehmes Wissen. Wir aber sind es gewesen, die es beiseitegeschoben, ignoriert und niemals beachtet haben. Das ist ein Fehler, den wir alle begangen haben.
Wie viele von euch frieren? Falls ja, solltest du deinen Daumen so halten, dass er warm wird. Wenn du den Daumen warmhältst, wird dein ganzer Körper warm sein. Wenn ich in kalte Länder wie die Schweiz reise, trage ich die gleiche Kleidung wie jetzt, und die Leute fragen mich, ob ich nicht friere. Und ich sage nein. Auch du kannst dasselbe tun. Wenn du ein wenig Pranayama, Yoga und Meditation praktizierst, wird dir weder Hitze noch Kälte etwas anhaben können. Du wirst stark werden!

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Wissen entfernt die Dunkelheit der Unwissenheit im Leben…

15. Januar 2012

Wirkliche Bildung – so glaube ich – ist eine Bildung, durch die das Individuum gestärkt wird und keinem Leid ausgesetzt ist. Wenn jemand kritisiert, kann man der Kritik mutig zuhören. Wenn man selbst kritisieren oder kommentieren muss, kann man es mit Geduld und Vertrauen ohne zu zögern tun.

Es sollte keine Schüchternheit geben, sondern stattdessen Freude und ein Gefühl von geistiger Erfüllung – das ist Wissen. Wissen entfernt die Dunkelheit der Unwissenheit im Leben und macht dich froh. Ohne Wissen bleiben wir im Leben depressiv. Wenn jemand depressiv ist, musst du wissen, dass es ihm an Wissen mangelt. Was gibt es für einen Grund für Kummer? Was immer du erhalten hast wird vielleicht weggehen, wir werden alles zurücklassen. Nichts wird bestehen bleiben. Alles wird sich verändern. Nichts wird konstant bleiben, weder unser Körper, noch unser Zuhause, noch unser Beruf, noch unser Prestige. Eines Tages werden wir über all diese Dinge hinweggehen. Woraus besteht dann die Angst?

Es ist deshalb extrem notwendig, die Unwissenheit zu beenden. In vielen Dörfern schicken die Leute ihre Kinder nicht zur Schule. Sie können nicht lernen. Gebildete Menschen werden in den Dörfern – in den unterentwickelten Regionen- knapp. Wir müssen Bildung weitergeben.

Ebenso müssen wir uns in jedem Bereich Wissen aneignen. Wir haben keine Kenntnisse darüber, was für Nahrungsmittel wir essen und wie wir sie zubereiten sollten. Wir essen nur Kohlehydrate wie Kartoffeln, Reis oder Roti. Kartoffeln bestehen aus Stärke und Kohlehydraten, Reis und Rotis ebenfalls. Wir bekommen bei unserer Ernährung nur einen Nährstoff. Dadurch, dass wir einige Linsen hinzufügen, wird das Essen nicht ausgewogener. Deshalb kommt es zu Übersäuerung, die Menschen werden krank, oder sie bekommen Diabetes.

In Nordindien essen die Leute nur drei Dinge: Brinjal, Kartoffeln und Tomaten. Sie kochen zu Hause kein weiteres Gemüse. Falls überhaupt einmal etwas anderes gekocht wird, dann während Feierlichkeiten. Kartoffeln, Brinjal und Tomaten mit so viel Öl und Paprika! Diese drei Nahrungsmittel haben keinerlei Nährwert. Sie enthalten keine Mineralstoffe. Okra, Turai, Lauki, Karotten und viele andere Gemüsesorten werden einfach vergessen. Es gibt in Indien so viele Gemüsearten. Parval (Kürbis) wird nicht angepflanzt. Verschiedene Gemüsesorten sollten angepflanzt werden. Die Menschen sollten sich Wissen über Nahrungsmittel   aneignen.

Also muss die Unwissenheit beseitigt werden. Die Ungerechtigkeit muss ein Ende finden, auch überall dort, wo sie im Namen von Kasten oder Religionen stattfindet. Vor Kurzem hat die Regierung eine Gesetzesvorlage gegen Gewalt verabschiedet. Wenn du genau hinsiehst, ist sie ziemlich furchterregend, es handelt sich schon fast um ein drakonisches Gesetz. Auch  beim Lokbal Bill, das eingeführt werden soll, ist es so. Jemand, der eine Beschwerde einreicht, bekommt eine zweijährige Strafe, die Person, gegen die eine Beschwerde eingereicht wurde, sechs Monate!

All diese Dinge sind eine Ungerechtigkeit der Nation gegenüber. Es wird nicht auf die Stimme der Öffentlichkeit gehört. Stattdessen wird das befolgt, was das Oberkommando sagt! Jedermann sagt: „Befolge, was das Oberkommando sagt.” Woher kommt das?

Die Würde und das Prestige unserer Nation müssen gewahrt werden. Es gibt eine jahrhundertealte Tradition. Wir halten diese Tradition nicht in Ehren.
Wenn jemand uns nach unserer Pflicht fragt, antworten wir: „Wir müssen die nationale Fahne hochhalten!” Ist das etwa eine Pflicht, die nationale Fahne hochzuhalten? Dharma oder Pflicht soll zur Folge haben, dass Menschen stabil werden. Wenn jemand seine Pflicht nicht kennt, erzählt er, sein Dharma sei es, die nationale Fahne hochzuhalten. Warum sind Menschen so schüchtern? Ist das Dharma dieses Landes so wertlos?

Steh auf, steh aufrecht und lass nicht zu, dass Ungerechtigkeit die Oberhand gewinnt. Wir müssen gegen die Ungerechtigkeit kämpfen.

Die dritte Sache, die wir bekämpfen sollten, ist der Mangel.
Indien ist der größte Getreideproduzent, der größte Gemüseproduzent und der größte Milchproduzent der Welt. Trotzdem besteht ein andauernder Mangel. Der Preis für Gemüse hat schwindelnde Höhen erreicht, zwei oder drei Monate später ist er plötzlich wieder gefallen. Für die Landwirte war das ein riesiger Verlust. In Punjab wurden Kartoffeln für eine Rupie pro Kilogramm verkauft. Die Planung funktioniert nicht. Wir haben keine landwirtschaftliche Planung. Wie sonst kann es möglich sein, dass innerhalb von nur drei Monaten so hohe Preisschwankungen bestehen?

Unser Verteilersystem ist mangelhaft. Manche Leute versuchen, die Dinge im Hintergrund durcheinanderzubringen, Produkte zu horten  und Verluste zu bewirken. Das ist nicht in Ordnung. Wir müssen uns gegen den Mangel einsetzen und den Wohlstand im Land vergrößern.

Erst gestern unterhielt ich mich mit ein paar Geschäftsleuten und Händlern, und sie  sagten: „Guruji, alles ist zum Erliegen gekommen. Die Geschäftsleute sind frustriert und unglücklich. Die Arbeit wird nicht getan.“

Der Grund dafür liegt darin, dass das zur Handlungsweise unserer Regierung geworden ist! Wir müssen den Mangel beseitigen. In einem Land, in dem Händler Erfolg haben, wird es keine Knappheit geben. Also müssen sich die Händler Gedanken über diese Sache machen.

Ich wurde angefragt, am Ende dieses Monats am World Economic Forum zu sprechen.
Jedes Land in der Welt sieht sich mit eigenen Herausforderungen konfrontiert. Ein einziges Gesetz wurde allen auferlegt, ohne die Situation miteinzubeziehen. Das wird nicht funktionieren. Das, was in Amerika funktioniert, wird in Indien nicht funktionieren. Das, was in Indien funktioniert, wird in Australien nicht funktionieren. Was unser Land betrifft,  ist es notwendig, hier die Knappheit zu beenden. Darüber werden wir nachdenken müssen. Es sollte nicht so sein, dass jemand aus Washington uns Anweisungen gibt, und dass unsere Minister bereitwillig seinen Befehlen Folge leisten. Das wird nicht funktionieren. Nicht wahr?

Außerdem müssen wir die Unreinheit innerhalb und außerhalb unseres Geistes entfernen. Wir füllen unseren Geist mit so viel Abfall! Es ist notwendig, dass wir uns von all dem Ärger und der Anhaftung befreien. Wir müssen darüber hinauswachsen.

Erinnert euch also daran, dass wir daran arbeiten müssen, diesen vier Dingen ein Ende zu setzen: Unwissenheit, Ungerechtigkeit, Knappheit und Unreinheit.

Wenn du dich bewegst, beobachte, welches Nasenloch offen ist, das rechte oder das linke. Bewege den entsprechenden Fuß zuerst nach vorne. Wenn du ins Auto steigst, nachdem du die Nasenlöcher kontrolliert hast, d.h. mit dem entsprechenden Fuß zuerst einsteigst, wirst du niemals einen Unfall haben! Dieses Wissen ist in den Shastras zu finden. Es sind alles Geheimnisse, die man nicht bekannt geben dürfte. Aber ich bin der Meinung, man sollte sie offenbaren und an jedermann weitergeben.

Ist das rechte Nasenloch offen, solltest du Nahrung zu dir nehmen. Ist das linke offen, solltest du Wasser trinken. Wenn du es umgekehrt machst, wirst du krank werden. Wenn jemand isst, während das linke Nasenloch offen ist, und Wasser trinkt, wenn das rechte Nasenloch offen ist, wird er innerhalb von drei Monaten krank werden: Er wird Kopfweh, Rückenschmerzen oder andere solche Gebrechen bekommen. Was also müssen wir tun? Nachdem du dein Abendessen eingenommen hast – wenn du auf deiner rechten Seite schläfst – wird das linke Nasenloch aktiviert.

Du solltest auf jeden Fall täglich Pranayamas machen, und sei es auch nur für eine kurze Zeit. Dasselbe gilt auch für die Bhastrika, die täglich praktiziert werden sollte. Beide sind wichtig.

Wie viele Leute sind bereit, sich für das Wohlergehen der Gesellschaft einzusetzen? (Fast alle erheben ihre Hand). Alle sind dazu bereit, das ist wunderbar! Wie ich schon gestern gesagt habe, wird das Erwachen im Land in Maharashtra beginnen, wenn ihr dem Land sechs Monate widmet. Wie viele Leute sind bereit, sechs Monate für uns zu arbeiten?

Wisst ihr, was wir tun müssen?

Bildet vier Gruppen: Unwissenheit, Knappheit, Ungerechtigkeit und Unreinheit. Geht dann auf Padayatra (Reise zu Fuß) von Dorf zu Dorf und nehmt jedermann in Adarsh Divya Samaj Nirman Yojana (ADSNY) auf. Bittet alle, Mitglieder zu werden. Jedermann möchte gerne Teil einer großen Revolution sein. Es ist ganz einfach. Sagt ihnen: „Lasst es uns alle gemeinsam tun. Lasst uns eine Datenbank für hundert Millionen Bürger überall im Land ausarbeiten.“

Seht, alle Politiker benutzen Kaste und Glaubensbekenntnis, um sich eine Wählergemeinschaft zu sichern. Warum sollten wir das nicht auch tun und Ehrlichkeit als Richtlinie einsetzen? Sollten wir nicht eine Wählerschaft haben, die aus ehrlichen Menschen besteht? Dann werden auch alle ehrlichen Menschen kommen, um abzustimmen, und sie werden ehrliche Menschen in die Behörden wählen.
Heutzutage werden unehrliche, asoziale Elemente und Kriminelle gewählt, weil  eine Wählergemeinschaft hinter ihnen steht. Wenn also eine Wählergemeinschaft aus guten Menschen geschaffen wird, werden auch gute und sattvische Menschen an die Macht kommen. Solche Menschen werden allen Gerechtigkeit bringen, und das Land wird besser werden. Dieser Gedanke ist mir heute durch den Kopf gegangen.

Kürzlich war ich eingeladen, vor ein paar Industriellen in Delhi zu sprechen. Einige Top-Industrielle waren anwesend. Die Menschen fragten sich, ob die Geschäftsleute darauf eingehen würden oder nicht, und was wohl geschehen würde. Die Organisatoren hatten Angst. Ich stand voller Gekünsteltheit auf und sprach zu allen: „Meine Damen und Herren, ich bin hier, um zu zählen, wie viele Esel sich hier befinden.” Der Gastgeber war schockiert und begann zu zittern:  „Was sagt Guruji da?” Ich sagte: „Ja, du bist ein Esel. Wenn du einen Zustand von Unnatürlichkeit und Unwissenheit aufrechterhältst, was kann ich da noch sagen? Und du schämst dich wegen des Wissens. Also bist du ein Esel!”
Ich schimpfte ziemlich mit ihnen, auch wenn das nicht meine Natur ist. Sie mochten es jedoch alle und wurden irgendwie wachgerüttelt. Alle freuten sich. Schau, im Wissen zu sein ist immer nutzbringend, selbst wenn du schimpfst. Durch Unwissenheit kannst du nur Verluste erleiden, selbst dann, wenn du liebst.

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Es gibt überall nur einen Gott

5. Januar 2012

F.: Guruji, glaubst du, dass es richtig ist, Gefängnisse zu haben?
Sri Sri Ravi Shankar:
Ich betrachte Gefängnisse als Krankenhäuser. Wenn jemand körperlich krank ist, bringt man ihn ins Krankenhaus. Wenn die Handlungen einer Person krankhaft sind, geht sie ins Gefängnis, um sich zu bessern und dann wieder zurückzukommen. Unglücklicherweise sind Gefängnisse zu einem Büro geworden, wo kriminelle Ideen ausgetauscht werden können. Menschen werden dort eingewiesen, nur um als noch größere Straftäter wieder herauszukommen, weil sie im Gefängnis Verbrechen erst verstehen lernen. Ursprünglich beabsichtigte man einer Person tiefe Ruhe zu ermöglichen, indem man sie in ein Zimmer brachte. Wenn jemand dauernd aktiv ist und arbeitet, wird er stark gestresst. In diesem Zustand ist es normal, Fehler zu begehen.
Was ist ein Verbrechen? Eine Fehlhandlung. Um es wieder in Ordnung zu bringen, werden die Menschen in eine Besserungsanstalt (correctional home) geschickt. In Amerika werden diese Orte nicht mehr als Gefängnis, sondern als Besserungsanstalt bezeichnet. Man sollte dorthin gehen, um zu meditieren, hohl und leer zu werden und glücklich wieder zurückzukommen.
Das geschieht jedoch nicht. Also müssen wir es übernehmen, die Insassen aller Gefängnisse in Meditation zu unterrichten. Du sehen, dass dann bessere Menschen von dort herauskommen werden. Es geschieht übrigens bereits. Viele Art of Living Gefängniskurse finden überall statt. Jeder, der daran mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen!

F.: Wann darf ein Haushaltsvorstand seine Frau verlassen, um mit Sanyas zu beginnen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nur mit ihrer Erlaubnis! Wenn deine Frau sagt: „Du kannst gehen, tue, was immer du tun willst!“, dann kannst du das tun. Wenn du jedoch eine Verantwortung trägst, solltest du sie besser wahrnehmen, nicht wahr?

F.: Bist du jemals einfach aus Spaß in einem Kasino gewesen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Ich glaube, ich erschaffe jeden Abend eines, wo jedermann singt, tanzt und glücklich ist. Nein, ich war nie in einem Kasino, wo Menschen um Geld spielen.

F.: Warum erlaubst du das Singen während des Schweigens?
Sri Sri Ravi Shankar:
Singen bringt merkwürdigerweise eine bestimmte Stille in den Geist. Es gibt Kurse, bei denen wir nicht singen und tiefer in die Stille eintauchen. Das ist ein fortgeschrittenes Stadium. Hier ist der Anfang, bei dem du nur während drei oder vier Tagen in die Stille gehst. Es ist gut, am Abend ein wenig Musik zu haben, denn das beruhigt den Organismus. Außerdem wird die Aktivität der rechten Gehirnhälfte durch Musik stimuliert. Wir brauchen beides, intellektuelle Gespräche, Verstehen und Musik, damit die beiden Gehirnhälften – die rechte und die linke – ins Gleichgewicht gebracht werden können.

F.: Danke für diese Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks und das Fühlen des Raumes. Ich hätte nie gedacht, dass es mich so begeistern könnte, immer tiefer in diese Dinge einzutauchen. Ich möchte jeden Tag hohl und leer sein.
Sri Sri Ravi Shankar:
Das bist du! Ich weiß, dass ihr das alle genießt. Es ist so schön, nicht wahr? Auch der blessings Kurs ist wunderbar.
Nun, auch wenn ihr das festgestellt habt und all diese Dinge tut, möchte ich, dass ihr trotzdem ganz normal bleibt. Es gibt einen Verhaltenskodex für die Erleuchtung. Wisst ihr, was für einer das ist? Sei einfach, normal. Denke nicht, du seist ein besonderer Mensch.
Es gibt einen schönen Vers in Indien, der uns sagt, wie das Leben sein sollte, nämlich wie das Gras unter dem Berg.Wenn Felsbrocken den Berg hinunterstürzen, fallen die Bäume, dem Gras jedoch geschieht nichts. Sei so bescheiden wie das Gras am Fuß des Berges. Wasser kann den Berg hinunterfließen, es strömt vorbei und kann Bäume niederreißen. Das Gras kann niemals hinweggefegt werden, es bleibt. Sei wie das Gras unten am Berg. Sei wie der Blumentopf vor dem Haus. Die Blumentöpfe vor dem Haus bringen Wohlgeruch ins Haus.
Sie hindern auch jeden üblen Geruch aus dem Haus daran, auf die Straße zu gelangen.
Sei wie die Blume vor dem Haus, sodass jeder, der vorbeikommt, sie betrachten und glücklich werden kann. Sie bringt nicht nur den Hausbewohnern, sondern auch jedem Passanten Freude, der sagen wird: „Schau dir diese Blumen an, es ist so schön!“
Ist es nicht das, was du sagst, wenn du vorbeifährst und einen schönen Garten mit vielen Blumen vor einem Haus siehst? Besonders wenn Menschen aus Asien im Frühling oder im Sommer nach Deutschland kommen, lieben sie es, dass jedes Haus Töpfe mit Blumen vor dem Fenster stehen oder hängen hat.
Besonders im Gebiet des Schwarzwalds gibt es Blumen in jedem Haus und auf der Straße. Das ist eine Feier für die Augen!

Und sei so, wie Süßigkeiten für arme Menschen sind. Arme Menschen essen nicht täglich Süßes. Die Ärmsten der Armen bekommen höchstens einen Laib Brot und ein Glas Milch oder sonst etwas. Wenn sie jedoch einen Kuchen oder Süßigkeiten erhalten, genießen sie es sehr, vor allem die Kinder. So solltest du für die Kinder und für die armen Menschen sein. Werde eins mit allen Menschen. Sei wie ein Dummkopf unter Dummköpfen. Versuche nicht, intelligent zu sein. Mische dich unter alle! Manchmal stellen die Menschen meinem Namen 3 oder 108 Sris voran. Dann sage ich: „Ich möchte mich den Menschen nahe fühlen. Benutzt Sri also nicht dreimal, zweimal sind genug. Lasst es bei zwei Sris bewenden.” Wenn du jemanden so betrachtest, als sei er allzu hoch oben, beginnst du, die vertrauliche Verbindung, das innere Gefühl und das Einssein mit ihm zu verlieren. Dann empfindest du zwar Respekt, aber keine Liebe, denn Liebe bedeutet Nähe, und Respekt braucht ein wenig Distanz. Die Schönheit im Leben besteht darin, mit diesen beiden Dingen umgehen zu können.
Weißt du, warum Mann und Frau streiten? Nach einer Weile verlieren sie den Respekt füreinander, was zum Streit führt. Wenn sie es schaffen, sowohl den Respekt als auch die Liebe aufrechtzuerhalten, wird diese Beziehung für immer weiterbestehen. Um in der Welt leben zu können, müssen wir uns mit jedem Menschen eins, mit jedem Menschen heimisch fühlen. Denke nicht: „Oh, ich meditiere, ich bin etwas Besonderes!” Jemand, der nicht meditiert, ist ebenfalls etwas Besonderes. Wir sind alle eins. Wir sollten damit beginnen, diese Einheit zu fühlen.
Wenn du beginnst, das zu fühlen, wirst du sehen, wie es auch auf andere übergeht. Du kannst die Atmosphäre verändern.

F.: Im Islam heißt es, es gebe nur einen Gott. Was denkst du darüber?
Sri Sri Ravi Shankar:
Natürlich, alle sagen, es gebe nur einen Gott. Das Judentum sagt, es gebe nur einen Gott. Das Christentum sagt, es gebe nur einen Gott. Nicht wahr? Der Hinduismus sagt, es gebe nur einen Gott: Ekam Sat Vipra: Es gibt nur einen Gott, der sich in vielen Formen manifestiert. Du kannst ihn in jeder Gestalt, die du dir wünschst, anbeten. Es gibt nur ein Licht, aber sieben Farben. Oder wie der Islam es ausdrückt: Es gibt nur einen Gott, aber neunundneunzig Namen.
Der Hinduismus sagt, es gebe hundertundacht Namen und auch hundertundacht Formen, denn alle Formen gehören nur einem Gott. Derselbe Gott ist in jeder Form gegenwärtig. Warum? Weil Gott Raum ist, er ist keine Person, er ist kein Objekt, er ist Energie.
Woraus besteht diese Energie? Jesus sagte: Aus Liebe. Liebe ist Gott.
Und so steht es auch in den Upanishaden, in den alten vedischen Schriften: Gott ist Liebe; Gott ist Energie, er ist in dir als du, er ist in jedermann gegenwärtig. Irgendwo scheint er mehr durch, irgendwo weniger.
In Spanien scheint die Sonne stärker, in Berlin etwas weniger. Und so ist Gott an manchen Orten stärker als Liebe sichtbar, an anderen Orten ist er stärker als etwas anderes sichtbar. Gott ist also Energie, und das ist es, woraus wir alle bestehen, woraus jedermann besteht. Verstehst du, was ich sage?
Es gibt überall nur einen Gott.
Das, was der Islam aussagt, ist also korrekt: Es gibt nur einen Gott.
Die Schwierigkeiten beginnen dann, wenn jemand sagt: „Mein Gott ist der einzige Gott. Dein Gott ist ein falscher Gott.” Das ist das Problem.
„Nur wenn du an mein Buch glaubst, wirst du in den Himmel kommen. Ansonsten wirst du in die Hölle gehen.“
Das ist der Grund, warum diese Welt unter Terrorismus leiden muss: Manche Menschen denken, nur sie besäßen den Schlüssel zum Himmel, die anderen jedoch nicht. Das ist nicht korrekt.
Buddhisten gehen auch in den Himmel. Es gibt auf der Welt 1.2 Milliarden Buddhisten. Was denkst du? Würde Gott sie alle benachteiligen? Kommen sie nicht in den Himmel? Das ist Unsinn!
Es gibt auch 1.2 Milliarden Hindus. Denkst du, sie alle werden in der Hölle leiden? Nein!
Ich denke, diese Fanatiker haben die heiligen Schriften fehlinterpretiert, ob es nun um den Koran geht oder um die Bibel.
Schau, es gab nur einen Jesus. Aber heutzutage gibt es zweiundsiebzig Versionen der Bibel, und jeder geht davon aus, dass die eigene Fassung die richtige sei. Tatsächlich wurde die Bibel siebzig Jahre nach Christus geschrieben. Diejenigen, welche die Bibel geschrieben haben, haben Jesus niemals gesehen.
Wir können jetzt eine Übung machen. Du flüsterst der Person neben dir ein Wort zu. Das Wort soll nun weitergegeben werden bis zu einer anderen Person in jener Ecke. Während das Wort oder der Satz zu der Person in der Ecke weitergetragen wird, wird es/er sich völlig verändern. Die ganze Sache wird verzerrt. So geschah es auch mit der Bibel.
Jesus sagte: „Wir alle sind Kinder des einzigen Vaters.” Dieser Satz wurde verdreht und hieß nun: „Jesus war der einzige Sohn des Vaters.” Wäre er der einzige Sohn gewesen, hätte er „mein Vater” gesagt. Er sagte jedoch nie „mein Vater”, sondern immer „unser Vater.” Das bedeutet, dass wir alle seine Kinder sind, und das ist es auch, was Jesus ausgesprochen hat.
Als die Kirche sich später verbreiten und größer werden wollte, wurden die Worte auch stellenweise zu ihrem eigenen Vorteil verändert.

Tatsächlich lebte Jesus während zwölf Jahre in Indien und lernte dort die vedischen Schriften. Dann, als er von Indien zurückkehrte, musste er die Menschen vom Wissen überzeugen, dass Gott Liebe sei und nicht jemand, der dich immerzu bestrafe. Es war sehr schwierig für ihn, die Menschen von der Meditation und von all diesen Dingen zu überzeugen. Du darfst nicht vergessen, dass er unter Fischern lebte, also unter Menschen, die keine hohen Intellektuellen waren, und die nicht viel Wissen studiert hatten.  Als er sagte, Gott befinde sich im Inneren, das Königreich Gottes befinde sich in deinem Inneren, fragten sie ihn, auf welcher Seite Gottes er sitzen würde, auf der rechten oder auf der linken Seite. Im Inneren gibt es weder eine rechte noch eine linke Seite.
In jenen Tagen musste er sie also mit Hilfe von Gleichnissen unterrichten. Der zweifelnde Thomas war etwas intelligenter. Intelligente Menschen zweifeln, unschuldige Menschen zweifeln nicht so sehr. Als Thomas zu zweifeln begann, sagte Jesus zu ihm: „Gehe nach Indien und lerne und schaue dich dort um, wo auch ich gelernt habe.“
So ging Thomas nach Jesus´ Kreuzigung nach Indien. Bevor das Christentum nach Europa kam, ging der Apostel Thomas nach Indien und verbrachte Zeit in Mylapore, Südindien, wo er auch starb. Sein Grab befindet sich auch heute noch dort.

Wenn jemand zweifelt, rätst du ihm, sich selbst davon zu überzeugen, nicht wahr? Deshalb wurde Thomas als einziger Apostel nach Indien geschickt, weil Jesus dort gelernt hatte. Er führte ihn zu seiner eigenen Quelle.
Nun noch was die Reinkarnation betrifft: Jesus hat nicht über Reinkarnation gesprochen. Das Christentum besagt, dass es keine Reinkarnation, sondern nur ein Leben gebe. Heutzutage jedoch haben alle Psychologen auf der ganzen Welt die Reinkarnation akzeptiert. In den meisten Kliniken überall auf der Welt werden Rückführungen als Therapie angeboten.
Es wurde zweifellos bewiesen, dass Reinkarnation existiert. Es gibt eine ganze Anzahl Experimente, die über Parapsychologie und den Geist durchgeführt wurden. In der Tradition des Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, Taoismus und überall im Osten war diese Tatsache ohnehin bekannt und anerkannt.
Das Wissen, dass die Erde kugelförmig ist, war im Osten schon lange vor Galileo bekannt. Im Sanskrit wird das Studium über die Sphäre, die sich Erde nennt, Bhugola genannt. Khagola ist das Studium der Sphäre des Universums, denn jedes Objekt im Universum ist sphärisch. Gola bedeutet Sphäre oder sphärisch. Dieses Verständnis war vorhanden. Aber hier stellte sich die Kirche Galileo entgegen, das wisst ihr alle. Das geschah nur deshalb, weil der Sachverhalt in der Bibel – im Buch – nicht erwähnt, oder auch weil interpretiert, übersetzt und wieder neu interpretiert wurde, sodass ein Teil des Wissens dadurch möglicherweise verlorenging. Dasselbe gilt für die Reinkarnation: Wenn in der Bibel nicht darüber geschrieben wurde, heißt das nicht, dass sie nicht existiert.
Flugzeuge werden in keiner der Schriften erwähnt, aber Flugzeuge existieren heute. Deshalb sage ich, dass wir über nichts allzu fanatisch sein sollten. Wir schauen darüber hinaus und nehmen das an, was für uns wahr ist und für uns zutrifft. Was immer wir hier besprechen, wenn es bei dir keinen Anklang findet, dann musst du es nicht akzeptieren, lasse es einfach los. Übernimm nur das, was sich für dich richtig anfühlt. Du musst dein Herz dazu befragen.
Und ich sage niemals etwas, von dem ich glaube, dass es nicht richtig ist, es auszusprechen. Wir müssen also ehrlich zu uns selbst sein. Die Essenz aller Schriften der Welt ist: Einfachheit, Liebe, Ehrlichkeit, und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit allen Dingen und allen Menschen. Bewirke keine Abtrennung, indem du sagst: Ich folge dieser Religion oder jener Religion. Nein!
Du hast kein Problem damit, dänisches Gebäck oder chinesisch zu essen. Du wirst nicht zu einem Chinesen werden, nur weil du chinesisches Essen gegessen hast. Du wirst nicht deshalb beginnen, morgen die chinesische Sprache zu sprechen. Du isst chinesisches Essen und genießt es. Auf die gleiche Weise sollten wir auch das Wissen akzeptieren. Alles Gute, alles, was das menschliche Leben anhebt, sollte willkommen geheißen werden, ob es nun aus dem Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Shintoismus, Islam, Christentum oder Judentum stammt. Denkst du nicht auch so? Denke nicht, Jesus werde böse sein, oder du habest Jesus betrogen, wenn du Buddhas Schriften oder etwas aus dem Hinduismus liest. Ganz und gar nicht!
Wenn das der Fall wäre, hätte Jesus Thomas nicht nach Indien geschickt. Diese engstirnige Zerteilung haben Menschen aus Unwissenheit erschaffen, aus Angst oder aus dem Bedürfnis heraus, die Kontrolle zu behalten.
Es gibt also drei Gründe dafür: Kontrollbedürfnis, Angst und vor allem Unwissenheit.
Wir müssen in den Menschen dieses weite Bewusstsein wecken, vor allem im Mittleren Osten. Das ist so notwendig. Ich sehe täglich, dass es so viele hitzige Auseinandersetzungen, Kämpfe und Tötungen gibt und so viel unmenschliches Verhalten. Wie soll man mit dieser Art von Menschen umgehen?
Aus diesem Grund sprechen wir nicht über irgendeine Religion, wir kommen einfach und atmen. Wenn die Menschen atmen, erkennen sie, dass sie in der Lage sind, sich innerlich sehr gut fühlen zu fühlen.
Und wenn du hohl und leer wirst, fühlst du dich gut.
Wir haben das an so vielen Orten – auch in all den Konfliktzonen – bei den Menschen eingeführt und sollten es weiterhin tun. Es ist eine große und schwierige Aufgabe, aber wir sollten damit weiterfahren. Was denkt ihr darüber, ist es nicht so?

F.: Wenn wir unbedeutend sind, wenn wir nichts sind, was spielt es da für eine Rolle, was wir tun?
Sri Sri Ravi Shankar: Es spielt eine Rolle.
Wenn du unbedeutend bist, wenn du nichts tust, dann ist Glückseligkeit vorhanden. Im Augenblick jedoch, wo du etwas tust, wird es Folgen für dich haben.
Wenn du zu viel isst, musst du vielleicht einen Arzt rufen, da du Verdauungsstörungen bekommst. Wenn du über das Rotlicht fährst, wirst du eine Buße bekommen, auch wenn du sagst: „Es spielt keine Rolle, ich bin hohl und leer, lass mich weiterfahren. Rotes Licht, grünes Licht, das ist doch egal, es ist ohnehin alles Licht.”
Du fährst weiter und wirst ohne jeden Zweifel eine Buße bekommen. Und wenn du das öfters tust, wirst du deinen Führerschein verlieren.
Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in zwei Realitäten leben.
Die eine Ebene ist die der Quantenphysik, bei der alles Eins ist. Schau, die Wandplatten sind aus Holz, das Dach ist aus Holz, der Stuhl ist aus Holz, das Sofa ist aus Holz und der Boden ist aus Holz. Du kannst aber das Sofa nicht als Tür, und die Tür nicht als Sofa benutzen. Ich kann nicht hingehen und mich auf die Tür setzen.
Wenn du jedoch den Zimmermann fragst, wird er alles als Holz bezeichnen.
In Indien wird das oft am Beispiel des Goldes erklärt. Ein Goldschmied sieht die Dinge nicht als kleinen Ring, großen Ring, Kette oder Armband. Der Goldschmied denkt in Gewichten: „Oh, das sind fünfzig Gramm Gold!” Wenn du das Gold jedoch trägst, kannst du deine Ohrringe nicht an der Hand oder deinen Fingerring um den Hals tragen. Da gibt es einen Unterschied.
Ähnlich ist es auch bei der Chemie: In der klassischen Chemie gibt es das dynamische Periodensystem, bei dem jedes Atom verschieden ist, jedes Molekül verschieden ist. Das ist die eine Ebene. Die andere Ebene ist die, bei der alles nur Wellenfunktion ist. Das ist die Quantenphysik. Es gibt also die Quantenphysik, die wahr ist, und die Welt der Unterschiede, die ebenfalls wahr ist. Das Leben ist die Kunst, diese beiden in ein Gleichgewicht zu bringen und sich vorwärts zu bewegen.

F.: Bitte erkläre uns die Beziehung zwischen Guru und Schüler.
Sri Sri Ravi Shankar: Entspanne dich einfach. Fühle dich zu Hause. Einem Lehrer gegenüber solltest du dich so verhalten, wie du es bei einem Arzt oder vor dem Spiegel tust. Wenn du vor dem Spiegel stehst, wirst du selbst reflektiert, nicht wahr? Wenn es um den Lehrer geht, sind folgende Dinge am meisten erwünscht: Dass du offen, natürlich und bereit für den nächsten Schritt bist.

F.: Sind erleuchtete und nicht erleuchtete Wesen von derselben Natur? Woran kann man feststellen, dass jemand erleuchtet ist? Wonach müssen wir suchen, wenn überhaupt?
Sri Sri Ravi Shankar: Es gibt keine Kriterien. Es ist das Schwierigste überhaupt, es festzustellen. Du kannst es nicht mit dem Kopf beurteilen. Etwas in deinem Herzen wird es dir sagen.
Ich war einmal in Schweden, und eine Anzahl Journalisten war anwesend. Sie stellten viele Fragen, und ich antwortete einfach. Wir hatten eine Menge Spaß, und alle lachten. Dann fragte eine Person: „Nun, es ist doch kein Witz, sage mir, bist du erleuchtet?” Er stellte sich ganz vorne vor mich auf. „Ich will eine Antwort. Weiche nicht aus, bist du erleuchtet?”
Ich sah ihn nur an. Ich sagte nichts.
Zum dritten Mal fragte er: „Kannst du mich hören? Ich stelle dir eine klare Frage: Bist du erleuchtet?”
Ich sagte nein.
Er gab nicht auf. Wenn du nein antwortest, sollte das eigentlich reichen. Wenn du ja sagst, stehst du vor dem Problem, es beweisen zu müssen!
Er jedoch sagte: „Nein, du sagst mir nicht die Wahrheit! Du willst mich veralbern.” Ich antwortete: „Schau, ich habe nein gesagt, und du solltest diese Antwort akzeptieren. Wenn dein Herz jedoch etwas anderes sagt, solltest du auf dein Herz hören.“

Wenn du einen schlafenden Mann fragst, ob er schlafe, bedeutet es nein, wenn er die Frage bejaht. Wenn er nicht antwortet, solltest du es dabei bewenden lassen. Du kannst ihn nicht aufwecken und fragen: „Schläfst du?“ Manchmal bedeutet „ja“ „nein“ und „nein“ bedeutet „ja“. Du kannst nicht einfach so über Erleuchtung urteilen.

Ich sagte: „Wenn du dich selbst kennst, kannst du auch mich besser kennen.“
Weil die Person nicht ruhig sein wollte, fuhr sie fort: „Nein, du erzählst nicht die Wahrheit.”
Ich fragte: „Wie kommst du darauf, so etwas zu sagen? Dein Herz sagt es dir.”
Nur die Augen können sehen, deine Ohren können es nicht. Und so ist auch nur dein Herz in der Lage, zu erkennen.
Als Jesus gefragt wurde, ob er Gottes Sohn sei, sagte er nichts. Er musste still sein, denn es wäre sinnlos gewesen, den Leuten zu erzählen, er sei Gottes Sohn, genauso, wie auch sie selbst. Sie hätten es nicht verstanden, also verhielt er sich ruhig. Er konnte aber auch nicht sagen, er sei nicht Gottes Sohn, denn all seine Gebete bezogen sich auf den himmlischen Vater.
Seine Gebete begannen alle mit: „Unser Vater im Himmel” und nicht mit „mein Vater”. „Unser Vater im Himmel“ steht im Plural. Jesus begründetet diese Beziehung, diese Nähe mit der Göttlichkeit, die genau so war, wie die Nähe, die du zu deiner Mutter, deinem Vater oder deinem Freund empfindest. Nur eine solche Nähe kann Liebe bewirken. Und das ist es, was er in jenen Tagen zu erschaffen versuchte.
Dasselbe geschah bei Buddha. Jemand, der Buddha sehr nahe stand, dachte, er sei nicht erleuchtet, und versuchte, einen Felsbrocken auf seinen Kopf zu werfen, als er da saß und meditierte.
Einer seiner eigenen Schüler und Verwandten ging mit ein paar Leuten hin, und sie stießen einen großen Felsbrocken, einen großen Stein, von hinten auf ihn. Er fiel nur wenige Zoll, wenige  Millimeter vor ihm zu Boden. Hätte er ihn getroffen, wäre es aus gewesen.
Als andere Schüler um ihn herum sehr wütend wurden, meinte Buddha: „Nein, es war Karma, seid nicht wütend, sondern mitfühlend.”
Die Essenz aller Lehren ist Liebe, Mitgefühl und Selbsterkenntnis.
Einmal war ich in Washington D.C. an einem Satsang, an dem drei- oder vierhundert Menschen teilnahmen. Ein Mann kam aus dem Hintergrund, ein sehr großer, kräftiger Mann. Er sagte: „Ich verfluche dich im Namen Jesu, du bist Satan, und dieses ganze Yoga ist satanisch.“
Er wollte mich angreifen. Alle waren erstarrt, denn es war wie ein Schock. Niemand hatte es für möglich gehalten, dass so etwas geschehen könnte. Er stellte sich vor mich hin, und ich schaute ihm nur in die Augen und sagte: „Warte!“ Er fiel nieder und blieb dort sitzen. Einige Minuten später liefen ihm Tränen aus den Augen. Er war ein Mann voller Ärger und Hass. Allein dadurch, dass er in die Nähe kam, war die ganze Wut verschwunden. Er begann zu schluchzen und zu weinen.

Liebe hat die Kraft, Menschen zu transformieren.
Ich habe so viele Menschen gesehen, die in ihrem Leben transformiert wurden. Du kannst das bewirken, wenn du gegen niemanden Hass empfindest. Du bist nicht wütend und hast auch keine Angst. Du kannst eine Veränderung der Atmosphäre um dich herum herbeiführen.

Die gleiche Person hat später am Kurs teilgenommen und ist auch Kursleiter geworden!
Warum sage ich das alles? Der Punkt ist, dass es in jedem Täter auch einen netten Menschen gibt, einen guten Menschen. Ein menschliches Wesen, das sich verbirgt. Wir müssen diese Menschlichkeit an die Oberfläche bringen.
Aus meiner Sicht gibt es keinen einzigen schlechten Menschen auf diesem Planeten. Es gibt höchstens fehlgeleitete, unwissende oder verletzte und leidende Menschen. Und man wird auf leidende Menschen niemals wütend werden. Wie könntest du auf jemanden ärgerlich werden, der leidet? Sage es mir, ist es nicht wahr? Diese Menschen leiden innerlich, und wir müssen ihnen entgegenkommen, wir müssen helfen. Das ist es, was wir tun müssen.

F.: Ist es wahr, dass wir Menschen in einem vergangenen Leben bereits getroffen haben, wenn wir bei der ersten Begegnung mit ihnen eine spirituelle Verbindung spüren?
Sri Sri Ravi Shankar:
Das ist möglich. Da gibt es aber noch etwas: In einer solchen Energie – wenn wir alle meditieren – kann es geschehen, dass du dich plötzlich von dieser oder jener Person angezogen fühlst. Lass dich jedoch nicht davon beirren. Diese Art von Anziehung ensteht vielleicht, weil du dich in einem anderen Raum befindest, und die Person sich in einem anderen Raum befindet.
Benutze nachher deinen Intellekt und deinen gesunden Menschenverstand. Aus diesem Grund sage ich während der Kurse: „Verliebe dich nicht, sondern lasse dich nur durch die Liebe anheben!“ Verstrickt euch nicht miteinander, sondern bewegt euch aufwärts. Dann ist es in Ordnung, wenn ihr euch miteinander befasst, euch verliebt oder euch durch die Liebe anheben lasst.

F.: Manche Leute sagen, Außerirdische würden auf der Erde leben, von denen manche negative, andere positive Absichten hätten. Ist das wahr?
Sri Sri Ravi Shankar:
In der Vorstellung ist alles möglich. Im Kino ist alles möglich.
Im Jahre 2012 wird alles im Wasser untergehen. Du wirst dich an irgendeinem Satelliten festhalten und mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten auf einen anderen Planeten gehen!

F.: Was kann ich von jetzt an für dich tun?
Sri Sri Ravi Shankar: Lächle wieterhin. Lebe das Wissen und verbreite Fröhlichkeit. Ich möchte, dass immer mehr unter euch Fröhlichkeit verbreiten. Wenn du in kleinen Gruppen bei dir zu Hause beginnen kannst, und einen der Art of Living Kursleiter einlädst, um Meditationen zu leiten, ist das sehr gut.
Du kannst eine Meditationsparty für die Leute veranstalten und die Leute willkommen heißen. Das wäre wunderbar. Du kannst auch selbst Kursleiter werden. Oder du kannst bei einem der Sevaprojekte mitarbeiten. Sei ein Teil des Euro-a-Day-Projektes. Das kann helfen.
Wir unterstützen heute dreißigtausend Kinder mit dem Euro-a-Day-Projekt. Diese Kinder, die sonst in Arbeitslagern gewesen wären, die hätten arbeiten müssen, bekommen jetzt eine gute, kostenfreie Ausbildung und kostenfreies Essen. Es ist ein sehr berührendes Projekt.
Diejenigen unter euch, die sich an Universitätsprojekten beteiligen wollen, sind herzlich willkommen, das zu tun. Die Regierung von Orissa hat unsere Universität genehmigt. Wir haben unsere Genehmigung gerade erst erhalten, sodass wir jetzt eine medizinische, ayurvedische Hochschule haben werden. Wir besitzen bereits eine, die viele andere Lehrfächer abdeckt wie Osteopathie, Ayurveda und Krankenpflege.
Wir werden den Jugendlichen aus aller Welt das Beste aus dem Osten und das Beste aus dem Westen vermitteln. Wenn irgendjemand von euch Professor ist und als Gastdozent kommen oder dort unterrichten möchte, ist er herzlich willkommen. Wenn jemand sich beim Fundraising für diese Sache beteiligen möchte, ist er ebenfalls sehr willkommen.
Wir planen auch etwas in Israel und Palästina. Wir werden dort etwas tun.
Was die meisten von euch hier in Deutschland betrifft, so möchte ich eine große Welle der Freude erschaffen. Wir wollen der Reihe nach in den Städten oder in kleinen Dörfern feiern und die Menschen zum Meditieren zusammenbringen. Werft das Prozac und die Antidepressiva weg, atmet und seid glücklich. Das wird sehr gut sein.
Wir alle können Gruppen von vier oder fünf Leuten bilden und an den Wochenenden in große oder kleine Städte und Dörfer reisen, Menschen erreichen und eine Welle der Freude bewirken. Ich möchte, dass der Verkauf von Prozac in Deutschland im Jahre 2012 zurückgeht. Ich habe gehört, dass dreißig Prozent der hiesigen Bevölkerung davon abhängig ist.
Vierzig Prozent der Schullehrer hier sind depressiv. Was werden die Lehrer den Kindern wohl vermitteln, wenn einer von zweieinhalb Lehrern depressiv ist? Wenn ein Lehrer depressiv ist, werden die Kinder depressiv sein. Das ist eine ernste Angelegenheit. Ich denke, alle Deutschen sollten etwas tun, damit wir eine Revolution erschaffen können, die eine Änderung in dieser Gesellschaft bewirken kann. Die Menschen sollen in dieser Gesellschaft glücklich sein können. Das kann nicht allein durch Geld, durch die Regierung oder durch die Gesetze erreicht werden. Dazu ist menschliche Berührung notwendig. Und ihr alle könnt diese menschliche Berührung gewährleisten.

F.: Bin ich bereit, die Gnade meines Gurus zu empfangen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Ja! Diejenigen, die dazu nicht bereit sind, werden gar nicht erst herkommen. Die Tatsache, dass du gekommen bist, bedeutet, dass du bereit bist.

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Lass los und nimm Zuflucht im stillen Winkel deines Herzens

3. Januar 2012

F.: Wie kann ich Unsicherheit überwinden?
Sri Sri Ravi Shankar:
Unsicherheit besteht, weil du fühlst, dass niemand für dich da ist. Wache auf und erkenne, dass so viel Menschlichkeit vorhanden ist, dass es auf der Welt so viel Liebe gibt. Dann musst du dich nicht unsicher fühlen. Du gehst auf der Straße und jemand braucht deine Hilfe, weil er seine Tasche nicht tragen kann. Du wirst hingehen und der Person helfen, nicht wahr?
Weißt du, wann wir uns unsicher fühlen? Wenn wir das Gefühl haben, es gebe keine Menschlichkeit und kein Mitgefühl, niemand sei nett und niemand sei freundlich. Nur dann fühlen wir Unsicherheit. Wenn du aufwachst und erkennst, dass es so viel Liebe, so viel Mitgefühl und ein so starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit auf dieser Welt gibt, dann musst du nicht mehr unsicher sein. In Ordnung?
Pranayamas, Atemübeungen und Meditation werden dir mit Sicherheit dabei helfen, dieses Gefühl der Unsicherheit zu überwinden. Das ist auch bereits geschehen. Wie viele von euch empfinden, dass sie dieses Gefühl der Unsicherheit  bereits überwunden haben? (Viele heben die Hand.)

F.: Wie kann ich wissen, ob eine Beziehung gut für mich ist oder nicht? Drückt er einfach nur meine Knöpfe, damit ich daraus lernen kann, oder ist er ganz einfach nicht gut für mich?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nun, ich habe darin keine Erfahrung und kann es dir deshalb nicht sagen. Bevor du über jemanden urteilst, solltest du überprüfen, was für eine Beziehung du zu ihm hast, wie groß dein Herz ist, wie sehr du der Person entgegenkommen kannst und wie stark du jemanden beeinflussen kannst, sich zu ändern. Das ist es, womit du dich auseinandersetzen musst. Wenn du manchmal Zweifel hast, kannst du feststellen, dass der Zweifel sich immer gegen etwas Positives richtet. Ist dir das schon aufgefallen? Wir zweifeln an der Ehrlichkeit einer Person, niemals jedoch an ihrer Unehrlichkeit. Wenn jemand dich fragt, ob du glücklich bist, zweifelst du und sagst, du seist dir nicht sicher. Eine Depression zweifeln wir jedoch niemals an. Ist es nicht so? Wir zweifeln immer an etwas Positivem. Betrachte die Sache also immer auch von diesem Gesichtspunkt aus.

F.: Lieber Guruji, wie kann ich eine wirklich echte Beziehung mit anderen aufbauen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Am besten ist es, gar nicht zu versuchen, eine Beziehung aufzubauen. Sei einfach du selbst. Sei natürlich und einfach. Beziehungen entstehen auf natürliche Weise. Wenn du versuchst, eine Beziehung aufzubauen, kann es sein, dass du etwas künstlich wirkst. Dann wird auch dein Benehmen künstlich sein, was nicht natürlich ist. Stelle dir einfach einmal vor, jemand versuche dich zu beeindrucken. Du wirst das bemerken, nicht wahr? Und was tust du, wenn jemand versucht, dich zu beeindrucken? Du gehst weg. Das, was du magst, ist dasselbe, was auch andere mögen. Du magst es, wenn jemand dir gegenüber sehr ehrlich, offen, natürlich und bescheiden ist, oder? Genau das ist es, was die anderen auch von dir wollen.
Wenn du ein Boss wärest, was für eine Art von Mitarbeitern oder Untergebenen würdest du dir wünschen? Solche, die offen sind, nicht wahr? Das ist es auch, was dein Boss sich wünscht. Versuche nicht mit allen Kräften, deinen Boss, deine Freundin oder deinen Freund zu beeindrucken. Dann wird alles misslingen. Am besten ist es, wenn du natürlich und versöhnlich bist und im gegenwärtigen Augenblick lebst. Das macht einen großen Unterschied.

F.: Was kann man tun, wenn alles grau, trocken und sinnlos erscheint? Manchmal fühle ich mich völlig von der Liebe ausgeschlossen.
Sri Sri Ravi Shankar:
In solchen Momenten solltest du dir Wissen anhören. Ich habe eine Anzahl Wissensbücher und CDs gemacht. Das Wissen in der Ashtavakra Gita  ist sehr kostbar. Außerdem ist Meditation hilfreich. Diese beiden Dinge werden helfen. Und wenn es irgendwo einen Schweigekurs gibt, solltest du einfach hingehen und daran teilnehmen. Wenn alles ausgetrocknet ist, bringt das dem Leben den Saft zurück.

F.: Wie ist es dazugekommen, dass große Seelen groß geworden sind, und wie können wir selbst zu großen Seelen werden?
Sri Sri Ravi Shankar:
Du musst nichts Großartiges tun, um groß zu werden. Um groß zu werden, musst du die kleinen Dinge perfekt tun. Sei einfach und natürlich, dann werden große Dinge ganz einfach durch dich geschehen. Verstehst du? Du musst auch nicht berühmt sein, um Großes vollbringen zu können.  Größe ist in dir innewohnend. Sie befindet sich wie ein Samen in dir.

F.: Warum hat es keine weiblichen Meisterinnen, Prophetinnen oder berühmte Schülerinnen gegeben? Ich habe fast nur von männlichen, aber kaum von weiblichen Meistern gehört.
Sri Sri Ravi Shankar:
Es sind freie Stellen vorhanden! Du kannst eine Meisterin werden.

F. : Kannst du bitte über Heilung sprechen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Heilung geschieht! Wenn die Energie hoch ist, und wenn es Liebe gibt, findet Heilung automatisch statt.

F.: Lieber Guruji, was soll ich tun, wenn mein Ehemann immer der Boss sein will und mich herumjagt? Ich liebe ihn sehr, aber er macht mich unruhig.
Sri Sri Ravi Shankar:
Ein Herr wurde gefragt: „Wer ist der Boss im Haus?“ Er antwortete: „Ich! Aber ich habe die Erlaubnis von meiner Frau bekommen, das zu sagen.“ Die Frau hatte ihm also erlaubt zu sagen, er sei der Boss. Du kannst der Boss sein, aber auf eine sehr subtile Art und Weise. Es gibt ein Geheimnis, was Beziehungen betrifft. Du solltest zum Beispiel dafür sorgen, dass dein Ehemann sich niemals klein fühlt. Wenn du ihm erzählst, er sei ein Nichtsnutz und zu nichts zu gebrauchen, er sei eine faule Gans, wird sein Selbstwertgefühl verschwinden, und es wird tatsächlich so kommen, dass er zu nichts zu gebrauchen ist. Wie unverbesserlich oder schwach er auch immer sein mag, du solltest ihm immer sagen, er sei der Beste. Du solltest sein Ego aufblasen. Auch wenn die ganze Welt der Meinung ist, er habe kein Gehirn, solltest du das nicht auch sagen. Als Ehefrau solltest du sagen: „Du hast das beste Gehirn der Welt. Dass du es nicht nutzt, bedeutet nicht, dass du keines hast. Es ist einfach nur so, dass du es nicht nutzt, das ist alles. Du hast ein frisches, unbenutztes Gehirn.“ Das ist es, was du sagen solltest.
Ähnlich solltest du – was die Frauen betrifft – niemals kaltes Wasser auf ihre Emotionen gießen. Für Frauen ist eine emotionale Bindung sehr wichtig. Du solltest dich niemals über ihre Eltern beklagen, über ihren Vater, ihre Mutter, ihre Schwestern oder ihre Brüder. Sollte sie sich beklagen, so verhältst du dich ruhig und sagst nichts. Du solltest keinen Kommentar abgeben, denn du wirst dir in beiden Fällen Probleme einhandeln, ob du nun ihre Partei ergreifst oder dich gegen sie aussprichst.
Wenn du gegen ihre Eltern bist, wird das Probleme geben, wenn du dich aber mit ihnen verbündest, wird sie sich ausgeschlossen fühlen. Sie wird anfangen zu schreien und zu brüllen: „Du verstehst mich nicht!“
Da du so oder so ein Problem bekommen wirst, ist es besser, ruhig zu bleiben. Gehe einfach weg oder wechsle das Thema.
Gib ihr außerdem einfach deine Kreditkarte, wenn sie einkaufen gehen will. Sie mag bereits zehn paar Schuhe besitzen und ein elftes Paar kaufen wollen. Dennoch solltest du es nicht in Frage stellen, indem du sagst: „Du hast doch nicht elf Beinpaare, warum musst du dann so viele Schuhpaare kaufen?“, denn dann wird sie sich aufregen. Du solltest also keine Einwände erheben, wenn es ums Einkaufen geht.

F.: Wie kann ich wissen, ob die Frau meines Herzens mich wirklich zu hundert Prozent liebt?
Sri Sri Ravi Shankar: Ich habe keine Ahnung, und du hast auch keine Ahnung. Du musst das Risiko eingehen. Selbst wenn es nur neunzig Prozent wären, würde das ausreichen.
Wenn jemand dir dieselbe Frage stellen würde, was würdest du antworten? Du kannst nicht garantieren, dass deine eigene Liebe für jemanden hundert Prozent beträgt. Für diesen Monat vielleicht schon noch, wie aber sieht es im nächsten Monat aus? Ich sage dir, du kannst für deinen eigenen Geist keine Garantie übernehmen. Du kennst deinen eigenen Geist nicht. Wie kannst du da erwarten, dass jemand den Geist eines anderen kennt? Du versuchst, den Geist eines anderen Menschen zu kontrollieren, obwohl du noch nicht einmal die Kontrolle über deinen eigenen Geist hast! Das ist unmöglich!
Du musst etwas wissen: Was immer dir gehört, wird dir immer gehören. Was immer sich von dir entfernt, hat dir niemals gehört, auch vorher nicht.
Dies ist ein gutes Sprichwort: „Was immer dir gehört, wird dir immer gehören. Was immer sich entfernt, hat dir niemals gehört.” Wenn du das weißt, wirst du in Frieden sein. Wenn du diese Freiheit spürst, die aus dem Inneren kommt, und den Frieden fühlst, dann gehört dir die ganze Welt. Jedermann gehört zu dir. Wenn du einen Mangel empfindest, wird der andere Mensch dir einfach entgleiten, gleichgültig, wie sehr du dich darum bemühst, ihn zu besitzen. Das ist der Grund, warum spirituelles Wissen so entscheidend ist. Dieses Wissen kann dir nicht nur innere Stärke bringen, sondern dich auch zum Zentrum deines Universums machen. Du wirst so zentriert sein, dass alles auf natürliche Weise zu dir kommen wird.

Im zweiten Kapitel der Bhagavad Gita gibt es einen wunderbaren Vers, der besagt: „Wenn jemand im höheren Bewusstsein verankert ist, werden alle Wünsche, sowie die vollständige Erfüllung zu ihm kommen, auf die gleiche Weise, wie der Fluss zum Ozean fließt.“
Das ist so natürlich, nicht wahr? Alle Flüsse fließen zum Ozean. Auf die gleiche Weise werden alle Wünsche desjenigen erfüllt, der ein Yogi ist.
Praktiziere deshalb Yoga und Meditation und sei im spirituellen Wissen. Dann wird alles auf dich zukommen. Das ist nicht der Fall bei jemandem, der Wünschen hinterher jagt. Nichts gelangt in die Hände einer Person, die Wünschen hinterher jagt und ihnen hinterher rennt.
Lass also los und nimm Zuflucht im stillen Winkel deines Herzen. Dann wir dir alles gehören. Das ist wirklich wahr.

F.: Ich habe das Gefühl, diese Werte an meinem Arbeitsplatz nicht leben zu können. Muss ich meinen Job wechseln?
Sri Sri Ravi Shankar: Nein! Du kannst diese Werte an deinem Arbeitsplatz fördern. Mache dir keine Sorgen, nimm Stellung und sprich immer wieder mit den Menschen darüber. Für ein paar Tage werden sie vielleicht denken, dass du verrückt seist  und verrückte Dinge erzählen würdest. Mache dir nichts daraus! Sprich einfach weiter. Sie werden es mit der Zeit realisieren und akzeptieren.
Am Anfang, als ich in den Westen kam, dachten die Leute, ich sei verrückt. Das, was ich erzählte, ging niemandem in den Kopf, aber ich kam weiterhin, und alle genossen es. Dasselbe wird mit dir an deinem Arbeitsplatz geschehen. Sprich weiterhin über das Wissen und die Transformation.

Schau, ich erinnere mich, dass die Menschen sich lustig darüber machten, wenn vor zwanzig Jahren jemand über vegetarisches Essen sprach, über Umweltschutz oder darüber, dass man Bäume pflanzen sollte. Kann jemand von euch sich daran erinnern? Wenn jemand über eine saubere Umgebung sprach oder darüber, dass man Plastik vermeiden sollte, sagten die Leute: „Das ist Unsinn! Es fehlt euch an Vernunft. Das ist unmöglich!” Wenn vor dreißig Jahren jemand dir angeraten hätte, nicht zu rauchen, wäre die Antwort gewesen: „Das ist absurd!” Jemand, der nicht rauchte, wurde als Außenseiter betrachtet. Jedem Sitz im Flugzeug stand ein Aschenbecher zur Verfügung. Neben dem Anschnallzeichen gab es auch ein Zeichen für die Raucher, das die Passagiere darauf hinwies, während des Startes und der Landung das Rauchen zu unterlassen. Anderenfalls hätten die Leute geraucht. Für Nichtraucher waren nur drei oder vier Reihen ganz vorne reserviert. Alle anderen standen den Rauchern zur Verfügung. Das machte überhaupt keinen Sinn, denn die Luft bewegte sich auch von hinten nach vorne. In jenen Tagen wurdest du als altmodisch betrachtet, wenn du Nichtraucher warst. Ich spreche von der Zeit vor ungefähr fünfunddreißig Jahren. Heutzutage wird das Rauchen jedoch von allen Fluggesellschaften auf der ganzen Welt verboten. Es gibt in keinem einzigen Flugzeug einen Aschenbecher, nicht wahr?

Und auf die gleiche Weise solltest du immer wieder über die Werte und über Meditation sprechen. Wenn jemand in jenen Tagen im Schneidersitz saß und meditierte, musste er damit rechnen, als Außenseiter betrachtet zu werden. Eine Durchschnittsperson hätte so etwas nicht getan.
Heute jedoch benutzen alle großen Unternehmen das Bild einer meditierenden Person, wenn sie Entspannung vermarkten wollen. Sie benutzen Yoga und Meditation für ihre Werbung. So ändern sich die Dinge.

Du hast also die Macht, deinen Arbeitsplatz zu verändern. Laufe nicht davon. Bleibe an deinem Platz und erzähle den Menschen dort dosiert über die Werte. Sie werden sich verändern. Wir haben Kurse, die gezielt für Unternehmen entworfen wurden. Es gibt Lehrer, die in Firmen unterrichten können. Viele Unternehmen bieten heutzutage diesen Kurs an. Gerade jetzt, während wir sprechen, werden bei der Firma Bosch zwei Kurse durchgeführt. Alle leitenden Angestellten besuchen den Kurs in Bangalore in zwei Etappen. Ich habe gerade eine SMS erhalten. Sie sind im Ashram von Bangalore angekommen. Viele Unternehmen machen also diese Kurse, und die Atmosphäre an den Arbeitsplätzen verändert sich.

Selbst Luftgesellschaften sind darunter. Ich erinnere mich, wie Angestellte der Lufthansa vor fünfundzwanzig Jahren an unserem Kurs teilgenommen haben. Einzelne Leute von British Airways ebenfalls. Heutzutage kommt man im Flugzeug in den Genuss einer geführten Meditation. Lufthansa bietet auf Kanal 13 eine Meditation auf Englisch und auf Deutsch an. Allerdings bin ich nicht mit allem einverstanden, was dort gesagt wird. Sie sind nicht so präzise, aber eine gewisse Entspannung findet dennoch statt. Es ist nicht perfekt, aber besser als gar nichts. Es wird eine Menge an Vorstellungskraft und Anstrengung verlangt, aber nichtsdestotrotz besteht eine gewisse Wirkung.
Die Welt verändert sich also. Du kannst dazu beitragen, eine Veränderung an deinem Arbeitsplatz zu bewirken, lauf also nicht weg.

Wenn du deinen Arbeitsplatz aus einem anderen Grund wechseln möchtest, kannst du das tun. Wenn du irgendwo anders besser bezahlt wirst, dann solltest du mit Sicherheit wechseln. Lauf aber nicht weg, weil die Leute in deiner Umgebung schlecht sind. Nein! Wenn die Menschen um dich herum schlecht sind, ist das ein Grund mehr, um dort zu bleiben, denn du bist die Hoffnung, dass eine Änderung durch dich dort geschieht.

F.: Ich komme im Leben ganz gut klar, was die Arbeit oder die Familie betrifft. Ich engagiere mich auch im Bereich der Bildung ein wenig für die Gesellschaft. Ich habe jedoch das Gefühl, mehr für die Gesellschaft tun zu können. Ich weiß nicht, wie ich es anfangen soll. Bitte leite mich an.
Sri Sri Ravi Shankar:
Du solltest dich der Arbeit von Art of Living anschließen. Wir können dich mit Sicherheit brauchen. Wir bauen gerade unsere erste Universität in Indien auf. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, den Kindern das Beste des Ostens und das Beste des Westens anzubieten.
Wir haben das beste Wissen von hier und das beste Wissen vom Osten. Sowohl im Westen als auch im Osten gibt es eine Menge guter und eine Menge weniger guter Dinge. Also wollen wir das wirklich Beste aus dem Osten und aus dem Westen aussuchen, um eine vollkommene Transformation des menschliche Bewusstseins zu erreichen. Wir benötigen dazu eine Menge Hilfe von euch allen.
Wir brauchen Menschen, die bei der Beschaffung von Geldmitteln helfen oder Kinder sponsern können. Wir brauchen auch Leute, die beim Aufbau der Gebäude helfen können. Es gibt viele Dinge, die hier stattfinden können. Du bist also mehr als willkommen, Teil dieses Projektes zu werden.

F.: Ich habe das Gefühl, eine sehr liebevolle Person zu sein. Ich habe eine Menge Liebe zu geben. Ich wollte schon immer heiraten und meine eigene Familie mit Kindern haben, aber selbst nach so vielen Jahren ist das nicht geschehen. Was kann ich dazu beitragen, dass Liebe und Heirat sich in meinem Leben manifestieren?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nun, ich weiß es nicht. Es ist nicht so, dass es keine liebende Menschen, keine alleinstehenden Männer und Frauen gäbe. Es gibt sie. Aber vielleicht bist du zu wählerisch. Wenn du denkst, du seist sehr liebevoll, empfindest du die andere Person als nicht so liebevoll. Du wirst versuchen, Fehler bei den anderen zu finden. Bei jedem Menschen, den du antriffst, wirst du denken, irgendetwas sei nicht richtig, er sehe nicht gut aus, er sei zu groß, er sei zu klein, er sei kahlköpfig oder er habe zu viele Haare.
Wenn du über jede Person urteilst und irgendeinen Fehler findest, weiß ich nicht, wie du es bewerkstelligen willst, einen Ehemann zu finden. Vor ein paar Tagen sagte mir eine Frau, sie wolle mit dem perfekten Mann zusammen sein. Ich antwortete: „In Ordnung, wenn du einen perfekten Mann findest, wird er auch eine perfekte Frau haben wollen, was du nicht bist. Was wirst du also tun? Es ist klar, dass ein perfekter Mann auch eine perfekte Frau haben möchte. Bist du perfekt? Wenn du nicht perfekt bist, warum bestehst du dann darauf, dass andere es sind? Siehst du, manchmal hängen wir mit unseren Gedanken in der Luft. Wir sind nicht praktisch, und so kommen uns die Dinge nicht entgegen. Wir sollten zu starken Perfektionismus vermeiden. Wenn du zu perfektionistisch bist, ärgerst du dich sehr schnell und wirst wegen Kleinigkeiten wütend. Du regst dich über Dinge auf, die nicht der Rede wert sind. Du wirst so emotional. Und wenn du solche Wutanfälle bekommst, möchte niemand mit dir zusammen sein. Sie bekommen Angst.
Wenn du zentriert und weniger wählerisch bist, dann geschieht alles so, wie es dir entspricht.

F.: Wenn wir dich im Satsang oder während der Kriya sehen, fühlen wir uns in einem Hoch. Wie aber können wir immer in diesem Hoch bleiben?
Sri Sri Ravi Shankar:
Vergiss es, es immer zu wollen. Wenn du duschst, fühlst du die Wärme oder die Kühle. Du benutzt die Dusche nur während einer bestimmten Zeit, aber diese Dusche hält dich für den ganzen Tag rein, nicht wahr? Wenn du immer in der Dusche bleiben wolltest, müsstest du ein Fisch sein. Dann könntest du den ganzen Tag im Wasser verbringen. Auch wenige Satsangs und Kriyas, die deine Energie anheben, sind gut. Das ist in der Welt natürlich. Die Energie kommt in Wellen, und du fühlst dich angehoben. Wenn du dann zum Markt zurückgehst, sinkt der Energielevel. Nun schaust du dir einen Film an, und er sinkt noch weiter. Das kommt vor! Weißt du, du solltest dir die Gesichter der Menschen ansehen, die aus dem Kino kommen. Sie sehen wie Zombies aus. Sie kommen nicht mit strahlenden, leuchtenden Augen, mit einem strahlenden Gesicht oder mit einer hohen Energie heraus. Diese Art von hoher, enthusiastischer Energie ist ihnen fremd. Sie fühlen sich dumpf und müde, weil sie zwei Stunden gesessen sind und zugeschaut haben.
Solche Dinge kommen vor. Der Energielevel ist also niemals stabil. Er bewegt sich in Wellen, hoch und runter. Und wenn du all die Übungen machst, wenn du zum Satsang kommst, bewirkt das, dass der Energielevel – mehr oder weniger – auf einem hohen Niveau bleibt. Wir sollten uns nicht daran stören, wenn er manchmal sinkt. Sonst wird das zu einer neuen Sorge: „Oh, meine Energie ist tief.” Hast du es verstanden? Geh zurück und schau, wie es vorher in deinem Leben gewesen ist. Wenn du an Meditationen und Satsangs teilnimmst, wird dein Energielevel mit der Zeit auch eine gewisse Stabilität erreichen.

F.: Ich bin ein emotionaler Esser. Wenn ich traurig, depressiv oder wütend bin, beginne ich automatisch dauernd zu essen. Wie kann ich das unter Kontrolle bringen? Ich nehme eine Menge dabei zu.
Sri Sri Ravi Shankar:
Ja. Ich möchte jetzt keine Gedanken dazu äußern oder dir irgendwelche Vorschläge dazu machen. Weißt du warum? Weil du sie vergessen  und dich noch schlechter fühlen wirst, wenn du dich daran erinnerst: „Oh nein, ich habe diese Anweisungen nicht befolgt.” Nicht wahr?
Weißt du, was gut wäre, wenn du durcheinander bist? Lege Musik auf und tanze einfach. Es macht auch nichts, wenn es traurige Musik ist, tanze einfach. Wenn du tanzt, wirst du weniger zunehmen und das Gewicht wieder verlieren, das zu zugelegt hast. Gut! Zumindest wirst du während dieser Zeit weniger essen. Es kann natürlich auch sein, dass du nach dem Tanzen hungriger sein und mehr essen wirst. Solange du nicht selbst beschließt, etwas dagegen zu tun, kann niemand etwas dagegen tun. Du musst selbständig zu einem Ergebnis kommen.

F.: Ist es normal, wenn dein Körper sich während der Meditation ruckartig bewegt?
Sri Sri Ravi Shankar: Ja, das ist in Ordnung. Es ist gut.

F.: Guruji, ich habe eine sehr wichtige und schwierige Frage. Kannst du etwas über folgendes Problem sagen: Nicht genügend essen zu wollen, nur ganz gesunde Nahrung zu sich nehmen zu wollen und zu starke Disziplin einzuhalten? Was ist der Grund dafür, und wie kann man das lösen?
Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du immer besonders gesunde Nahrungsmittel isst, verliert dein Körper manchmal die Fähigkeit, sich anzupassen, und dein Immunsystem wird ein wenig schwach. Du solltest dafür sorgen, dass dein Körper flexibel ist. Du kannst manchmal auch nicht allzu gesunde Nahrungsmittel zu dir nehmen. Ich will damit nicht sagen, du sollst ungesunde Dinge essen, es müssen jedoch nicht die ganze Zeit biologische Nahrungsmittel sein. Manchmal kannst du auch Dinge essen, die nicht biologisch sind, das schadet nichts. Dein Körper besitzt die Fähigkeit, sich an jede Situation anzupassen. Du musst keine besonders sensible Sache daraus machen. Verstehst du, was ich sagen will?
Weißt du, Menschen, die in armseligen Gebieten leben – besonders in Slums – sind so viel stärker! Ich spreche hier von den Verhältnissen in Indien. Ihr Immunsystem ist sehr stark, und ihr Körper ist wie Stahl. Du wirst überrascht sein: Das Immunsystem von Menschen, die in städtischen Gebieten leben, ist ein wenig schwach. Sie erkälten sich oder bekommen einen Husten, wenn sie in bestimmte verunreinigte Gebiete gehen. Menschen, die in Slums leben, sind sehr robust. Ihr Immunsystem ist stark, weil es aktiv ist. Das ist sehr merkwürdig, aber dennoch wahr. Menschen, die an unhygienischen Orten leben, sind gesünder. Nicht überall, ich würde nicht von überall sprechen, aber an manchen Orten sind sie viel gesünder, und ihr Organismus ist bedeutend stärker.
Dasselbe kannst du auch in Brasilien sehen, in den dortigen Slums, den Favelas. Du wirst feststellen, dass es da ziemlich starke Macho Männer gibt, die in Slums nahe von Rio de Janeiro leben. Ich habe es selbst gesehen. Ich bin in diese Slums gegangen. Sie erscheinen einem nicht wie Slums. Es leben dort ziemlich gesunde und starke Menschen.
Du musst also deinen Körper nicht die ganze Zeit für besonders gesundes Essen sensibilisieren. Finde einen Mittelweg. Ziehe während der meisten Zeit gesundes Essen vor, gewöhne dir aber an, manchmal auch andere Nahrungsmittel zu essen.

F.: Ich empfinde, dass diese Methode eher dazu führt, mich noch einsamer fühlen zu lassen, anstatt mein Zusammengehörigkeitsgefühl zu verstärken. Bitte gib mir einen Rat.
Sri Sri Ravi Shankar:
Nein! Ich bitte dich, wache auf! Es kann sein, dass es nur am Anfang zu einem solchen Gefühl kommt, aber das wird vorbeigehen. Sei einfach damit, sei mit dieser Einsamkeit. Geh tief in die Einsamkeit hinein, und du wirst herausfinden, dass du so viel mehr Kraft dadurch bekommst.

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