Die drei Tore zur Hölle

wisdom-1--1

Montreal, 12. April 2013

F.: Lieber Gurudev, wie kann ich Dankbarkeit einer Person, ihrer Hilfe und ihrer Fürsorge gegenüber zeigen? Wie kann ich ihr sagen, dass ich meinen eigenen Weg gehen möchte, ohne sie zu verletzen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Tue es mit Geschicklichkeit. Frage mich nun aber nicht, woraus diese Geschicklichkeit besteht.
Erinnere dich an die folgenden, sehr nützlichen Worte: Es gibt drei Tore zur Hölle.
Diese drei Tore sind Lust, Gier und Ärger. Wenn Gier dich überwältigt, wird sie dich in die Hölle führen. Deshalb solltest du mit der Gier Schluss machen.
Dasselbe gilt für Ärger und Lust. Wenn du zu viel Lust empfindest, wirst du den Gefühlen anderer gegenüber so blind, dass du ihren Raum verletzt. Die Lust wird dich ebenfalls in die Hölle bringen.
Wenn du diese drei Dinge – Gier, Lust und Ärger – nicht unter Kontrolle hast, werden sie stattdessen dich kontrollieren, und du wirst in die Hölle gelangen. Kannst du sie jedoch unter Kontrolle halten, dann bist du auf der sicheren Seite.
Ist das klar?
Stelle fest, ob die drei erwähnten Dinge dich in deinem Leben übermannt haben. Ist das der Fall, dann hat es dich elend werden lassen.
Was ist die Bedeutung der Hölle? Hölle bedeutet Elend, sie macht dich völlig unglücklich. Wenn du über die Gier, den Ärger und die Lust jedoch das Sagen hast, wirst du stark sein, und das bringt dir mehr Zufriedenheit.

F.: Gurudev, du hast gesagt, dass man so wird, wie die Personen, die man hasst, wenn man zu viel über sie nachdenkt. Ich denke andauernd über Menschen nach, die ich nicht mag, und eigne mir dadurch ihre Eigenschaften an. Wie kann ich mich selbst davon abhalten?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nun, ich kann dir sagen, dass es ohne Leidenschaftslosigkeit keinen Fortschritt im Leben geben kann. Wenn du im Leben Fortschritte machen willst, musst du Leidenschaftslosigkeit erlangen.
Leidenschaftslosigkeit bringt Freiheit in deinen Geist. Leidenschaftslosigkeit sorgt dafür, dass du im gegenwärtigen Augenblick bleibst.
Leidenschaftslosigkeit zaubert dieses Lächeln in dein Gesicht und lässt Energie und Enthusiasmus in dir aufkommen.
Woran hängst du fest? Du hasst jemanden? Wofür?
Es wird auf dieser Welt immer und zu allen Zeiten schwierige Menschen geben. Erzähle mir von irgendeiner Zeit auf diesem Planeten, in der es keine schlimmen Menschen gegeben hat, oder in der es niemanden gegeben hat, der anderen Kummer bereitet hat!
Menschen dieser Art haben immer existiert, und es wird sie weiterhin auf der Welt geben.
Nun, wenn du sie in deiner Welt behalten willst, dann kann man nichts tun. Du selbst lässt es zu, indem du sie in deinem Kopf behältst.
Etwas Bedauerliches ist geschehen. Es ist geschehen, und du solltest weitergehen. Du solltest nicht festsitzen und darauf herumkauen.
Leidenschaftslosigkeit bedeutet, die Vergangenheit loszulassen und zu wissen, dass alles eines Tages enden, und jedermann sterben wird. Die anderen werden sterben, und du selbst wirst auch sterben, also sorge wenigstens dafür, dass dein Geist frei bleibt. Sei dir bewusst, dass alles Rollen sind, die gespielt werden müssen. Manchmal fühlt es sich an wie in einem Horrorfilm, das ist einfach so. Das bedeutet nicht, dass du inaktiv bleiben sollst, wenn etwas Schreckliches geschieht. Wenn etwas Schlimmes in der Gesellschaft geschieht, wenn es Raubüberfälle oder Vergewaltigungen gibt, solltest du dich dafür einsetzen, dass diese Dinge ein Ende nehmen.
Und woher nimmst du die Kraft, um das zu vollbringen? Sie kommt, wenn Leidenschaftslosigkeit in deinem Geist herrscht. Dann kannst du dich erheben, während du andernfalls irgendetwas tun wirst, was dir selbst Leid bringt und dich selbst zum Schuldigen werden lässt.
Ein Schuldiger kann nicht durch einen weiteren Schuldigen eliminiert werden. Du versuchst, den Schuldigen zu beseitigen und wirst dadurch selbst zum Schuldigen.
Ein Opfer kann nicht durch ein weiteres Opfer geschützt werden. Wie willst du einem anderen Opfer helfen, wenn du selbst zum Opfer deiner eigenen Wut, deines eigenen Ärgers wirst?
Und wenn du dich dadurch schuldig machst, dass du einen Schuldigen entfernst, wirst du im Gefängnis landen.
So ist es vielen übermäßig selbstgerechten Menschen ergangen. Sie begründeten ihre Tat damit, die Person hätte ihnen irgendetwas angetan. Nein! Auge um Auge, Zahn um Zahn wird nichts besser machen. Es wird die ganze Welt blind werden lassen. Wir müssen aufwachen zur Leidenschaftslosigkeit und uns für eine bessere, gewaltfreie und spirituellere Gesellschaft einsetzen.
Genauso wie Menschen sich für eine gebildete Gesellschaft eingesetzt haben, in der jedermann lesen und schreiben kann. Jeder einzelne Mensch kann Hinweistafeln lesen, auch wenn er nicht unbedingt Wissenschaftler sein muss.
Und so soll es auch mit der Spiritualität werden.
Wir sollten uns richtig verhalten und freundlich zu den Menschen sein. Das ist die Richtung, in die wir uns bewegen sollten. Vielleicht gelingt es nicht zu hundert Prozent, weil nicht alle Menschen sich daran halten werden. Aber die große Mehrheit der Gesellschaft wird sich zum Guten verändern, und das ist schon sehr viel.
Ich wiederhole nochmals: Wir können von einer solchen Gesellschaft träumen, aber bis sich der Traum verwirklicht, wird es Zeit brauchen. Eine Gesellschaft ohne Verbrechen ist noch weit entfernt von der Realität.
Dennoch müssen wir uns in diese Richtung bewegen.

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