Der Meister und der spirituelle Pfad

Bangalore, 9. Oktober 2012

F.: Gurudev, du möchtest, dass wir leidenschaftslos sind. Wie kann ich leidenschaftslos sein, wenn es um dich geht? Ich liebe dich, und die Bindung wird mit jedem Tag stärker.
Sri Sri Ravi Shankar:
Wenn diese Bindung dir dabei hilft, von anderen ungewollten Dingen loszukommen, dann ist es in Ordnung. Wenn sie dir einen Fokus gibt, ist es gut. Wenn jedoch Eifersucht, Ärger, Gier und all diese negativen Emotionen die Folge sind, solltest du besser an dir arbeiten.
Geh tief in dein Inneres, meditiere und verstehe, was geschieht.
Jede Bindung, die dich zu deinem höheren Selbst oder zu einem höheren Ziel führt, ist in Ordnung. Wenn sie dich jedoch herunterzieht, musst du zur Weisheit zurückkehren.
Wir sollten bei jeder unserer Handlungen in uns hineinschauen. Wenn wir uns über etwas beklagen, bedeutet das, dass wir nicht ohne diese Sache leben können.
Wenn jemand sehr schlecht ist, wirst du normalerweise einfach von ihm weggehen. Wenn du die Person jedoch hasst, bedeutet das, dass eine tiefe Verbindung besteht, die es dir verunmöglicht, zu gehen. Du möchtest mit der Person zusammen sein und beginnst deshalb, sie nicht zu mögen.
Der Geist ist sehr komplex, das kann ich dir sagen. Deshalb sage ich immer, dass du kein weiteres Unterhaltungsprogramm mehr brauchst. Alle Kanäle sind bereits im Geist vorhanden.
Jemand, der im Whirlpool des Geistes gefangen ist, verdient Mitgefühl, nicht Ärger.
Was tust du normalerweise? Du wirst ärgerlich auf jemanden, der negativ oder gegen dich ist. Du gehst davon aus, er könne frei entscheiden.
Ich empfinde genau umgekehrt.
Ich habe sehr viel Mitgefühl, weil er im Whirlpool seines eigenen Geistes gefangen ist. Er weiß nicht, was er tut, was durch seine Handlungen offensichtlich wird.
Solche Menschen fühlen sich sehr glücklich, wenn irgendwo etwas schiefläuft.
Da gibt es zum Beispiel eine schöne Veranstaltung, die durch Regen gestört wird, und sie sagen: „Gut! Sieh, Regen ist gekommen. Sogar die Natur ist dagegen!“ Und sie freuen sich darüber. So etwas ist falsch.
Du solltest es genau umgekehrt betrachten. Trotz des Regens sitzen die Menschen still und meditieren, dienen anderen oder fahren mit der Veranstaltung fort.
Wenn eine Person jedoch tief in ihrem Inneren negativ ist, wird sie sich nur dann freuen, wenn etwas nicht funktioniert.
Das ist sehr komisch und sehr merkwürdig.
So etwas lässt auf einen kranken Geist schließen.
Solche Menschen können es nicht tolerieren, wenn irgendwo auf der Welt irgendeinem Menschen etwas Gutes geschieht, und du kannst ihnen gegenüber
lediglich Mitgefühl empfinden.

F.: Gurudev, müssen wir uns anstrengen, um positive Dinge wie Einfachheit und Natürlichkeit in uns zu fördern, damit wir auf dem spirituellen Pfad Fortschritte machen können? Oder ist es so, dass sie sich von alleine entwickeln?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nein, es ist überhaupt nicht notwendig, sich anzustrengen, um gute Eigenschaften zu entwickeln. Gute Eigenschaften erblühen von selbst in dir, genauso wie eine Knospe von selbst zur Blume wird. Alles, was du tun musst, ist, den Deckel zu entfernen.
Wenn du einen Deckel über die Knospe stülpst, wie soll sie dann erblühen? Nur wenn du den Deckel entfernst, wird sie erblühen können. Dasselbe gilt für die guten Eigenschaften.
Durch reine Anstrengung werden gute Eigenschaften sich nicht in dir entwickeln. Das geschieht durch tiefe Ruhe und Meditation.
Wenn du frei von Stress und entspannt bist, wenn du in deinem Selbst ruhst, werden gute Eigenschaften ganz einfach in dir erblühen.

F.: Gurudev, wenn am Arbeitsplatz viele Dinge erledigt werden müssen, wird der Geist oft unruhig, man fühlt sich verloren und weiß nicht, was geschieht. Was soll man in solchen Zeiten tun?
Sri Sri Ravi Shankar:
Erstelle eine Liste von allen Dingen, die du erledigen musst und setze dann Prioritäten. Meditation sollte eine der Prioritäten sein.
Du musst das Vertrauen haben, dass all deine Wünsche erfüllt werden. Mit diesem Gefühl solltest du eine Weile meditieren.
Krishna hat versprochen: „Ich werde jemandem, der seinen Geist und seinen Intellekt auf mich lenkt, immer nahe sein, und er wird mir nahe sein.“ Erinnere dich einfach daran.
Wir müssen den Entschluss fassen, täglich eine Weile zu meditieren. Dann wird Gott unsere Gebete mit Sicherheit erhören.
Tatsächlich haben wir dann auch das Recht, etwas zu erbitten.
Wenn du genügend Punkte gesammelt hast, kannst du sie auch einfordern.
Wenn du Seva machst, sammelst du Punkte, die du beanspruchen kannst.
Wenn ich zu irgendeinem Satsang draußen gehe, erpressen mich die Leute auf diese Weise! (Lachen.)
Sie kommen um elf oder zwölf Uhr Nachts – wenn die Veranstaltung vorbei ist und ich ruhen möchte – zum Darshan und erzählen mir: „Diese Menschen haben so viel Seva gemacht und möchten nun deinen Segen haben. Bitte triff sie, Gurudev!“
Und ich habe keine Wahl, als ihnen Darshan zu geben, weil sie so viel Seva gemacht haben! (Lachen.)
Du musst also deine Punkte vermehren.
Auf diese Weise kann ein Anhänger Gott dazu bringen, seine Gebete zu erfüllen. Gott hat keine Wahl, er muss die Arbeit seiner Anhänger vollenden.
Auch in der Welt können wir so gewinnen.
Warum sollte irgendjemand uns nicht mögen, wenn wir gute Taten vollbringen?
Gibt es jemanden, der eine Person nicht mag, die Gutes tut? Das kann niemals geschehen.
Normalerweise bleiben wir in unserer Komfortzone, geben unserer Behaglichkeit mehr Bedeutung und tun nur, was wir gerne tun.
Warum sollte uns da jemand mögen?

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