Lass los und nimm Zuflucht im stillen Winkel deines Herzens

3. Januar 2012

F.: Wie kann ich Unsicherheit überwinden?
Sri Sri Ravi Shankar:
Unsicherheit besteht, weil du fühlst, dass niemand für dich da ist. Wache auf und erkenne, dass so viel Menschlichkeit vorhanden ist, dass es auf der Welt so viel Liebe gibt. Dann musst du dich nicht unsicher fühlen. Du gehst auf der Straße und jemand braucht deine Hilfe, weil er seine Tasche nicht tragen kann. Du wirst hingehen und der Person helfen, nicht wahr?
Weißt du, wann wir uns unsicher fühlen? Wenn wir das Gefühl haben, es gebe keine Menschlichkeit und kein Mitgefühl, niemand sei nett und niemand sei freundlich. Nur dann fühlen wir Unsicherheit. Wenn du aufwachst und erkennst, dass es so viel Liebe, so viel Mitgefühl und ein so starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit auf dieser Welt gibt, dann musst du nicht mehr unsicher sein. In Ordnung?
Pranayamas, Atemübeungen und Meditation werden dir mit Sicherheit dabei helfen, dieses Gefühl der Unsicherheit zu überwinden. Das ist auch bereits geschehen. Wie viele von euch empfinden, dass sie dieses Gefühl der Unsicherheit  bereits überwunden haben? (Viele heben die Hand.)

F.: Wie kann ich wissen, ob eine Beziehung gut für mich ist oder nicht? Drückt er einfach nur meine Knöpfe, damit ich daraus lernen kann, oder ist er ganz einfach nicht gut für mich?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nun, ich habe darin keine Erfahrung und kann es dir deshalb nicht sagen. Bevor du über jemanden urteilst, solltest du überprüfen, was für eine Beziehung du zu ihm hast, wie groß dein Herz ist, wie sehr du der Person entgegenkommen kannst und wie stark du jemanden beeinflussen kannst, sich zu ändern. Das ist es, womit du dich auseinandersetzen musst. Wenn du manchmal Zweifel hast, kannst du feststellen, dass der Zweifel sich immer gegen etwas Positives richtet. Ist dir das schon aufgefallen? Wir zweifeln an der Ehrlichkeit einer Person, niemals jedoch an ihrer Unehrlichkeit. Wenn jemand dich fragt, ob du glücklich bist, zweifelst du und sagst, du seist dir nicht sicher. Eine Depression zweifeln wir jedoch niemals an. Ist es nicht so? Wir zweifeln immer an etwas Positivem. Betrachte die Sache also immer auch von diesem Gesichtspunkt aus.

F.: Lieber Guruji, wie kann ich eine wirklich echte Beziehung mit anderen aufbauen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Am besten ist es, gar nicht zu versuchen, eine Beziehung aufzubauen. Sei einfach du selbst. Sei natürlich und einfach. Beziehungen entstehen auf natürliche Weise. Wenn du versuchst, eine Beziehung aufzubauen, kann es sein, dass du etwas künstlich wirkst. Dann wird auch dein Benehmen künstlich sein, was nicht natürlich ist. Stelle dir einfach einmal vor, jemand versuche dich zu beeindrucken. Du wirst das bemerken, nicht wahr? Und was tust du, wenn jemand versucht, dich zu beeindrucken? Du gehst weg. Das, was du magst, ist dasselbe, was auch andere mögen. Du magst es, wenn jemand dir gegenüber sehr ehrlich, offen, natürlich und bescheiden ist, oder? Genau das ist es, was die anderen auch von dir wollen.
Wenn du ein Boss wärest, was für eine Art von Mitarbeitern oder Untergebenen würdest du dir wünschen? Solche, die offen sind, nicht wahr? Das ist es auch, was dein Boss sich wünscht. Versuche nicht mit allen Kräften, deinen Boss, deine Freundin oder deinen Freund zu beeindrucken. Dann wird alles misslingen. Am besten ist es, wenn du natürlich und versöhnlich bist und im gegenwärtigen Augenblick lebst. Das macht einen großen Unterschied.

F.: Was kann man tun, wenn alles grau, trocken und sinnlos erscheint? Manchmal fühle ich mich völlig von der Liebe ausgeschlossen.
Sri Sri Ravi Shankar:
In solchen Momenten solltest du dir Wissen anhören. Ich habe eine Anzahl Wissensbücher und CDs gemacht. Das Wissen in der Ashtavakra Gita  ist sehr kostbar. Außerdem ist Meditation hilfreich. Diese beiden Dinge werden helfen. Und wenn es irgendwo einen Schweigekurs gibt, solltest du einfach hingehen und daran teilnehmen. Wenn alles ausgetrocknet ist, bringt das dem Leben den Saft zurück.

F.: Wie ist es dazugekommen, dass große Seelen groß geworden sind, und wie können wir selbst zu großen Seelen werden?
Sri Sri Ravi Shankar:
Du musst nichts Großartiges tun, um groß zu werden. Um groß zu werden, musst du die kleinen Dinge perfekt tun. Sei einfach und natürlich, dann werden große Dinge ganz einfach durch dich geschehen. Verstehst du? Du musst auch nicht berühmt sein, um Großes vollbringen zu können.  Größe ist in dir innewohnend. Sie befindet sich wie ein Samen in dir.

F.: Warum hat es keine weiblichen Meisterinnen, Prophetinnen oder berühmte Schülerinnen gegeben? Ich habe fast nur von männlichen, aber kaum von weiblichen Meistern gehört.
Sri Sri Ravi Shankar:
Es sind freie Stellen vorhanden! Du kannst eine Meisterin werden.

F.: Kannst du bitte über Heilung sprechen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Heilung geschieht! Wenn die Energie hoch ist, und wenn es Liebe gibt, findet Heilung automatisch statt.

F.: Lieber Guruji, was soll ich tun, wenn mein Ehemann immer der Boss sein will und mich herumjagt? Ich liebe ihn sehr, aber er macht mich unruhig.
Sri Sri Ravi Shankar:
Ein Herr wurde gefragt: „Wer ist der Boss im Haus?“ Er antwortete: „Ich! Aber ich habe die Erlaubnis von meiner Frau bekommen, das zu sagen.“ Die Frau hatte ihm also erlaubt zu sagen, er sei der Boss. Du kannst der Boss sein, aber auf eine sehr subtile Art und Weise. Es gibt ein Geheimnis, was Beziehungen betrifft. Du solltest zum Beispiel dafür sorgen, dass dein Ehemann sich niemals klein fühlt. Wenn du ihm erzählst, er sei ein Nichtsnutz und zu nichts zu gebrauchen, er sei eine faule Gans, wird sein Selbstwertgefühl verschwinden, und es wird tatsächlich so kommen, dass er zu nichts zu gebrauchen ist. Wie unverbesserlich oder schwach er auch immer sein mag, du solltest ihm immer sagen, er sei der Beste. Du solltest sein Ego aufblasen. Auch wenn die ganze Welt der Meinung ist, er habe kein Gehirn, solltest du das nicht auch sagen. Als Ehefrau solltest du sagen: „Du hast das beste Gehirn der Welt. Dass du es nicht nutzt, bedeutet nicht, dass du keines hast. Es ist einfach nur so, dass du es nicht nutzt, das ist alles. Du hast ein frisches, unbenutztes Gehirn.“ Das ist es, was du sagen solltest.
Ähnlich solltest du – was die Frauen betrifft – niemals kaltes Wasser auf ihre Emotionen gießen. Für Frauen ist eine emotionale Bindung sehr wichtig. Du solltest dich niemals über ihre Eltern beklagen, über ihren Vater, ihre Mutter, ihre Schwestern oder ihre Brüder. Sollte sie sich beklagen, so verhältst du dich ruhig und sagst nichts. Du solltest keinen Kommentar abgeben, denn du wirst dir in beiden Fällen Probleme einhandeln, ob du nun ihre Partei ergreifst oder dich gegen sie aussprichst.
Wenn du gegen ihre Eltern bist, wird das Probleme geben, wenn du dich aber mit ihnen verbündest, wird sie sich ausgeschlossen fühlen. Sie wird anfangen zu schreien und zu brüllen: „Du verstehst mich nicht!“
Da du so oder so ein Problem bekommen wirst, ist es besser, ruhig zu bleiben. Gehe einfach weg oder wechsle das Thema.
Gib ihr außerdem einfach deine Kreditkarte, wenn sie einkaufen gehen will. Sie mag bereits zehn paar Schuhe besitzen und ein elftes Paar kaufen wollen. Dennoch solltest du es nicht in Frage stellen, indem du sagst: „Du hast doch nicht elf Beinpaare, warum musst du dann so viele Schuhpaare kaufen?“, denn dann wird sie sich aufregen. Du solltest also keine Einwände erheben, wenn es ums Einkaufen geht.

F.: Wie kann ich wissen, ob die Frau meines Herzens mich wirklich zu hundert Prozent liebt?
Sri Sri Ravi Shankar: Ich habe keine Ahnung, und du hast auch keine Ahnung. Du musst das Risiko eingehen. Selbst wenn es nur neunzig Prozent wären, würde das ausreichen.
Wenn jemand dir dieselbe Frage stellen würde, was würdest du antworten? Du kannst nicht garantieren, dass deine eigene Liebe für jemanden hundert Prozent beträgt. Für diesen Monat vielleicht schon noch, wie aber sieht es im nächsten Monat aus? Ich sage dir, du kannst für deinen eigenen Geist keine Garantie übernehmen. Du kennst deinen eigenen Geist nicht. Wie kannst du da erwarten, dass jemand den Geist eines anderen kennt? Du versuchst, den Geist eines anderen Menschen zu kontrollieren, obwohl du noch nicht einmal die Kontrolle über deinen eigenen Geist hast! Das ist unmöglich!
Du musst etwas wissen: Was immer dir gehört, wird dir immer gehören. Was immer sich von dir entfernt, hat dir niemals gehört, auch vorher nicht.
Dies ist ein gutes Sprichwort: „Was immer dir gehört, wird dir immer gehören. Was immer sich entfernt, hat dir niemals gehört.” Wenn du das weißt, wirst du in Frieden sein. Wenn du diese Freiheit spürst, die aus dem Inneren kommt, und den Frieden fühlst, dann gehört dir die ganze Welt. Jedermann gehört zu dir. Wenn du einen Mangel empfindest, wird der andere Mensch dir einfach entgleiten, gleichgültig, wie sehr du dich darum bemühst, ihn zu besitzen. Das ist der Grund, warum spirituelles Wissen so entscheidend ist. Dieses Wissen kann dir nicht nur innere Stärke bringen, sondern dich auch zum Zentrum deines Universums machen. Du wirst so zentriert sein, dass alles auf natürliche Weise zu dir kommen wird.

Im zweiten Kapitel der Bhagavad Gita gibt es einen wunderbaren Vers, der besagt: „Wenn jemand im höheren Bewusstsein verankert ist, werden alle Wünsche, sowie die vollständige Erfüllung zu ihm kommen, auf die gleiche Weise, wie der Fluss zum Ozean fließt.“
Das ist so natürlich, nicht wahr? Alle Flüsse fließen zum Ozean. Auf die gleiche Weise werden alle Wünsche desjenigen erfüllt, der ein Yogi ist.
Praktiziere deshalb Yoga und Meditation und sei im spirituellen Wissen. Dann wird alles auf dich zukommen. Das ist nicht der Fall bei jemandem, der Wünschen hinterher jagt. Nichts gelangt in die Hände einer Person, die Wünschen hinterher jagt und ihnen hinterher rennt.
Lass also los und nimm Zuflucht im stillen Winkel deines Herzen. Dann wir dir alles gehören. Das ist wirklich wahr.

F.: Ich habe das Gefühl, diese Werte an meinem Arbeitsplatz nicht leben zu können. Muss ich meinen Job wechseln?
Sri Sri Ravi Shankar: Nein! Du kannst diese Werte an deinem Arbeitsplatz fördern. Mache dir keine Sorgen, nimm Stellung und sprich immer wieder mit den Menschen darüber. Für ein paar Tage werden sie vielleicht denken, dass du verrückt seist  und verrückte Dinge erzählen würdest. Mache dir nichts daraus! Sprich einfach weiter. Sie werden es mit der Zeit realisieren und akzeptieren.
Am Anfang, als ich in den Westen kam, dachten die Leute, ich sei verrückt. Das, was ich erzählte, ging niemandem in den Kopf, aber ich kam weiterhin, und alle genossen es. Dasselbe wird mit dir an deinem Arbeitsplatz geschehen. Sprich weiterhin über das Wissen und die Transformation.

Schau, ich erinnere mich, dass die Menschen sich lustig darüber machten, wenn vor zwanzig Jahren jemand über vegetarisches Essen sprach, über Umweltschutz oder darüber, dass man Bäume pflanzen sollte. Kann jemand von euch sich daran erinnern? Wenn jemand über eine saubere Umgebung sprach oder darüber, dass man Plastik vermeiden sollte, sagten die Leute: „Das ist Unsinn! Es fehlt euch an Vernunft. Das ist unmöglich!” Wenn vor dreißig Jahren jemand dir angeraten hätte, nicht zu rauchen, wäre die Antwort gewesen: „Das ist absurd!” Jemand, der nicht rauchte, wurde als Außenseiter betrachtet. Jedem Sitz im Flugzeug stand ein Aschenbecher zur Verfügung. Neben dem Anschnallzeichen gab es auch ein Zeichen für die Raucher, das die Passagiere darauf hinwies, während des Startes und der Landung das Rauchen zu unterlassen. Anderenfalls hätten die Leute geraucht. Für Nichtraucher waren nur drei oder vier Reihen ganz vorne reserviert. Alle anderen standen den Rauchern zur Verfügung. Das machte überhaupt keinen Sinn, denn die Luft bewegte sich auch von hinten nach vorne. In jenen Tagen wurdest du als altmodisch betrachtet, wenn du Nichtraucher warst. Ich spreche von der Zeit vor ungefähr fünfunddreißig Jahren. Heutzutage wird das Rauchen jedoch von allen Fluggesellschaften auf der ganzen Welt verboten. Es gibt in keinem einzigen Flugzeug einen Aschenbecher, nicht wahr?

Und auf die gleiche Weise solltest du immer wieder über die Werte und über Meditation sprechen. Wenn jemand in jenen Tagen im Schneidersitz saß und meditierte, musste er damit rechnen, als Außenseiter betrachtet zu werden. Eine Durchschnittsperson hätte so etwas nicht getan.
Heute jedoch benutzen alle großen Unternehmen das Bild einer meditierenden Person, wenn sie Entspannung vermarkten wollen. Sie benutzen Yoga und Meditation für ihre Werbung. So ändern sich die Dinge.

Du hast also die Macht, deinen Arbeitsplatz zu verändern. Laufe nicht davon. Bleibe an deinem Platz und erzähle den Menschen dort dosiert über die Werte. Sie werden sich verändern. Wir haben Kurse, die gezielt für Unternehmen entworfen wurden. Es gibt Lehrer, die in Firmen unterrichten können. Viele Unternehmen bieten heutzutage diesen Kurs an. Gerade jetzt, während wir sprechen, werden bei der Firma Bosch zwei Kurse durchgeführt. Alle leitenden Angestellten besuchen den Kurs in Bangalore in zwei Etappen. Ich habe gerade eine SMS erhalten. Sie sind im Ashram von Bangalore angekommen. Viele Unternehmen machen also diese Kurse, und die Atmosphäre an den Arbeitsplätzen verändert sich.

Selbst Luftgesellschaften sind darunter. Ich erinnere mich, wie Angestellte der Lufthansa vor fünfundzwanzig Jahren an unserem Kurs teilgenommen haben. Einzelne Leute von British Airways ebenfalls. Heutzutage kommt man im Flugzeug in den Genuss einer geführten Meditation. Lufthansa bietet auf Kanal 13 eine Meditation auf Englisch und auf Deutsch an. Allerdings bin ich nicht mit allem einverstanden, was dort gesagt wird. Sie sind nicht so präzise, aber eine gewisse Entspannung findet dennoch statt. Es ist nicht perfekt, aber besser als gar nichts. Es wird eine Menge an Vorstellungskraft und Anstrengung verlangt, aber nichtsdestotrotz besteht eine gewisse Wirkung.
Die Welt verändert sich also. Du kannst dazu beitragen, eine Veränderung an deinem Arbeitsplatz zu bewirken, lauf also nicht weg.

Wenn du deinen Arbeitsplatz aus einem anderen Grund wechseln möchtest, kannst du das tun. Wenn du irgendwo anders besser bezahlt wirst, dann solltest du mit Sicherheit wechseln. Lauf aber nicht weg, weil die Leute in deiner Umgebung schlecht sind. Nein! Wenn die Menschen um dich herum schlecht sind, ist das ein Grund mehr, um dort zu bleiben, denn du bist die Hoffnung, dass eine Änderung durch dich dort geschieht.

F.: Ich komme im Leben ganz gut klar, was die Arbeit oder die Familie betrifft. Ich engagiere mich auch im Bereich der Bildung ein wenig für die Gesellschaft. Ich habe jedoch das Gefühl, mehr für die Gesellschaft tun zu können. Ich weiß nicht, wie ich es anfangen soll. Bitte leite mich an.
Sri Sri Ravi Shankar:
Du solltest dich der Arbeit von Art of Living anschließen. Wir können dich mit Sicherheit brauchen. Wir bauen gerade unsere erste Universität in Indien auf. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, den Kindern das Beste des Ostens und das Beste des Westens anzubieten.
Wir haben das beste Wissen von hier und das beste Wissen vom Osten. Sowohl im Westen als auch im Osten gibt es eine Menge guter und eine Menge weniger guter Dinge. Also wollen wir das wirklich Beste aus dem Osten und aus dem Westen aussuchen, um eine vollkommene Transformation des menschliche Bewusstseins zu erreichen. Wir benötigen dazu eine Menge Hilfe von euch allen.
Wir brauchen Menschen, die bei der Beschaffung von Geldmitteln helfen oder Kinder sponsern können. Wir brauchen auch Leute, die beim Aufbau der Gebäude helfen können. Es gibt viele Dinge, die hier stattfinden können. Du bist also mehr als willkommen, Teil dieses Projektes zu werden.

F.: Ich habe das Gefühl, eine sehr liebevolle Person zu sein. Ich habe eine Menge Liebe zu geben. Ich wollte schon immer heiraten und meine eigene Familie mit Kindern haben, aber selbst nach so vielen Jahren ist das nicht geschehen. Was kann ich dazu beitragen, dass Liebe und Heirat sich in meinem Leben manifestieren?
Sri Sri Ravi Shankar:
Nun, ich weiß es nicht. Es ist nicht so, dass es keine liebende Menschen, keine alleinstehenden Männer und Frauen gäbe. Es gibt sie. Aber vielleicht bist du zu wählerisch. Wenn du denkst, du seist sehr liebevoll, empfindest du die andere Person als nicht so liebevoll. Du wirst versuchen, Fehler bei den anderen zu finden. Bei jedem Menschen, den du antriffst, wirst du denken, irgendetwas sei nicht richtig, er sehe nicht gut aus, er sei zu groß, er sei zu klein, er sei kahlköpfig oder er habe zu viele Haare.
Wenn du über jede Person urteilst und irgendeinen Fehler findest, weiß ich nicht, wie du es bewerkstelligen willst, einen Ehemann zu finden. Vor ein paar Tagen sagte mir eine Frau, sie wolle mit dem perfekten Mann zusammen sein. Ich antwortete: „In Ordnung, wenn du einen perfekten Mann findest, wird er auch eine perfekte Frau haben wollen, was du nicht bist. Was wirst du also tun? Es ist klar, dass ein perfekter Mann auch eine perfekte Frau haben möchte. Bist du perfekt? Wenn du nicht perfekt bist, warum bestehst du dann darauf, dass andere es sind? Siehst du, manchmal hängen wir mit unseren Gedanken in der Luft. Wir sind nicht praktisch, und so kommen uns die Dinge nicht entgegen. Wir sollten zu starken Perfektionismus vermeiden. Wenn du zu perfektionistisch bist, ärgerst du dich sehr schnell und wirst wegen Kleinigkeiten wütend. Du regst dich über Dinge auf, die nicht der Rede wert sind. Du wirst so emotional. Und wenn du solche Wutanfälle bekommst, möchte niemand mit dir zusammen sein. Sie bekommen Angst.
Wenn du zentriert und weniger wählerisch bist, dann geschieht alles so, wie es dir entspricht.

F.: Wenn wir dich im Satsang oder während der Kriya sehen, fühlen wir uns in einem Hoch. Wie aber können wir immer in diesem Hoch bleiben?
Sri Sri Ravi Shankar:
Vergiss es, es immer zu wollen. Wenn du duschst, fühlst du die Wärme oder die Kühle. Du benutzt die Dusche nur während einer bestimmten Zeit, aber diese Dusche hält dich für den ganzen Tag rein, nicht wahr? Wenn du immer in der Dusche bleiben wolltest, müsstest du ein Fisch sein. Dann könntest du den ganzen Tag im Wasser verbringen. Auch wenige Satsangs und Kriyas, die deine Energie anheben, sind gut. Das ist in der Welt natürlich. Die Energie kommt in Wellen, und du fühlst dich angehoben. Wenn du dann zum Markt zurückgehst, sinkt der Energielevel. Nun schaust du dir einen Film an, und er sinkt noch weiter. Das kommt vor! Weißt du, du solltest dir die Gesichter der Menschen ansehen, die aus dem Kino kommen. Sie sehen wie Zombies aus. Sie kommen nicht mit strahlenden, leuchtenden Augen, mit einem strahlenden Gesicht oder mit einer hohen Energie heraus. Diese Art von hoher, enthusiastischer Energie ist ihnen fremd. Sie fühlen sich dumpf und müde, weil sie zwei Stunden gesessen sind und zugeschaut haben.
Solche Dinge kommen vor. Der Energielevel ist also niemals stabil. Er bewegt sich in Wellen, hoch und runter. Und wenn du all die Übungen machst, wenn du zum Satsang kommst, bewirkt das, dass der Energielevel – mehr oder weniger – auf einem hohen Niveau bleibt. Wir sollten uns nicht daran stören, wenn er manchmal sinkt. Sonst wird das zu einer neuen Sorge: „Oh, meine Energie ist tief.” Hast du es verstanden? Geh zurück und schau, wie es vorher in deinem Leben gewesen ist. Wenn du an Meditationen und Satsangs teilnimmst, wird dein Energielevel mit der Zeit auch eine gewisse Stabilität erreichen.

F.: Ich bin ein emotionaler Esser. Wenn ich traurig, depressiv oder wütend bin, beginne ich automatisch dauernd zu essen. Wie kann ich das unter Kontrolle bringen? Ich nehme eine Menge dabei zu.
Sri Sri Ravi Shankar:
Ja. Ich möchte jetzt keine Gedanken dazu äußern oder dir irgendwelche Vorschläge dazu machen. Weißt du warum? Weil du sie vergessen  und dich noch schlechter fühlen wirst, wenn du dich daran erinnerst: „Oh nein, ich habe diese Anweisungen nicht befolgt.” Nicht wahr?
Weißt du, was gut wäre, wenn du durcheinander bist? Lege Musik auf und tanze einfach. Es macht auch nichts, wenn es traurige Musik ist, tanze einfach. Wenn du tanzt, wirst du weniger zunehmen und das Gewicht wieder verlieren, das zu zugelegt hast. Gut! Zumindest wirst du während dieser Zeit weniger essen. Es kann natürlich auch sein, dass du nach dem Tanzen hungriger sein und mehr essen wirst. Solange du nicht selbst beschließt, etwas dagegen zu tun, kann niemand etwas dagegen tun. Du musst selbständig zu einem Ergebnis kommen.

F.: Ist es normal, wenn dein Körper sich während der Meditation ruckartig bewegt?
Sri Sri Ravi Shankar: Ja, das ist in Ordnung. Es ist gut.

F.: Guruji, ich habe eine sehr wichtige und schwierige Frage. Kannst du etwas über folgendes Problem sagen: Nicht genügend essen zu wollen, nur ganz gesunde Nahrung zu sich nehmen zu wollen und zu starke Disziplin einzuhalten? Was ist der Grund dafür, und wie kann man das lösen?
Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du immer besonders gesunde Nahrungsmittel isst, verliert dein Körper manchmal die Fähigkeit, sich anzupassen, und dein Immunsystem wird ein wenig schwach. Du solltest dafür sorgen, dass dein Körper flexibel ist. Du kannst manchmal auch nicht allzu gesunde Nahrungsmittel zu dir nehmen. Ich will damit nicht sagen, du sollst ungesunde Dinge essen, es müssen jedoch nicht die ganze Zeit biologische Nahrungsmittel sein. Manchmal kannst du auch Dinge essen, die nicht biologisch sind, das schadet nichts. Dein Körper besitzt die Fähigkeit, sich an jede Situation anzupassen. Du musst keine besonders sensible Sache daraus machen. Verstehst du, was ich sagen will?
Weißt du, Menschen, die in armseligen Gebieten leben – besonders in Slums – sind so viel stärker! Ich spreche hier von den Verhältnissen in Indien. Ihr Immunsystem ist sehr stark, und ihr Körper ist wie Stahl. Du wirst überrascht sein: Das Immunsystem von Menschen, die in städtischen Gebieten leben, ist ein wenig schwach. Sie erkälten sich oder bekommen einen Husten, wenn sie in bestimmte verunreinigte Gebiete gehen. Menschen, die in Slums leben, sind sehr robust. Ihr Immunsystem ist stark, weil es aktiv ist. Das ist sehr merkwürdig, aber dennoch wahr. Menschen, die an unhygienischen Orten leben, sind gesünder. Nicht überall, ich würde nicht von überall sprechen, aber an manchen Orten sind sie viel gesünder, und ihr Organismus ist bedeutend stärker.
Dasselbe kannst du auch in Brasilien sehen, in den dortigen Slums, den Favelas. Du wirst feststellen, dass es da ziemlich starke Macho Männer gibt, die in Slums nahe von Rio de Janeiro leben. Ich habe es selbst gesehen. Ich bin in diese Slums gegangen. Sie erscheinen einem nicht wie Slums. Es leben dort ziemlich gesunde und starke Menschen.
Du musst also deinen Körper nicht die ganze Zeit für besonders gesundes Essen sensibilisieren. Finde einen Mittelweg. Ziehe während der meisten Zeit gesundes Essen vor, gewöhne dir aber an, manchmal auch andere Nahrungsmittel zu essen.

F.: Ich empfinde, dass diese Methode eher dazu führt, mich noch einsamer fühlen zu lassen, anstatt mein Zusammengehörigkeitsgefühl zu verstärken. Bitte gib mir einen Rat.
Sri Sri Ravi Shankar:
Nein! Ich bitte dich, wache auf! Es kann sein, dass es nur am Anfang zu einem solchen Gefühl kommt, aber das wird vorbeigehen. Sei einfach damit, sei mit dieser Einsamkeit. Geh tief in die Einsamkeit hinein, und du wirst herausfinden, dass du so viel mehr Kraft dadurch bekommst.

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