Wenn du dich schwach fühlst, bin ich bei dir als deine Kraft – du bist nicht alleine!

16. November 2011

F.: In der Ashtavakra  sagst du, wir sollten die Sinnesobjekte loslassen, wenn wir den Wunsch nach Freiheit verspürten. Manchmal hängen menschliche Werte wie Mitgefühl, Liebe usw. mit Sinnesobjekten zusammen. Soll ich sie auch loslassen?

Sri Sri Ravi Shankar: Ja, halte an nichts fest, lass´ los! Mitgefühl und Liebe sind deine Natur, sie werden in dir weiterbestehen. Es gibt ein Sprichwort in Hindi: Neki kar kue mein daal. Es wird dich traurig machen, wenn du denkst: „Ich bin so gut, und alle anderen sind schlecht.“ Diese Haltung ist es, die du loslassen solltest.

F.: Lieber Guruji, wenn wir in der Welt in jemanden verliebt sind, müssen wir weinen. Wenn wir aber in dich verliebt sind, müssen wir ebenfalls weinen. Was sollen wir da tun?

Sri Sri Ravi Shankar: Kabira hasana door Kar, rone se kar preeti, bin roye kyon paiye, prem piyara meet.

Wenn Tränen der Liebe und der Sehnsucht vergossen werden, ist das gut. Es macht das Leben lebenswert.

F.: Jai Gurudev, alle, die ich geliebt habe, haben mich verraten, sowohl meine Familie als auch meine Freunde. Was immer ich für sie tue, läuft schief. Ich möchte etwas anderes tun, um mich vor ihnen zu beweisen.

Sri Sri Ravi Shankar: Was soll dieser Versuch bringen, dich ihnen zu beweisen? Wenn du versuchst, ihnen etwas zu beweisen, wird das nur zu einer Energieverschwendung führen. Lass´ es los und gehe weiter. Mach´ stattdessen etwas für dich selbst. Wenn es etwas Gutes gibt, was du den anderen beweisen möchtest, wird sich sowieso niemand darüber freuen, wenn er es sieht. Sie werden höchstens eifersüchtig werden. Was willst du durch das Erschaffen von noch mehr Eifersucht gewinnen? Es wird nur noch mehr Feindseligkeit bewirken. Vergiss deshalb die anderen und fokussiere dich auf dein eigenes Leben. Tue in den verbleibenden dreißig oder vierzig Jahren das, was du tun möchtest. Verdiene so viel wie du verdienen willst, leiste so viel Dienst an der Gesellschaft wie du möchtest und dann entspanne.

F.: Und was ist mit den Menschen, die mich verraten haben?

Sri Sri Ravi Shankar: Lasse sie in Ruhe und kümmere dich nicht darum. Reiße sie aus deinem Herzen. Wenn sie dich verraten haben, ist das ihr Karma. Dein Karma war es, verraten zu werden, und nun ist es vorüber. Die Rechnung wurde beglichen.

F.: Guruji, wie kann ich wissen, dass ich das tue, was du von mir erwartest? Bin ich auf dem richtigen Weg? Manchmal fühle ich mich sehr schwach und weine viel. Wie kann ich meine Tränen beenden?

Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du dich schwach fühlst, bin ich bei dir als deine Kraft, du bist nicht alleine. Wann immer du dich schwach fühlst, musst du wissen, dass du nicht alleine bist. Sei dir klar darüber, was du in deinem Leben haben möchtest und was du tun willst. Mache dann Pläne und setze sie in die Tat um. Einfach nur zu weinen und emotional zu sein wird nicht helfen. Wache auf und erkenne, dass die Welt so ist und ihre eigenen Maßstäbe hat. Finde heraus, wie du vorwärts gehen kannst.

F.: Wie kommt es, dass wir an etwas hängen, und wie können wir das Gefühl der Anhaftung überwinden? Es ist sehr schmerzlich, wenn die Person, an der wir hängen, es vorzieht, uns zu verlassen.

Sri Sri Ravi Shankar: Erinnere dich daran: Was immer zu dir gehört, wir immer zu dir gehören. Was immer dir nicht gehört, wird für eine Weile kommen und dann wieder gehen. Wache auf! Vertiefe dich in das Wissen.

F.: Ich kann gut Freunde gewinnen, Freundschaften aber schlecht aufrechterhalten. Was soll ich tun?

Sri Sri Ravi Shankar: Du hast das Problem ermittelt. Die Lösung besteht darin, freundlich zu sein, aber nicht zu versuchen, übermäßig freundlich zu sein. Sei einfach du selbst und fokussiere dich auf dich selbst. Gehe nicht dauernd zu deinen Freunden und denke nicht darüber nach, wie du sie beeindrucken könntest und was sie wohl von dir denken. Das bewirkt eine solche Spannung in deinem Geist! Sieh´ zu, dass du niemals da hineingerätst. Wie viele Jahre wirst du noch leben? Eines Tages wirst du alles auf diesem Planeten verlassen müssen. Du wirst die gute Gesellschaft, die schlechte Gesellschaft, jedermann und alles verlassen müssen. Wenn das die Wahrheit ist, solltest du aus der Asche des Schlummers heraustreten, in der du dich befindest, und aufwachen!

F.: Guruji, du hast gesagt, Gefühle seien emotionaler Müll. Sollten wir unsere Gefühle nicht mit denen teilen, die wir lieben?

Sri Sri Ravi Shankar: Doch, du kannst deine Gefühle teilen, aber reite nicht zu sehr darauf herum. Beobachte, ob du durch das Teilen deiner Gefühle für dich und diejenigen, die du liebst, etwas Gutes bewirkst. Nimm einmal an, du fühlst dich nicht gut und erzählst das immer wieder deinen Freunden. Werden sie dir in irgendeiner Weise helfen können? Wenn du Fieber hast und das einem Arzt mitteilst, wird er dir Medikamente geben. Wenn du es jedoch dauernd deiner Mutter, Großmutter und deinen Freunden erzählst, wird es dir in keiner Weise helfen. Teile diejenigen Gefühle, die andere Menschen anheben können. Diejenigen Gefühle, bei denen dir niemand helfen kann, solltest du nicht teilen. Erzähle sie nur jemandem, der dir helfen kann, einer älteren Person oder jemandem, dem du vertrauen kannst. Solchen Menschen kannst du sie anvertrauen und dich anleiten lassen. Deshalb kannst du all deine Gefühle mit einem Lehrer, einer Person, die dich führen kann, oder einem Guru teilen.

F.: Was ist Prayaschit?

Sri Sri Ravi Shankar: Prayas bedeutet, wieder jung zu werden. Chit bedeutet, dass dein Geist sich verjüngt. Dein Chitta, Geist oder Bewusstsein wird alt, wenn er am Bedauern festhängt. Das Bedauern zu entfernen, wieder neu und jung zu werden ist  Prayaschit: Ich habe einen Fehler begangen, das macht nichts, nun werde ich Om Namah Shivaya singen und Pranayamas machen. Pranayama ist das beste Prayaschit. Wenn du Pranayamas machst, erwacht all die gefangene Energie.

F.: Ich habe die Bhagavad Gita gesehen, es ist ein dickes Buch. Wie konnte Lord Krishna all die 700 Shlokas der Bhagavad Gita auf dem Kampfplatz erläutern?

Sri Sri Ravi Shankar: Manchmal brauchst du nicht so viele Worte, um zu kommunizieren. Die Kommunikation geht schnell, aber wenn sie aufgeschrieben wird, wird sie länger. In jenen Tagen haben Kriege viele Tage lang gedauert. Auch beim Mahabharata Krieg war das der Fall, und die Vorbereitungen dauerten ebenfalls viele Tage. So kann es sein, dass Lord Krishna einen ganzen Nachmittag damit verbracht hat, Arjuna einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Da Arjuna glaubte, alles zu wissen, musste Lord Krishna zu ihm sprechen und ihn auf  viele verschiedene Arten zu überzeugen versuchen. Es ist also nicht unmöglich.

F.: Guruji, im Namen der Hingabe stechen manche Leute Nadeln in ihre Zunge und in andere Körperteile. Ist es richtig, sich im Namen der Hingabe selbst zu foltern?

Sri Sri Ravi Shankar: Nein, das ist nicht richtig. Nirgendwo in den Schriften ist die Rede davon, dass man solch qualvolle Dinge tun sollte. Das Göttliche wohnt in jedem Herzen, und niemand sollte sich selbst quälen, um dem Göttlichen zu gefallen.

F.: Guruji, wenn wir schon heiraten müssen, warum nicht das Göttliche? Wie kann man das ermöglichen? Bitte leite mich an.

Sri Sri Ravi Shankar: Eine Heirat ist eine Verpflichtung. Beim Göttlichen ist es eine innere Angelegenheit, eine innere Bindung. Bleibe in deinem Haus, tue weiterhin, was du immer getan hast, während du in deinem Geist eine Bindung an das Göttliche hast. Wenn du schon verheiratet bist, solltest du die Göttlichkeit im Herzen deines Ehepartners sehen.

F.: Guruji, ich habe gehört, dass die Seele ihren Pfad auswählt. Wenn du irgendwie von diesem Pfad abkommst und etwas anderes tust, stößt dich das Universum auf diesen bestimmten Pfad zurück, auf dem du dich befinden solltest. Ist das wahr?

Sri Sri Ravi Shankar: Das trifft zu, wenn du Glück hast! Wenn du kein Glück hast, braucht es eine lange Zeit, bis du auf deinen Pfad zurückfindest.

F.: Ist es der Mensch oder Gott, der Lust, Wünsche, Ärger, Anhaftung und Gier erschaffen hat?

Sri Sri Ravi Shankar: Gott hat diese Tendenzen in unser Leben gebracht, damit wir darüber hinauswachsen können. Ohne diese Dinge gäbe es nichts zu tun in diesem Leben. Es wurden uns auch Weisheit und Werkzeuge gegeben, die uns ermöglichen sollen, darüber hinauszuwachsen. Zuerst wurde uns also die Lösung gegeben und erst dann das Problem, und wir müssen die richtige Lösung mit dem entsprechenden Problem zusammenbringen. Es ist Unwissenheit, die Lösung nicht zu sehen und im Problem hängenzubleiben.

F.: Wenn wir jemandem unseren Segen geben oder intensiv darum beten, dass seine Wünsche erfüllt werden, stellen wir uns damit gegen das Universum?

Sri Sri Ravi Shankar: Nein. Dieses Gefühl, beten zu wollen, wurde auch vom Universum in dein Herz gelegt.

F.: Sind schlechte Träume in Ordnung?

Sri Sri Ravi Shankar: Schlechte und gute Träume sind in Ordnung. Betrachte schlechte Träume so, als würde dich dadurch etwas Negatives verlassen, und gute Träume als Indikator für etwas Gutes, was geschehen wird.

F.: Guruji, was ist richtig und was ist falsch?

Sri Sri Ravi Shankar: Das, was zu Beginn ein wenig Unruhe verursacht, auf lange Sicht jedoch Freude bringt, ist richtig. Das, was dir vorübergehend Vergnügen bereitet, auf lange Sicht aber Elend bringt, ist falsch.

F.: Kannst du uns die Zahl 7 erläutern? Es gibt ja 7 Tage pro Woche, 7 Kontinente, 7 Chakras und so weiter.

Sri Sri Ravi Shankar: Jede Zahl kann mit etwas Heiligem in Verbindung gebracht werden und trägt diese Heiligkeit in sich. Aus diesem Grunde werden alle Zahlen aufgeführt, wenn Rudrabhishekam zelebriert wird.

Die Zahlen 1 und 2 sind sehr heilig.

Auch die Zahl 3 ist heilig. Sie kann mit so vielen Dingen in Verbindung gebracht werden:  Mit Brahma, Vishnu und Mahesh; mit Sattva, Rajas und Tamas; mit Vata, Pitta und Kapha; mit dem Morgen, dem Nachmittag und dem Abend; mit der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft. Die Zahl 3 ist also sehr heilig.

Dann die Zahl 4: Sie ist noch heiliger: Die vier Himmelsrichtungen, die vier Veden, die so viel Heiligkeit in sich tragen. Das heiligste aller Symbole – Swastika – hat vier Ecken.

Dann die Zahl 5: Die fünf Elemente sind sehr heilig; die fünf Sinnesorgane; die fünf Wahrnehmungsorgane, die fünf Handlungsorgane. Bei der Pancha Devata gibt es fünf wichtige Kategorien von Devatas. Die Panchayat  (bestimmte Art von Regierung, Anm. D. Ü.) besteht aus nur fünf Mitgliedern. Die  Zahl 5 ist also sehr heilig.

Es folgt die Zahl 6: Die Shad Darshanas sind die sechs Systeme der hinduistischen Philosophie; die Shadangas, die sechs Angas, sind sehr wichtig; der sechste Sinn: Der Geist wird als sechster Sinn bezeichnet.

Dann die Zahl 7: Sieben Swaras, sieben Chakras, sieben Wochentage, sieben Planeten…

Die Zahl 8 hat ihre eigene Heiligkeit: Ashta Dikpalakas sind die acht göttlichen Entitäten, die über acht Teile des Universums herrschen; Ashtadhatu, acht Metalle, die für den Körper unerlässlich sind; Ashtalakshmi, die acht Arten von Reichtum. So hat die Zahl 8 ihre eigene Bedeutung.

Wir kommen zur Zahl 9: Navagrahas; Navaratna, neun Edelsteine; Navaratri, neun Nächte. Ein Kind wird nach neun Monaten geboren. Es gibt neun Arten von Bhakti.

Auch die Zahl 10 und die Zahl 11 sind heilig.

Es bleibt keine Zahl, die nicht heilig wäre. Im Westen wird die Zahl 13 als unheilig betrachtet, aber in Indien gibt es keine Zahl, die als unheilig betrachtet wird, oder die Unglück bringt. Alle Zahlen sind gut. Jede Zahl hat eine besondere Bedeutung und wird mit etwas Ruhmreichen in Verbindung gebracht.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s