Ein Yogi ist jemand, der sowohl in der Sprech- als auch in der Handlungsweise Fähigkeiten aufweist

15. November 2011

F.: Jai Gurudev, Guruji. Was bedeutet Moun und wie befolgt man es? Welche Dinge sollten wir während Moun vermeiden?
Sri Sri Ravi Shankar: Moun bedeutet Stille. Du bringst Englisch und Hindi durcheinander. Wie kann man in Stille sein? Erstens, indem man schweigt, und zweitens durch Antar Moun, was „den Geist beruhigen“ bedeutet.
Dafür werden dir während des Fortgeschrittenenkurses eine Anzahl von Dharanas oder Pratyahara vermittelt. Es werden einige Methoden gelehrt, die den Geist beruhigen sollen. Während des Schweigens ist es besser, die Schöpfung zu betrachten. Betrachte die Bäume und die Vögel und weniger die Gesichter der Menschen. Wenn du die Gesichter der Menschen betrachtest, bekommst du Lust zu sprechen, dich auszudrücken oder etwas zu tun. Wenn du die Schöpfung betrachtest, bringt das Stille in deinen Geist. Die Natur kann Gedanken in deinem Inneren hervorrufen. Es können Gedichte, Lyrik oder gewisse neue Ideen auftauchen, während menschliche Wesen mehr Gedanken in dir auslösen. Dieser Geist ist dauernd auf der Flucht. Um ihn zu beruhigen eignen sich Pranayamas, Naturbetrachtung, Bewusstsein über jeden Schritt, den du machst, weniger Nahrung zu dir zu nehmen und viel Wasser zu trinken. Guter Schlaf und Musik im Satsang sind ebenfalls gut.

F.: Lieber Guruji, ich bete zu dir, ich möchte heiraten. Du hast mir auch deinen Segen dafür gegeben.  Bitte sorge dafür, dass die Person, die ich laut deinen Anweisungen fragen soll, auch einverstanden ist. Ich habe mich unter deine Obhut begeben. Ich bete täglich zu dir. Wirst du meine geduldigen Gebete beantworten?
Sri Sri Ravi Shankar: Schau, wann immer wir beten, ist es notwendig, dass wir das Gebet mit folgendem Satz ergänzen: „Möge mein Wunsch erfüllt werden. Wenn es jedoch etwas Besseres für mich gibt, soll das in Erfüllung gehen.“
Wie willst du wissen, was das Beste für dein Wohlbefinden ist? Füge also immer diese Zeile deinem Gebet hinzu. Es wird nur das geschehen, was nötig und das Beste für dich ist. Erinnere dich immer an diese beiden Dinge. Es wird immer das Beste  für einen Devotee geschehen. Das bedeutet nicht, dass du jedermann abweisen sollst, der dir begegnet, weil du annimmst, jemand Besseres werde noch kommen. Auch das wäre falsch. Höre auf deine innere Stimme.

F.: Gurudev, oft geben wir die Tradition im Namen der Modernität auf. Zu anderen Zeiten wurde die moderne Technologie im Namen der Tradition nicht akzeptiert. Welches ist die richtige Mischung zwischen Tradition und Modernität?
Sri Sri Ravi Shankar: Viveka (Unterscheidungskraft, Anm. d. Ü.) sorgt für die richtige Mischung. Du benutzt deinen Intellekt, die Tradition ist wirksam und die Modernität ist ausschlaggebend. Wir müssen diese beiden Dinge zusammenbringen. In der Tradition gibt es zum Beispiel das ayurvedische System. Das ayurvedische System legt dir nahe, etwas Bestimmtes zu tun, weil es deinem Körper helfen wird. Das sollten wir dann anwenden. Wenn sich jedoch ein Notfall ereignet, solltest du auch einen Schulmediziner konsultieren. Du solltest dich nicht weigern, ins Krankenhaus zu gehen und sagen: „Ich gehe nur zu einem ayurvedischen Arzt.“ Wir müssen beide konsultieren. Es ist nicht notwendig, bei jedem Kopfschmerz Aspirin zu schlucken oder Antibiotika zu nehmen. Ayurveda bietet viele nutzbringende Dinge, die du verwenden solltest.

F.: Guruji, wann wird die in jeder Straße Delhis verbreitete Korruption enden?
Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du und ich ihr die Stirn bieten, wird sie weder in den Straßen noch in Delhi weiterbestehen. Ich setze mich schon dagegen ein, nun musst auch du deine Stimme erheben.

F.: Warum hat man Gott Tausende von Namen gegeben, die seinen physischen Aspekt beschreiben sollen, wenn  Gott doch Energie ist und gar keine Gestalt hat?
Sri Sri Ravi Shankar: Es gibt zwei Dinge, an die du dich erinnern solltest.
Das eine ist die Quantenphysik: Alles besteht aus Atomen, alles ist Wellenfunktion. Das andere ist die klassische Chemie: Jedes einzelne Ding hat nur einen bestimmten Effekt.
Wenn du zum Beispiel erkältet bist oder Halsschmerzen hast, kannst du nicht einfach irgendein Blatt verwenden. Du musst ein Tulsiblatt (Basilikum) benutzen, das eine Wirkung auf diesen Körperteil hat.
Wenn du Magenprobleme hast, wird nur die Bilvafrucht helfen. Bestimmte Pflanzen eignen sich für bestimmte Aspekte des Körpers. Auch bei den Tönen ist es so. Bestimmte Klänge unterstützen bestimmte Körperteile. Die Meister aus alten Zeiten wussten das. Unter den zahlreichen Formen sind bestimmte Formen dafür geeignet, eine ganz bestimmte Art von Energie in dir hervorzurufen.
Tatsächlich ist es nicht einmal so sehr die Form, die eine Rolle spielt, sondern ihr Name ist wichtig. Wenn du Om Namah Shivaya singst, schafft das eine besondere Energie. Wenn du Om Namo Narayana singst, ist es wieder eine andere bestimmte Energie. Da die Klänge verschieden sind, hat jeder Klang eine verschiedene Auswirkung, während sie in ihrer Ganzheit jedoch alle gleich sind. Jeder der Klänge wird dich anheben, sie sind aber qualitativ etwas unterschiedlich.
Es ist so, als würdest du in eine Eisdiele gehen und nach dem Unterschied zwischen Erdbeereis und Vanilleeis fragen. Es sind nur verschiedene Aromen, während die Substanz dieselbe ist. So haben die Menschen in der Vergangenheit einfach verschiedene Varianten geschaffen, um das Leben farbiger zu gestalten. Das ist alles. Es ist nicht notwendig, dich mit all den Formen auseinanderzusetzen. Irgendeine Form,  irgendein Name ist gut genug.

F.: Gurudev, ist es wahr, dass verschiedene Devatas in verschiedenen Körperteilen wohnen?
Sri Sri Ravi Shankar: Das ist richtig! Verschiedene Körperteile weisen verschiedene Energien auf.

F.: Guruji, wer ist ein Yogi?

Sri Sri Ravi Shankar: Einer, der kein Bhogi ist. Einer, der nicht dauernd  über die Dinge im Außen redet. Ein Yogi ist jemand, der im Sein ruht, der sich mit dem Selbst verbindet. Einer, der gelassen bleibt, was auch immer geschieht. Wenn schöne Dinge auftauchen, wird ein Yogi nicht allzu erregt werden und zum Himmel springen. Und wenn unangenehme Dinge sich ereignen, wird er nicht im Graben versinken. Er bleibt einfach gelassen. Ein Yogi ist auch jemand mit viel Geschick. Jemand, der sowohl in der Sprech- als auch in der Handlungsweise Fähigkeiten aufweist. Er weiß, wann er sich zurückziehen und ruhig sein muss und wann er sich in dynamische Aktivität begeben soll.

F.: Muss ich Angst haben, die Wahrheit zu sagen, vor allem dann, wenn sie sich gegen eine Person richtet, die ich sehr respektiere?
Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du jemanden respektierst, ist es nur natürlich, dass du die Wahrheit zu ihm sprichst. Reine Beweihräucherung und süßes Gerede haben mit Respekt nichts zu tun. Wahrheit bedeutet, dich mit Einfachheit und Natürlichkeit auszudrücken, was auch immer dir auf dem Herzen liegt. Nicht mit Arroganz, Ärger oder Aggression. Wenn du Zweifel hast, kannst du einfach fragen. Niemand wird nein zu dir sagen. Wenn du das aussprichst, was du als die Wahrheit betrachtest, musst du zuerst herausfinden, ob das, was du annimmst, auch wirklich der Wahrheit entspricht.

F.: Guruji, in alten Filmen kommen Indra oder seine Freunde und stören die Menschen beim Meditieren. Trotzdem konnten viele diese Hindernisse überwinden und wurden zu Kaisern des Himmels. Steht Indra für das Ego und seine Freunde für die Ebenen der Existenz?
Sri Sri Ravi Shankar: Indra ist das kollektive Bewusstsein, eines mit tausend Augen. Er hat überall Augen, am ganzen Körper. Indra steht für das kollektive Bewusstsein, für die Eindrücke oder für die Vorstellungen einer ganzen Stadt. Immer wenn ein Individuum sich hoch erhebt, wird das kollektive Bewusstsein gestört. Es kommt und versucht das Individuum zu beeinflussen. Wenn das Individuum stärker wird, wird sein Einfluss auf das kollektive Bewusstsein größer.

F.: Guruji, was ist der Unterschied zwischen Gefühlen und Intuition?

Sri Sri Ravi Shankar: Intuition ist ein sehr tiefes Gefühl, während Gefühle auch nur Emotionen sein können, die sich an der Oberfläche befinden.

F.: Guruji, gibt es bei erleuchteten Menschen auch eine zeitliche Begrenzung für ihren Zustand der Erleuchtung?

Sri Sri Ravi Shankar: Es gibt keine Garantie und keine garantierte Zeitspanne. Hast du einmal Rad fahren gelernt, wirst du es während deiner ganzen Lebenszeit beherrschen. Bist du einmal in deinem Sein angekommen, dann bleibt das auch so. Es ist das Ende der Geschichte.

F.: Guruji, wenn du hier bist, drehst du dich noch nicht einmal um, um uns zu sehen. Warum ist das so?

Sri Sri Ravi Shankar: Niemand kann meinem Blick entgehen. Wenn du mich anschaust, muss ich dich nicht anschauen. Ich sehe dich dann an, wenn du woandershin schaust.

F.: Guruji, wenn du Wissen vermittelst, kommt es mir so vor, als hätte ich es verstanden. Dann aber vergesse ich alles wieder. Wie kann ich gewährleisten, dass das Wissen integriert und verinnerlicht wurde, sodass es abrufbar ist, wann immer ich es brauche?

Sri Sri Ravi Shankar: Das geschieht schon. Das Wissen wird von selbst auftauchen, wenn es notwendig ist.

F.: Wenn ich im Ashram bin, fühle ich mich so glücklich. Wie kann ich das aufrechterhalten, wenn ich wieder weggehe?

Sri Sri Ravi Shankar: Du musst gut im Wissen gegründet sein. Geh´ weiterhin zu den Folgetreffen und beteilige dich an irgendeinem Sevaprojekt. All das wird helfen.

F.: Guruji, was ist Maya? Wie soll man es verstehen?

Sri Sri Ravi Shankar: Das, was sich ändert, was nicht anhält, was keine Bedeutung hat, ist Maya. Das, was sich in jedem Augenblick ändert, das, was du erfassen kannst, ist Maya. Das, was du nicht ermessen kannst, was sich nicht ändert, ist die Wahrheit.

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