Jedermann sollte sich zum Ziel setzen, Erleuchtung zu erlangen, im Sinne von: „Ich strebe nach vollkommener Freiheit.“

Montreal, Kanada, 12.10.2011

F.: Guruji, du hast früher einmal gesagt, der Kausalkörper müsse sich für seine Befreiung nach dem göttlichen Willen richten. Kümmert sich ein in deinem Leben gegenwärtiger Satguru darum? Für mich bist du das Göttliche.
Sri Sri Ravi Shankar: Weißt du, alle drei Körper sind davon betroffen; der feinstoffliche Körper, der Kausalkörper und der physische Körper. Das Ablegen des Kausalkörpers hat seine eigene Zeit. Darüber musst du dir keine Gedanken machen. Entspanne dich!

F.: Lieber Guruji, was geschieht mit dem Geist nach der Lebenszeit, in der die Erleuchtung stattgefunden hat? Da erleuchtete Seelen zurückgekommen sind, sieht es so aus, als würden sie sich noch immer irgendwo im Bewusstsein befinden. Kannst du das erläutern?
Sri Sri Ravi Shankar: Ja, es handelt sich um den feinstofflichen Körper, nicht um den Geist. Es gibt den Bereich des Geistes nicht mehr, aber der Kausalkörper kehrt zurück.

F.: Gibt es irgendwo hier im Universum einen Ort, den wir als Hölle bezeichnen könnten? Ist das Konzept der Hölle ein gültiges Konzept?
Sri Sri Ravi Shankar: Sie befindet sich genau hier! Schau, sie ist gerade in deinem Geist! Was geschieht, wenn du träumst? Woher stammen all die Dinge, die in deinem Traum auftauchen? Von irgendwo anders? Du träumst genau hier, wenn deine Augen geschlossen sind. Du befindest dich im Zug, der Zug ist plötzlich in einem Boot, das Boot verwandelt sich in ein Pferd. All diese Dinge geschehen, nicht wahr? Du sitzt auf einem Pferd und findest plötzlich heraus, dass es sich um einen Esel handelt, und wenn du denkst, es sei ein Esel, merkst du plötzlich, dass es ein Hund ist. Du stellst fest, dass diese ganzen Dinge genau hier geschehen. So befindet sich auch die Hölle in deinem eigenen Geist. Die Negativität, die Spannungen, der Stress, all diese Eindrücke erschaffen die Hölle genau hier. Mach´ dir keine Sorgen, es gibt keinen Ort, wo du gebraten wirst wie Kartoffelchips, sicherlich nicht! (Gelächter.) Noch nicht einmal im Himmel wird Frittiertes heutzutage noch verwendet, sie sind auch dort schon gesundheitsbewusster. Auch im Himmel und in der Hölle kümmert man sich um das Cholesterin, also verzichtet man auf frittierte menschliche Wesen.

F.: Lieber Guruji, fast die Hälfte des Kurses ist schon vorbei, und ich empfinde immer noch nicht viel von einer tiefen, inneren Stille. Ich befolge alle Instruktionen, eine Menge Seva mit eingeschlossen. Was kann ich in den wenigen verbleibenden Tagen noch tun? Bitte hilf mir.
Sri Sri Ravi Shankar: Entspanne dich einfach. Die Meditation sollte so sein, als würdest du auf einem Massagetisch liegen. Wenn du dir eine Massage geben lässt, reicht es, wenn du einfach nur auf dem Massagetisch liegst. Der Masseur kümmert sich um alles. So ist es auch, wenn du hier bist. Du setzt dich einfach hin und bist dir bewusst, dass die Meditation für dich getan wird. Das größte Problem besteht darin, dass du in der Meditation etwas tun willst. Es gibt einen Lehrer, es gibt jemanden, der dich anleitet, es gibt den Guru, und der Guru erledigt die Arbeit für dich. Du solltest das von Beginn an in deinem Kopf haben: Der Guru wird die Meditation vollbringen, nicht ich. Entspanne dich und beobachte, wie es geschieht. Verstehst du? Sonst ist es so, als würdest du auf dem Massagetisch liegen, herumzappeln, mit deinen Armen und Beinen herumfuchteln und  Trotzanfälle bekommen. Was würde ein Masseur in so einem Fall tun? Er würde sagen: „Komm, halte dich ruhig, bewege dich nicht.“ Stell´ dir vor, du machst eine Akupunkturbehandlung und verhältst dich nicht ruhig, bewegst dich überall auf dem Platz, stehst auf, rennst herum und legst dich wieder hin. Was kommt dabei heraus? Entspanne dich also einfach.

F.: Guruji, wenn ich hier mit dir meditiere, mache ich eine felsenfeste Erfahrung. Ansonsten aber geht es nur sehr langsam vorwärts. Kann ich diese Gnade mit nach Hause nehmen? Wie kann ich fühlen, dass du nach diesem Kurs bei mir bleibst?
Sri Sri Ravi Shankar: Deshalb komme ich immer wieder zurück, und deshalb bauen wir diese Halle. Komm´ immer wieder zurück, bis du es schaffst. Es ist ein allmähliches Wachstum, das schon vorhanden ist und weitergeht. Du solltest manchmal auch dann herkommen, wenn ich nicht da bin. Weißt du, manchmal können Orte und die Umgebung etwas ausmachen. Du solltest immer wieder hierher zurückkommen, um eine starke Grundlage für dich zu schaffen. Auch dann, wenn es hier gar keinen Kurs gibt. Das macht nichts. Wenn du das Gefühl hast, deine Energie sei tief oder unten, wenn sonst irgendetwas ist, oder du einfach nur einen kleinen Anstoß brauchst, kannst du einfach in den Montreal Ashram kommen und ein wenig Seva machen. Du kannst das Essen genießen und dann für einige Zeit dort ausruhen. Es gibt hier genügend Chalets und genügend Zimmer, wenn kein Kurs läuft. Du musst dich nicht in irgendeinem Hotel aufhalten, sondern zu einer solchen Zeit einfach herkommen. Auch wenn niemand hier ist, es wird immer ein paar Menschen geben, die hier wohnen, es wird immer etwas zu Essen, Wissen und Meditation geben.

F.: Lieber Guruji, wie kann ich nach dem göttlichen Willen leben? Mein Wille ist ziemlich stark und scheint den göttlichen Willen ziemlich oft zu überschatten. Bitte segne mich mit deiner Führung.
Sri Sri Ravi Shankar: Entspanne dich einfach. Wenn du hier bist, solltest du dich einfach entspannen und dir deiner Begierden und deiner Abneigungen bewusst werden. Du kannst beobachten, dass sie bereits zurückgehen, wenn du eine Zeit lang auf diesem Pfad bist. Sie gehen immer weiter zurück, geschieht das nicht bereits bei dir? Wie viele von euch haben das Gefühl, dass ihre Begierden und Abneigungen zurückgehen? So viele, das ist gut.

F.: Jai Guru Dev Guruji, wann und wie können wir feststellen, dass unser Bewusstsein sich erweitert?

Sri Sri Ravi Shankar: Es ist ein natürliches Phänomen, dass dein Bewusstsein sich immer dann erweitert, wenn du glücklich, entspannt und bewusst bist. Wenn du entspannt bist und schlafen gehst, dominiert natürlich die Trägheit. Wenn du aber bewusst und entspannt bist, wird sich das Bewusstsein ausdehnen. Und immer dann, wenn du dich hohl und leer fühlst, erweitert sich das Bewusstsein ebenfalls. Es ist offensichtlich. Es ist, als würdest du fragen: „Wie kann ich herausfinden, dass ich Schmerzen habe?“ Wenn du Schmerzen hast, weißt du das. Verstehst du?

F.: Liebster Guruji, kannst du ein wenig über Kundalini Shakti sprechen?

Sri Sri Ravi Shankar: Mit Kundalini ist einfach die Energie in deinem Körper gemeint. Nur wenn sie erweckt wurde, kann es Leben geben. Das geschieht schon in der allerersten Kriya, die du machst. Es muss nicht auf dramatische Art und Weise geschehen.
Es gibt drei Arten von Kundalini Shakti, die eine davon ist sattvisch. Durch sie wird die Kundalini Shakti auf völlig harmonische, sanfte Weise erweckt. Du weißt noch nicht einmal, dass sie erweckt wurde, sondern beginnst wie von alleine sehr glücklich, großzügig, weitherzig, aufgeschlossen, mitfühlend und intuitiv zu werden. All diese Dinge geschehen auf spontane Art und Weise.
Die zweite Art ist die rajasische, bei der die Erweckung ruckartig geschieht, und diese ganzen Dramen stattfinden. Es ist der rajasische Weg, bei dem eine Menge dramatische und intensive Erfahrungen durchlebt werden. Einen tamasischen Weg, um die Kundalini zu erwecken, gibt es nicht. Wenn überhaupt, betrachten manche Menschen diejenigen als tamasisch, die bestimmte Kräfte und schwarze Magie oder ähnliche Dinge einsetzen. Ich betrachte das jedoch überhaupt nicht als tamasische Kundalini, sondern als irgendwelche Geisteskräfte, die der Person bekannt sind. Sie beschwichtigen irgendwelche niedrigen Geistwesen und erhalten gewisse Kräfte von ihnen. Diese Menschen tanzen dann während einiger Tage, und brechen anschließend zusammen. Jage diesen sogenannten magischen Dingen und Wundern also nicht hinterher, denn viele von ihnen haben mit diesen niedrigen Geistwesen zu tun. Es sieht so aus, als würden sie etwas für dich tun, und später fühlst du dich elend. Die sattvische Kundalini ist also die harmonischste, beste Art der Kundalini, und sie wird bereits durch die Sudarshan Kriya erweckt. Ist es nicht so? Es kribbelt, und jede Zelle des Körpers erwacht. Erinnere dich an die allererste Sudarshan Kriya, die du gemacht hast. Alles wurde erweckt! Hattest du nicht eine Meditation voller Frieden? Hattest du nicht das Gefühl, nicht der Körper, sondern der Geist zu sein? Hattest du solche Erfahrungen? Alles geschieht bereits.

Wenn du keine Erfahrung mit der Kriya hast, besteht die ganze Zeit so viel Trägheit. Dann musst du auf dein Essen aufpassen. Du stopfst vermutlich als Erstes zu viel Essen in dich hinein. Oder du hast ein übersteigertes Verlangen nach Sex, sodass keine Energie mehr in deinem Körper bleibt, um noch andere Dinge zu erfahren. Ich sage dir, dann wird es nicht geschehen. Wenn jemand Tag und Nacht sehr, sehr beschäftigt ist, keinen guten Schlaf und nicht genügend Erholung gehabt hat, dann kann er auf keinen Fall Erfahrungen mit der  Kundalini Shakti machen. Das sind also einige der Kriterien, verstehst du? Wenn deine Energie erhalten bleibt, kannst du eine solche Erhebung erfahren. Wenn du außerdem gute Meditationen erlebst, müsstest du wissen, dass es bereits geschieht. Wenn du während der Meditation in deinem Inneren Ausdehnung, Ruhe und Gelassenheit wahrnehmen kannst, sind das Anzeichen der Kundalini Shakti.

F.: Guruji, du hast gesagt, die Meditation würde unseren Vorfahren helfen, und wir würden zuerst einmal unseren Vorfahren etwas geben oder ihre Schulden begleichen, wenn wir anfangen würden, zu meditieren. Kannst du das noch etwas ausführlicher erklären?

Sri Sri Ravi Shankar: Ja, schau, dein Körper ist –  genau wie dein genetischer Fingerabdruck – mit deinen Eltern oder deinen engsten Freunden verbunden. Hast du diese Erfahrung nicht schon gemacht? Jemand, der dir sehr nahe steht, hat ein Problem, und du beginnst, es in deinem Körper zu fühlen. Wie viele von euch haben diese Erfahrung schon gemacht? Auf der physischen Ebene bist du also verbunden, und noch subtiler verhält es sich mit deinem feinstofflichen Körper. Du bist mit deinen Vorfahren, mit deinen Eltern verbunden. Wie viele von euch träumen immer wieder von Menschen, die schon gestorben, die schon zur anderen Seite hinübergegangen sind? Dein Geist und dein Bewusstsein sind also miteinander verbunden. Es findet ein ständiger Energieaustausch statt. Jedesmal, wenn du meditierst, erzeugst du Energie, und diese Energie geht auch dorthin. Wenn du all diese Schulden beglichen hast, wirst du zum Mönch, zum Sannyasi. Der wirkliche Begriff des Mönches beinhaltet, dass alle Schulden bereinigt sind, dass alles geregelt ist. Der Mönch ist ganz frei. Das ist ein Zustand, den nicht jedermann erreichen muss. Du kannst einfach auf dem Weg weitergehen. Aber irgendeinmal, wenn du sehr alt wirst – der vedischen Terminologie entsprechend nach 75 – solltest du wenigstens so viel erreicht haben. Wenn du 75 Jahre alt wirst werden dir alle Schulden von allen Menschen erlassen, und du bist völlig frei. Du hast keine Begierden, keine Abneigungen, keine Mängel, keine Wünsche mehr. Du bist vollkommen zufrieden. Das ist der letzte Abschnitt des Lebens. Es ist gut, das zu erreichen und zu einer bestimmten Zeit sagen zu können: „Ich bin frei, ich habe alles getan.” Verstehst du, was ich sage? Es ist so, wie wenn du ein Darlehen aufnimmst und es zurückbezahlt hast. Was tust du, wenn du ein Darlehen für deine Ausbildung aufgenommen hast? Du zahlst die Schulden für deine Ausbildung allmählich zurück. Wenn du während einiger Zeit meditierst,  werden die Schulden derjenigen getilgt, die dir den Körper gegeben haben. Beachte all diese Dinge. Es ist nur für eine kurze Zeit.

F.: Liebster Guruji, letzte Nacht sagtest du, der feinstoffliche Körper sei auf einen physischen Körper angewiesen, um gereinigt zu werden, und dass wir mit Hilfe von beiden – der göttlichen Gnade und der Meditation – frei werden können. Wo geht der feinstoffliche Körper hin, nachdem wir frei geworden sind? Geht er zum größeren  Bewusstsein zurück und löst sich darin auf? Und wie verhält es sich mit erleuchteten Wesen an anderen Orten, auf anderen Planeten? Haben sie ebenfalls feinstoffliche Körper?

Sri Sri Ravi Shankar: Das ist richtig! Du kannst keinen Einfluss auf den feinstofflichen Körper nehmen, er nimmt automatisch die Gestalt an, die vom universellen Geist, vom universellen Bewusstsein vorgegeben ist.

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