Wenn du über die drei Gunas hinauswächst, verstärkt sich Sattva

29. August 2011

F.: Welches Mysterium verbirgt sich hinter dem Karma?

Sri Sri Ravi Shankar: Das, was du säst, wirst du ernten. Nicht wahr? Es gibt einen Reim (Shlok), wonach der rajasische Intellekt zwischen den Menschen unterscheidet, während der sattvische Intellekt alle Menschen gleich behandelt, weil er dieselbe Göttlichkeit in allen erkennt. Betrachte also diejenigen, an denen du hängst, und auch diejenigen, denen gegenüber du Feindschaft empfindest, als Manifestationen des Göttlichen, wenn während der Meditation der sattvische Intellekt erwacht. Es ist alles ohnehin nur ein Spiel. Dieselbe Göttlichkeit, die sich in verschiedenen Farben manifestiert, hat sich auch in mir als mich manifestiert.
Wie viele von euch haben das heute erfahren? (Viele in der Menge heben ihre Hände).

Sarva bhuteshu yena ekam bhavam avyayam ikshate avibhaktam vibhaktesu tat gyanam viddhi satvikam

Etwas ganz Besonderes ist derjenige, der in dem, was zu allen Zeiten nicht unterbrochen und nicht aufgeteilt ist, der in demselben unteilbaren Geist in verschiedenen Körpern, der in demselben unteilbaren Raum, der in zehn verschiedenen Schüsseln als getrennt erscheint, diese Einheit in der Vielfalt erkennen kann. Die Fähigkeit, diesen Zustand des Einsseins zu erfahren – wenn auch nur für eine kurze Weile in der Meditation – , erscheint während des sattvischen Bewusstseins, auch wenn man nicht für immer in diesem Zustand bleiben kann.

Ein rajasischer Geist fokussiert auf die Unterschiede zwischen allen Wesen/Individuen.

Ein tamasischer Intellekt ist einer, der auf einem Standpunkt beharrt, dem die Fähigkeit und die Bereitschaft fehlen, über die Dinge hinaus zu sehen. Ein Gedanke erscheint im Geist und bleibt dauerhaft verwurzelt. Kleinlichkeit und Engstirnigkeit sind die Folge. Jemand bildet sich zum Beispiel eine schlechte Meinung über eine Person, behandelt sie entsprechend und benutzt dann alle Möglichkeiten und Argumente, um dieses Benehmen oder diesen Standpunkt zu rechtfertigen. Du wirst überall viele Menschen mit einer solchen  tamasischen Geisteshaltung finden. Sie sind gefangen in ihren vorgefassten Meinungen. Sie halten starr an den Vorstellungen in ihrem Geist fest, Meditation, Yoga und andere solche Dinge seien nutzlos, alle Saadhus (Weisen) und Sanyaasis (Einsiedler) seien Hochstapler und Heuchler. Sie weigern sich, ihre Meinung zu ändern, selbst wenn der Beweis für das Gegenteil vorliegt. Das ist eine tamasische Haltung oder tamasisches Wissen.

Ich werde euch eine Geschichte erzählen. Mullah Nasruddin dachte, er sei tot. Er begann alles zurückzuweisen mit dem Argument, dass er tot sei. Wenn seine Frau etwas zu ihm sagte, antwortete er: „Wie soll ein toter Mann dir antworten?“ Wenn sie ihn bat, irgendeine Arbeit zu übernehmen, meinte er: „Wie kann ein toter Mann etwas tun?“ Irgendwann hatte seine Frau genug davon  und brachte ihn zu einem Psychiater. Nach einer langen Diskussion fragte der Psychiater Mullah, ob aus einem toten Kopf Blut herauskommen könne. Mullah antwortete: „Nein, das Blut wird zu Wasser.“ Also nahm der Psychiater eine Nadel und stach Mullah in die Hand, worauf Blut heraustrat. „Schau, Mullah, du blutest, also bist du lebendig!”, sagte der Psychiater. Mullah betrachtete das sickernde Blut und sagte: „Oh, heute habe ich etwas dazugelernt – sogar tote Menschen bluten!!“

Diese Art von Wissen ist tamasisch. Sattvisches Wissen ist entscheidend im Leben. Gott kann über das sattvische Wissen gefunden werden. Für das Leben auf der Erde ist auch etwas rajasisches Wissen (Urteilsvermögen) erforderlich. Tamasisches Wissen verstärkt die Sorgen, das Leid und die Unwissenheit.

F.: Guruji, oft träume ich von dir, mir und anderen. Wer ist im Traum der Beobachter?

Sri Sri Ravi Shankar: Das ist es, was du herausfinden musst. „Wer bin ich?“

F.: Negative Regungen wie Ärger, Sorgen und Reue tauchen spontan auf, während wir uns bewusst bemühen müssen, um positive Emotionen zu erwecken. Manchmal ist es sogar so, dass durch diese Bemühung negative Emotionen auftauchen. Warum geschieht das? Bitte zeige uns den Weg.

Sri Sri Ravi Shankar: Schau, diese negativen Emotionen kommen und gehen, wenn du sehr müde bist, wenn dein Prana tief ist, oder wenn du traurig und depressiv bist. Wenn das Niveau des Prana hoch ist, und du glücklich bist, erscheinen hingegen nur positive Emotionen. Negative Emotionen weisen also auf einen Mangel an Prana hin.

F.: Wenn alles aufgrund des Gesetzes von Karma geschieht, was spielt dann Gott für eine Rolle?

Sri Sri Ravi Shankar: Dieses Gesetz ist Gott. Das Gesetz, durch das alles geschieht, ist Gott.

F.: Guruji, wie können wir sattvisches Wissen im Leben erhöhen?

Sri Sri Ravi Shankar: Genauso, wie du es schon tust: Indem du durch Meditation über die drei Gunas (Sattva, Rajas und Tamas) hinausgehst. In der Meditation erreichen wir tiefe Ruhe und Frische; Reinheit, Frieden und Freude erwachen spontan. Freude erwacht, wenn du friedvoll und ausgeruht bist. Deshalb sagt man: Nistraye gunyo nitya satvastu: Wenn du über die drei Gunas hinauswächst, verstärkt sich Sattva. Auch gute Taten sollten keine Bindung hervorrufen. Lass´ alles los. Im Zustand tiefer Ruhe existiert keine der Gunas. Während des Schlafes dominiert Tamo Guna, während der Arbeit Rajo Guna, und wenn du nicht arbeitest und auch keinem Gedanken nachhängst, Sato Guna. Wenn du meditierst und dich in einem Zustand befindest, der frei von Gedanken ist, transzendierst du die drei Gunas. Und wenn du zurückkommst, kommt Sattva hoch. Übrigens ist Rajo Guna nützlich, wenn du dich von Tamo Guna befreien willst, indem du Frustration und Ärger weckst. Wenn Sato Guna stärker wird, beruhigt sich Rajo Guna.Und wenn du auch Sato Guna hinter dir lässt, wird Sattva erhöht.

F.: Guruji, kommt jemand, um uns zu begleiten, wenn wir sterben? Vor zwei Jahren ist mein Vater gestorben. Als er starb, sah es so aus, als würde er jemandem sagen: „Warte, ich komme.“ Wir sangen Jai Guru Dev und Om Namah Shivaya in sein Ohr, wenn er Schmerzen hatte, und er lachte wie ein Baby. Was war das?

Sri Sri Ravi Shankar: Zur Todeszeit begleitet das Göttliche die Seele mit Respekt und Ehre. Wenn jemand im Leben schlechte Taten begangen hat, bringt Yama Doot die Seele weg. Die Verbindung mit dem Erleuchteten bringt Ehre und Respekt.
Genauso wird der Ehrengast einer Veranstaltung respektvoll begrüßt, während eine nicht eingeladene Person hinausgeworfen wird. Die Behandlung die uns in der feinstofflichen Welt  zuteilwird, entspricht der Behandlung, die wir auf der diesseitigen Welt erhalten haben. Wenn wir also zufrieden Leben, werden wir respektvoll in die andere Welt begleitet.

F.: Kannst du uns eine verständliche Definition für den Geist geben? Ist der Geist Seele, Prana oder Nervensystem? Bitte erläutere das.

Sri Sri Ravi Shankar: Willst du es wissen? Warum willst du das wissen? Dieses „Wissen wollen“ ist der Geist. Hörst du zu? Die Fähigkeit, zuzuhören, ist der Geist. Das Bewusstsein hört durch das Ohr, sieht durch die Augen und riecht durch die Nase. Aus diesem Grund ist der Geist das, was die Welt über die Sinne erfährt. Ist es dir klar?

F.: Guruji, als wir gestern über Yantra, Tantra und Mantra gesprochen haben, hast du gesagt, Yantra sei die Technik. Chandraswami war ein sehr bekannter Tantriker. Es geschah einmal, dass Lord Ganesha überall in Indien Milch trank, und es gab einen Dharma Guru, der bekannt war für seine Fähigkeit, Shivalings auszuspucken. Um was für eine Art Tantratechnik handelt es sich hier? In den Dörfern gibt es Individuen, die allein durch ihre Rede bewirken können, dass das Haus von irgendjemandem niederbrennt oder dass eine Katastrophe sich ereignet. Was für eine Art Tantra ist das?

Sri Sri Ravi Shankar: Es gibt viele Arten von Tantras. Vaam tantra benutzt böse Geister und Gespenster, die das Ende von jemandem herbeiführen sollen. Diese Art von Tantra ist jedoch wirkungslos, wenn Reinheit (Saatvikta), Wissen und Hingabe (Bhakti) vorhanden sind. Ihr alle meditiert, macht Pranayamas und singt Mantren. Diese Art von Tantra wird in eurer Gegenwart wirkungslos bleiben. Solche Vorfälle wie Lord Ganesha, der Milch trinkt, sind Phänomene der feinstofflichen Welt. Irgendeine göttliche Energie demonstriert ihre Macht und ihren Einfluss, um Menschen zu wecken. Manche Tantriker, die kleine, unbedeutende Wunder vollbringen, müssen anschließend eine Menge Leid auf sich nehmen. Sie sind unfähig, glücklich zu bleiben. Solche Tantriker besitzen geringfügige okkulte Kräfte (Siddhis), indem sie Geister aus der Unterwelt (Karna Pishaachi – Ohrendämonen) besiegen. Das erlaubt ihnen, leichtgläubige Menschen dadurch zu beeindrucken, dass sie die Fähigkeit haben, ihre Gedanken und Sorgen zu lesen. Die Ratschläge, die solche Tantriker erteilen, sind im höchsten Grade ungenau und unzuverlässig. Wie viele von euch haben diese Erfahrung gemacht?

(Ein paar Leute im Publikum heben die Hand.)

Einige Tantriker können deine Vergangenheit genau beschreiben, sind aber unfähig, die Zukunft korrekt vorauszusagen, und nur zehn bis zwanzig Prozent von dem was sie sagen trifft zu.

Ich rate euch, euch zu entfernen, wenn ihr auf so etwas trefft. Lasst euch nicht in eine solche Sache verwickeln.

Vor fünfundzwanzig oder dreißig Jahren gab es einen Mann in West Delhi, der den Leuten erzählte, sie sollten auf ein leeres Blatt Papier blasen, es in Wasser eintauchen und wieder herausnehmen. Dann würde etwas darauf stehen, normalerweise Fragen und Sorgen, die in ihrem Geist vorhanden waren. Jemand aus dem Satsang schlug vor, dass auch ich ihn treffen sollte. Also ging ich hin. Er bat mich, auf ein leeres Blatt Papier zu blasen, das er dann ins Wasser tauchte. Als er es aber wieder herausholte, war das Papier immer noch leer!! Der Mann war perplex, fiel zu meinen Füßen und begann, Aarti zu zelebrieren. Ich sagte ihm: „Benutze diese okkulte Kraft (Siddhi) nicht, um Menschen zu täuschen. Inspiriere sie stattdessen, dem Pfad der Güte und der Tugend zu folgen. Rate jedermann, zu meditieren, Bhajans zu singen und Seva zu machen. Wenn andere von deiner Kraft profitieren können, solltest du sie auf jeden Fall nutzen.“

Diese Kräfte können weder als gut noch als schlecht bezeichnet werden. Es gehört alles zum göttlichen Spiel. Verdamme nichts – das ist mein Grundsatz. Lasse dich nicht zu tief in diese Angelegenheiten verwickeln. Wenn du dir dabei Wissen aneignen oder Segnungen empfangen kannst, tue es und gehe weiter.


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