Jedermann sollte mindestens 3% seines Verdienstes für soziale Projekte spenden. Wir müssen teilen.

Oslo, 9. August 2011

Wir müssen von allen Menschen lernen. Wahrnehmung sollte multidirektional sein. Eine einseitige Wahrnehmung erlaubt uns nicht, eine Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, was zu einem größeren Verständnis führen könnte.

Warum sollen wir nicht eine Übung zusammen machen?! Wir können uns an die Person neben uns wenden, sie grüßen und sagen: „Ich gehöre zu dir.“ Können wir das jetzt tun?

Jetzt würde ich euch gerne eine Frage stellen! Wenn ihr solche Nettigkeiten austauscht, habt ihr es wirklich vom Herzen aus getan oder war es nur ein Lippenbekenntnis? Ihr müsst es nicht der Person neben euch erklären, ich möchte nur, dass ihr darüber nachdenkt.

Weißt du, wenn du das Flugzeug verlässt, wirst du von der Flugbegleiterin verabschiedet, und sie wünscht dir einen schönen Tag. Sie meint es aber nicht wirklich. Wenn solche Worte aber von jemandem kommen, der dir nahesteht, bringen sie eine gewisse Energie, Liebe und Schwingung mit sich. Du wirst es bemerken, und das ist es, was heutzutage notwendig wäre. Wir müssen ein Feld von Liebe und Energie erschaffen, das die Menschheit anheben kann! Wir müssen nicht auf eine Katastrophe warten, bis wir damit beginnen. Wenn eine Katastrophe geschieht, werden wir es mit Sicherheit tun. Haben wir das nicht hier in Oslo gesehen? Was geschah nach der Katastrophe? Jedermann kam auf die Straße, jedermann trug eine Rose und zeigte seine wahren Gefühle. Hier handelt es sich nicht nur um Höflichkeit, das Gefühl war eine Reaktion auf das Ereignis. Es waren keine leeren Worte, es war auch nicht reine Sympathiekundgebung, sondern echtes Mitgefühl und echtes Gefühl von Anteilnahme.
Jeder Mensch ist mit diesen Qualitäten ausgestattet. Als Kinder wurden wir alle mit dieser Liebe im Herzen geboren. Später – als wir heranwuchsen – wurde sie irgendwie blockiert und konnte nicht mehr ausgedrückt werden.

Ich sage, dass sie blockiert wurde, weil weder die Gesellschaft alleine noch du alleine für den blockierten Ausdruck verantwortlich sind, sondern alles zusammen. Ein Teil davon hat mit der Gesellschaft zu tun, und ein Teil davon ist auf unsere eigene Unwissenheit zurückzuführen. Was aber können wir tun, um dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu verbessern? Darüber müssen wir nachdenken. Wir können keine weiteren Katastrophen auf dieser Welt gebrauchen. Wenn so etwas  weit von uns entfernt geschieht, lesen wir nur in der Zeitung darüber und lehnen uns zurück. So war es, als Katastrophen in Mumbai und in Kairo stattfanden. In Pakistan gibt es täglich irgendeinen Bombenanschlag, bei dem vierzig bis fünfzig Menschen getötet werden. Wenn so etwas jedoch im eigenen Hinterhof geschieht, rüttelt es uns einfach auf. Dank der Medien und dem Internet können wir erfahren, was in den verschiedenen Teilen der Welt geschieht und wirklich daran teilnehmen.

Es ist Zeit, dass wir unsere Jugendlichen und unsere Kinder dazu ermuntern, über ihre eigene Identität hinauszuschauen. Es spielt keine Rolle, ob du Christ, Muslim, Hindu oder Buddhist bist! Schau über deine Identität hinaus; du bist ein wundervolles, wundervolles menschliches Wesen. Wir müssen unseren Jugendlichen dieses Bewusstsein bringen. Seid ihr nicht mit mir einverstanden? Wie viele sind sich mit mir einig?

Kürzlich, am 2./3. Juli, haben wir das World Culture Festival durchgeführt. Menschen aus 150 Ländern haben sich in Berlin versammelt. Es war der kälteste Sommer seit jeher. Es hat geregnet, aber das hat die Menschen nicht gestört, weil ihre Gesinnung auf Feiern eingestellt war, als sie kamen. Und ich sage euch, es ist möglich, unser Leben zu einer Feier werden zu lassen, wenn wir das Verständnis dafür haben und wenn wir eine Ausdrucksmöglichkeit haben, die andere verstehen können. Oft äußern wir uns, ohne zu überprüfen, ob die andere Person uns überhaupt versteht. Das Ziel unseres Lebens ist, füreinander zu sorgen, miteinander zu teilen und die Gegenwart zu feiern. Wenn vor einem Jahrzehnt jemand über Liebe hätte sprechen wollen, so hätten die Leute gesagt: „Das ist nichts Normales, nur so eine Art poetische Sprache. Es ist in Ordnung, aber es ist nicht die Geschäftssprache. Es ist nicht das, was die Gesellschaft hören oder worüber sie sprechen möchte. Es ist eine private Angelegenheit!“

Liebe wurde als etwas Privates betrachtet, das nur den Ehemann und die Ehefrau anging. Sie wurde immer mit einer Beziehung oder dem Fehlen einer Beziehung in Zusammenhang gebracht. Heute wird jedoch öffentlich darüber gesprochen, und wenn Katastrophen sich ereignen, treten die Menschen hervor und sprechen über die Liebe. Das zeigt die Weiterentwicklung an, die in unserer eigenen Gesellschaft, hier in diesem Land stattgefunden hat. Ich denke, dass die Welt nun diese Sprache sprechen sollte! Diese Botschaft ist von Norwegen aus in der ganzen Welt verbreitet worden. Wir sprechen sogar anlässlich von Katastrophen über die Liebe, und das ist es, was wir heute brauchen. Nicht: „Wie du mir, so ich dir“, sondern Heilung durch Liebe, Heilung durch Weisheit.

Selbst wenn nur ein kleiner Prozentsatz der Jugendlichen auf diesem Planeten denkt, die anderen seien eine Bedrohung für sie, ist die Welt kein sicherer Ort. Was also müssen wir tun, damit die Welt sicher sein kann? Alle unsere Jugendlichen l auf der ganzen Welt müssen eine multireligiöse, multikulturelle Erziehung erhalten.

Als ich aufwuchs, war Gewaltlosigkeit ein Grund, um stolz zu sein. Wenn jemand in unserem Klassenzimmer sich aufregte oder aggressiv wurde, sahen die anderen auf ihn herab. Alle meine Lehrer folgten Mahatma Gandhi, und zu jener Zeit war die Bewegung, die sich für die Gewaltlosigkeit einsetzte, immer noch frisch in Indien, und man zollte ihr großen Respekt. So wurde jeder, der seinen Gleichmut verlor, als nicht genügend reif betrachtet. Mit der Zeit änderte sich das, und sowohl Aggression als auch Gewalt wurden zu einem Grund, um stolz zu sein. Der Held im Klassenzimmer ist nun derjenige, der sich sehr aggressiv verhält, und nicht mehr derjenige, der Gewaltlosigkeit leben möchte. Diese Veränderung hat in den letzten paar Jahren stattgefunden. Wir müssen das Rad zurückdrehen, Gewaltlosigkeit wieder ehren und Mitgefühl schätzen. Denkt ihr das nicht auch? Das ist es also, was wir tun müssen.

Wenn die Jugendlichen mit diesen menschlichen Werten – Gewaltlosigkeit, Mitgefühl, Dienst für andere, Zusammengehörigkeitsgefühl – aufwachsen und einander ehren würden, wäre die Welt ein wunderbarer Ort. Sie würde zu einer Familie werden. Mit diesem Traum – der Welt die Erkenntnis zu bringen, dass wir alle einer menschlichen Familie angehören – haben wir The Art of Living begonnen. Es gibt zwar verschiedene Sprachen, verschiedene Kulturen, verschiedene Rassen, verschiedene Religionen und Glaubensgemeinschaften, aber nichtsdestotrotz sind wir eine Familie.

Betrachte das Leben aus einer breiteren Perspektive. Wenn in den siebzig oder achtzig Jahren unseres Lebens auf diesem Planeten nicht genügend Zeit bleibt, um unsere Liebe auszudrücken, woher sollen wir dann die Zeit nehmen, um zu hassen? Dieser Blickwinkel sollte in unserem Leben zur Realität werden, was eine multireligiöse, multikulturelle Erziehung für unsere Jugendlichen voraussetzt. Auch sollte mehr gefeiert werden.

Das ist es genau, was wir brauchen: Ausstrahlung! Wir sind eine menschliche Familie, die aus so vielen verschiedenen Kulturen, Traditionen und Hintergründen besteht, aber wir gehören alle zueinander! Innerer Friede ist entscheidend. Jedes Kind sollte etwas über inneren Frieden lernen und auch darüber, wie es sich von Stress und falschem Verständnis befreien kann. Ich würde auch hier wieder sagen: In jedem Täter gibt es ein Opfer, das um Hilfe schreit. Wir müssen diesem Opfer helfen. Hilf dem Schuldigen und heile das Opfer! Das können wir mit Hilfe der Meditation tun.

Meditation ist die Reise im Inneren, die deinen Geist ruhig und glücklich werden lässt, frei von jeglichem Stress. Dadurch fühlst du diese Energie, nach der du immer gesucht hast.

Bei der Meditation gibt es drei goldene Regeln, die befolgt werden müssen.

Erste Regel: Während der nächsten zehn Minuten will ich nichts. Kannst du sagen, dass du während der nächsten zehn Minuten nichts willst? Gut. Danach kannst du dir wieder alles wünschen. Du kannst deine Wünsche behalten, nur während dieser zehn Minuten musst du sagen, dass du nichts willst. Ist das möglich?

Zweite Regel: Ich tue nichts während der nächsten zehn Minuten. Meditation ist nicht mit einer Anstrengung verbunden, es ist eine mühelose Angelegenheit. Du lässt los, entspannst dich und tust nichts.

Dritte Regel: Ich bin nichts.

Wenn ich glaube, sehr intelligent zu sein, kann ich nicht meditieren. Wenn ich mich als sehr dumm betrachte, gilt dasselbe. Wenn ich mich als sehr reich etikettiere, funktioniert die Meditation auf keinen Fall. Dasselbe gilt, wenn ich denke, ich sei sehr arm. Wenn ich glaube, sehr heilig zu sein, kann ich es vergessen; ich werde nicht meditieren können. Und wenn ich denke, ich sei überhaupt nicht heilig, sondern der größte Sünder, ist es auch unmöglich, zu meditieren. Die dritte Regel ist also noch wichtiger als die anderen: Ich bin nichts.

Ich will nichts, ich tue nichts, ich bin nichts.

Mit Hilfe dieser drei goldenen Prinzipien kannst du zur Quelle des Geistes gelangen, zur Quelle unserer Energie, zum Bewusstsein, das wir sind.

F.: Ich finde es fantastisch, und es berührt mich, dass du beschlossen hast, zu kommen und hier bei uns zu sein. Das war eine sehr schwierige Zeit in unserem Leben. Meine Frage ist: Welches ist die beste Möglichkeit, an einem Tag weiterzumachen, an dem du aufwachst und feststellst, dass die Gesellschaft sich auf schmerzliche Weise verändert hat, so, wie du es niemals erwartet hättest?

Sri Sri Ravi Shankar: Weißt du, in der Gesellschaft gibt es die verschiedensten Arten von Menschen. Wir sollten die Gesellschaft nicht als irgendetwas abstempeln. Du hast jetzt gesehen, die Demonstration von Liebe war ganz offensichtlich. Nicht, dass es sie vorher nicht auch schon gegeben hätte, aber sie befand sich im Hintergrund. Wir können eine Gesellschaft nicht als gut oder als schlecht oder als nicht gut abstempeln. Wir müssen einfach herausfinden, was wir tun können, um unsere Umgebung zu verbessern; was wir selbst dazu beitragen können, anstatt zu erwarten, dass die anderen etwas für uns tun. Ich habe das Gefühl, das wäre für den Anfang eine gute Haltung, in Ordnung? Als ich über die Katastrophe hier gehört hatte, sagte ich mir, dass ich nach Oslo kommen müsste. Innerhalb von einer Woche sagte ich meine anderen Veranstaltungen ab, denn ich war während dieser Woche schon verplant. Ich beschloss, es irgendwie zu schaffen, wenigstens für eine kurze Reise. Es ist gut, dass wir alle binnen Wochenfrist zusammenkommen konnten, um zu meditieren. Selbst diese zwanzig Minuten, während denen wir meditiert haben, reichen schon aus, um eine Menge positiver Schwingungen hier zu erschaffen. Das ist wirklich anerkennenswert.

F.: Danke, His Holiness, dass du hier bist, auch wenn Kummer und Gier um uns herum vorhanden sind. Du bist hier wie ein kleines, funkelndes Licht, das gekommen ist, um uns zu heilen. Ich habe zwei Fragen an dich. Erstens: Was können wir von so einem Ereignis lernen und wie sollen wir weitermachen? Zweitens: Diese innere Wissenschaft der Meditation ist sehr bekannt geworden, die Neurowissenschaft der Meditation beginnt zu wachsen und in den sogenannten materiell wohlhabenderen Teil der Welt vorzudringen. Den neuesten Statistiken zufolge meditieren in den US zum Beispiel mehr als 7 Prozent der Bevölkerung. Andere Regionen sind friedlich, sodass dass es sich meiner Meinung nach dort langsam verbreiten wird. Meine Sorge ist, dass das Gefälle zwischen armen und reichen Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern der Welt schnell größer wird. Wie können wir den Institutionen dieser Länder Weisheit bringen?

Sri Sri Ravi Shankar: Ja, das ist eine wichtige Frage! Wie können wir Weisheit dorthin bringen, wo es ein Gefälle zwischen arm und reich gibt? Weißt du, es gibt nicht nur eine Lösung, es könnte mehrere geben. Wie müssen diese Frage alsoam Leben erhalten. Von Zeit zu Zeit werden wir verschiedene Ideen haben und wir müssen diejenigen umsetzen, die wir als die besten betrachten. Zuallererst sollten diejenigen, die genug haben, einen Geist oder eine Haltung des Dienens, des Teilens einnehmen. Ich würde erwarten, dass jedermann mindestens 3% seines Verdienstes für soziale Projekte oder für einen guten Zweck spendet. Wir müssen teilen. Die armen Leute sollten lernen, wie man Unternehmer werden kann. Sie sollten selbständig werden und nicht erwarten, dass andere die ganze Zeit für sie sorgen. Sie sollten innovativ sein, hart arbeiten und versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen. Drittens: In solchen Situationen, in solchen Momenten sind innere Stärke und innerer Frieden gefragt. So viele Menschen wie möglich sollten lernen zu meditieren, nicht wahr? Hebt eure Hand, wenn ihr mit mir einverstanden seid. Jetzt ist die Zeit, es jedermann beizubringen, denn sonst könnten Ärger, Frustration und Angst hochkommen. All diese negativen Emotionen kommen in uns hoch, wenn wir Zeuge eines unangenehmen Ereignisses geworden sind. Um also dieses Unerfreuliche zu bekämpfen, müssen wir uns ausrüsten. Die Ausrüstung besteht aus Meditation und Atemübungen. Ich habe deshalb alle meine Lehrer hier ausgeschickt, um Kurse für Traumabewältigung und Meditation in ganz Norwegen durchzuführen. Wann immer Menschen kommen und während ein paar Stunden oder für zwei oder drei Tage bleiben wollen, sollten wir ihnen einige Atemübungen und etwas Meditation beibringen und ihnen helfen, sich wieder zurechtzufinden. Genau das haben wir in New York nach dem 11. September getan, und so lernten Tausende von Menschen zu meditieren. Wir würden hier gerne dasselbe tun.

F.: Es ist eine Ehre, die Möglichkeit zu haben, dir eine Frage zu stellen. Ist es möglich, innerhalb des heute bestehenden Währungssystems Arbeit zu erschaffen, die fair und dennoch gewinnorientiert ist?

Sri Sri Ravi Shankar: Meine Antwort ist ja! Ethik und Geschäftssinn können nebeneinander bestehen. Mitgefühl und Zweckdienlichkeit können Hand in Hand gehen.

F.: Es war eine wunderbare Erfahrung, heute hier zu sein. Menschen treffen sich ohne Liebe, weil eine Situation das verlangt. Zu diesem Zeitpunkt verlierst du den menschlichen Faktor, denn du kannst – weil keine wirkliche Kommunikation besteht – nicht über echte Dinge sprechen. Menschen, die mich meditieren sehen, denken, ich sei zu religiös. Wie soll man mit solchen Vorurteilen umgehen? Und wie kann man sich mit Menschen befassen und den Geist der Liebe und der Kommunikation bewahren?

Sri Sri Ravi Shankar: Ja! Weißt du, vor zwanzig Jahren gab es so viel mehr Vorurteile. Und vor dreißig Jahren, als ich  mit The Art of Living begann, sogar noch mehr. Die Menschen dachten, jemand wäre verrückt, wenn er meditierte. Dass nur Menschen, mit deren Geist etwas nicht stimmte, so etwas täten, aber keine normalen Menschen. Die Vorstellung war, dass Yoga nichts für normale Menschen wäre. Heutzutage findet man das Thema Entspannung bei der Werbung von Daimler Chrysler oder bei der Werbung vieler Topunternehmen. Man sieht Menschen, die in der Lotusposition oder in anderen Yogastellungen sitzen. HSBC Banken zeigen Entspannung, Meditation und Yoga in ihrer Werbung. Heutzutage hat sich die Sprache also verändert, und die Vorurteile sind zu einem großen Teil zurückgegangen. Es ist nicht mehr so, wie es war. Es gibt aber auch Menschen, die gegenüber allem, was neu ist, Widerstand leisten. Wir müssen deshalb weiter kommunizieren. Ich habe nie aufgehört, zu reisen und die Dinge zu verbreiten; ich habe es während der ganzen dreißig Jahre getan. Sonst hätte ich es schon vor langer Zeit aufgeben müssen. Ich hätte sagen können: Warum soll ich irgendwohin gehen, wenn Vorurteile existieren? Ich hätte zu Hause bleiben können, wo es genügend zu tun gab. Nein! Wir müssen unsere Arbeit weiterhin tun. Nun, wie können wir diesen inneren norwegischen Geist der Liebe aufrechterhalten, den wir jetzt alle erfahren haben? Indem wir weiterhin feiern und öfter multikulturelle Veranstaltungen durchführen. Und indem wir weiterhin mit den Menschen sprechen, mit ihnen kommunizieren. Das habe ich gemeint, als ich davon sprach, dass keine Katastrophe notwendig sei, um uns zu vereinigen. Während der Katastrophen vereinigen wir uns sowieso. Aber wir können das auch während angenehmen Zeiten tun. Das ist dann das, was ich als Feier, als Dialog bezeichne. Wir sollten das weiterhin anstreben! Ich bin ganz dafür.

F.: Es ist wunderbar, hier in deiner Gegenwart zu sein. Ich habe zwei Fragen an dich. Es geschehen ja täglich überall auf der Welt viele Katastrophen. Was hat dich veranlasst, nach Norwegen zu kommen? Zweite Frage: Was kann Norwegen durch diese Erfahrung beitragen, und was für Auswirkungen hat diese Erfahrung auf die Welt?

Sri Sri Ravi Shankar: Weißt, schon als ich sehr jung war, sagte ich, die Welt sei meine Familie. Ich kann mich nicht genau an das Alter erinnern, vielleicht war ich acht, neun oder zehn Jahre alt, als ich es sagte. Wenn also eine Katastrophe bei irgendeinem Teil meiner Familie geschieht, ist es meine Pflicht, hinzugehen, zu tun, was ich kann, den Ort zu besuchen. Es ist nicht nur meine Pflicht, sondern mein Bewusstsein erlaubt es mir nicht, irgendwo zu bleiben, wenn an einem anderen Ort ein Problem besteht. Ich war auch dort, als der Hurrikan Katrina in Amerika große Schäden anrichtete, oder beim Tsunami in Südasien. Normalerweise gehe ich überallhin. Mein Kommen ist nicht so wichtig, aber ich möchte, dass die Menschen beginnen, Traumabewältigungsworkshops, Meditationsworkshops oder Heilungsworkshops durchzuführen. Das muss geschehen. Es ist wichtig, dass ich unsere ehrenamtlichen Helfer und Lehrer dazu inspiriere, damit fortzufahren. Deine zweite Frage war: Was haben die Norweger die Welt gelehrt, und was können wir daraus lernen? Zuerst einmal ist es erstaunlich, dass so etwas in Norwegen geschehen kann. Niemand konnte sich das in seinen wildesten Träumen vorstellen. Es geschieht sehr oft in Indien oder in Pakistan, in Palästina,überall im Mittleren Osten. Aber dass es auch in einem friedlichen Staat wie Norwegen geschehen konnte, bedeutet, dass wir unseren Jugendlichen auf der ganzen Welt mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Wir können nicht davon ausgehen, dass die Jugendlichen in manchen Teilen der Welt gebildet sind und in anderen nicht. Schlecht ausgebildete Jugendliche kann es überall in der Welt geben. Die Welt wird erst dann ein sicherer Ort sein können, wenn wir die Erziehung zu Gewaltlosigkeit und zu Mitgefühl direkt im Erziehungssystem integrieren. Das ist es, was Norwegen die ganze Welt lehren kann, dass sie  den Frieden nicht als selbstverständlich ansehen darf. Überall in der Gesellschaft könnten  irgendwelche verrückte Elemente auftauchen. Es gibt eine Impfung gegen diese verrückten Elemente: Sie besteht in einer multikulturellen, multireligiösen Erziehung. Dadurch kann verhindert werden, dass die Elemente sich ausbreiten.

Das ist es, was Norwegen der ganzen Welt vermitteln kann. Die Art, wie die norwegische Presse und die Gesellschaft mit der Sache umgegangen sind, ist ein schönes Beispiel, nicht in eine Sündenbock-Kultur zu verfallen. Es entstand sofort eine Liebeskultur, die Menschen gingen mit Rosen auf die öffentlichen Plätze und waren nicht einfach ärgerlich über irgendjemanden, über die Regierung oder die Polizei. Es wurde verstanden, dass Liebe und Mitgefühl mehr Kraft besitzen als Hass.

F.: Ich glaube stark an den Wert der Familie. Die heutigen Umstände führen dazu, dass auch einige der tolerantesten Gesellschaften beginnen, Intoleranz zu zeigen. Wir hören schlechte Nachrichten von überall in der Welt. Welche Werte sollten wir unseren Kindern zu Hause beibringen?

Sri Sri Ravi Shankar: Wie ich schon sagte: Gewaltlosigkeit, Mitgefühl, Zusammengehörigkeitsgefühl und die Fähigkeit, mit Unterschieden und Uneinigkeit leben zu können. Weißt du, wenn Uneinigkeit besteht, versuchst du davonzulaufen. Nein! Du solltest dabei bleiben; du kennst diese wichtige Lektion. Wichtig ist auch die Fähigkeit, zu kritisieren und Kritik entgegenzunehmen. Das sind die Werte, die wir weitergeben sollten. Art of Living Kurse haben das Ziel, den Jugendlichen diese Werte zu bringen. Wir haben diesen wunderbaren Yes+ Kurs (Youth Empowerment Seminar). Du solltest dir die Erfahrungen der Jugendlichen anhören, nachdem sie den Kurs beendet haben. Es berührt wirklich das Herz.

F.: Danke, dass du heute hierhergekommen bist. Ich schätze es sehr, und soviel ich weiß, tun wir das alle. Ich möchte ein wenig über Fantasie sprechen. Jemand hat gesagt, dass man nicht völlig glücklich sein könne, wenn eine andere Person unglücklich sei. Ich denke, es war ein Gedicht aus England – von Shirley.

Sri Sri Ravi Shankar: Fantasie ist die Mutter der Kreativität. Wenn du kreativ sein willst, musst du dir zuerst einmal etwas vorstellen können. Zweitens darfst du nicht davon ausgehen, erst dann glücklich zu sein, wenn jedermann auf dieser Welt glücklich ist. Wenn ein Arzt sagt, er könne erst gesund sein, wenn alle anderen auch gesund seien, wer soll dann die anderen Menschen gesund machen? Stell‘ dir vor, der Arzt wird krank, was geschieht dann mit dem Patient? Wenn du die Menschen also glücklich machen willst, solltest du selbst glücklich sein. Wenn du selbst glücklich bist, kannst du auch andere glücklich machen. Es ist nicht umgekehrt. Deshalb kannst du nicht sagen, dass du nicht glücklich sein könnest, weil alle anderen unglücklich seien. Das würde dem Arzt entsprechen, der behauptet, nicht gesund sein zu können, weil alle anderen im Krankenhaus krank seien. Verstehst du das? Sei einfach glücklich und mache andere glücklich. Verbreite deine Zufriedenheit. Du kannst nur das verbreiten, was du besitzt. Wenn du glücklich bist, kannst du Glück verbreiten. Wie willst du anderen helfen können, wenn du selbst erregt, wütend, niedergeschlagen und unglücklich bist? Wie aber kannst du innere Zufriedenheit finden? Indem du tief in dein Inneres gehst, indem du meditierst. Schalte für einige Minuten ab und sei dir deiner Mitte bewusst, das ist so stabil und stark. Wunderschön! Wenn du in deine eigene Mitte gelangst, erreichst du die Quelle der Zufriedenheit. Wenn du wieder zurückkommst, kannst du diese Zufriedenheit unter allen anderen verbreiten. Darum geht es bei der Spiritualität: Diesem Geist Beachtung zu schenken, der die Quelle der Zufriedenheit, der Schönheit, des Friedens, der Liebe und der Freude ist, um danach zurückzukehren und es unter den Menschen überall um dich herum zu verbreiten.

F.: Ich bin mir bewusst, dass ich nach etwas suche, weiß aber nicht wonach.

Sri Sri Ravi Shankar: Ich mache dir einen einfachen Vorschlag. Nimm dir während vier Tagen täglich zwei Stunden frei, besuche einen der Art of Living Grundkurse und mache die Sudarshan Kriya. Wenn du mit der Sudarshan Kriya beginnst, wirst du feststellen, dass mehr Tiefe in dir vorhanden ist. Du wirst das erfahren können, und es ist eine wundervolle Erfahrung. Können diejenigen die Hand heben, die die Sudarshan Kriya schon gemacht haben? Stimmt es, was ich sage? Wie viele von euch pflichten mir bei, dass es eine wundervolle Erfahrung ist? Wie viele von euch denken, dass auch andere diese Erfahrung auf jeden Fall machen sollten? (Viele heben die Hand). Alle sollten es also erfahren, es ist eine so wunderbare Erfahrung für den Geist. Und wenn du es kennst, kannst du viel besser mit deinem Geist umgehen. Nimm dir also diese zwei Stunden täglich während vier Tagen; wir haben sehr gute, sehr qualifizierte Lehrer hier. Sie werden dich durch diese innere Reise führen. Gut! Wunderbar! Verbreitet weiterhin Frieden, Liebe und Freude, und ich bin bei euch. Ich lade euch alle ein, nach Indien zu kommen, wann immer es für euch günstig ist. Ich bin mir sicher, im Monat Februar würde es gut passen, wenn ihr euch nach etwas mehr Sonnenschein sehnt. Ihr seid also herzlich willkommen, im Januar, Februar oder März nach Indien zu kommen. Und wir gehören alle zueinander.

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