Du brauchst mir kein Geschenk zu bringen, du selbst bist ein Geschenk!

5. August 2011

F.: Liebster Guruji, wie kann man den Guru sowohl in der Gestalt als auch in der Gestaltlosigkeit fühlen, lieben und verehren?
Sri Sri Ravi Shankar: Weißt du, du kannst dir Liebe nicht aufzwingen. Liebe ist spontan, sie geschieht, entspanne dich einfach! Du kannst nicht versuchen, jemanden zu lieben oder nicht zu lieben. Es ist einfach ein spontanes Geschehen. Und erinnere dich daran: Liebe ist nicht nur eine Emotion, Liebe ist unsere Existenz.

F.: Als ich im Zustand des Zweifels war, konnte ich dir jede Frage stellen. Seit ich Vertrauen in dich habe, ist es sehr schwierig geworden, dich etwas zu fragen, oder besser, dich mit meinen Fragen zu konfrontieren, da Angst und Respekt mich daran hindern. Wie kann ich die Situation angehen?
Sri Sri Ravi Shankar: Sei einfach natürlich und stell’ jede Frage, die du stellen möchtest. Fragen sind ohnehin alle töricht. Das macht mir nichts aus, und ich weiß, dass es dir auch nichts ausmacht, solange die Antworten nicht töricht sind. Und von hier aus kann ich dir mit Sicherheit keine törichten Antworten geben. Es ist nichts als intellektuelle Stimulation, das ist alles. Fragen und Antworten sind intellektuelle Stimulation. Musik ist emotionale Stimulation. Stille ist Stimulation des Geistes, der Seele. Wir brauchen das alles in unserem Leben. Und körperliche Übungen sind physische Stimulation. Deshalb machst du Yoga oder andere Übungen. Seva ist Stimulation der Aktivität. Seva ist eine Aktivität, die du vollbringst, ohne etwas dafür zu erwarten.
Du brauchst das also alles: Physische Stimulation durch körperliche Übungen, intellektuelle Stimulation durch Wissen und Gespräche, emotionale Stimulation durch Musik und Stimulation des Geistes durch stille Meditation.

F.: Guruji, was sind die charakteristischen Merkmale der leidenschaftslosen Sehnsucht?
Sri Sri Ravi Shankar: Wenn die Sehnsucht nicht trocken ist, und die Leidenschaftslosigkeit nicht zu Ärger oder Hass wird. Weißt du, wenn du nur Sehnsucht hast, kann sie sich in Ärger oder Hass verwandeln. Und wenn nur Leidenschaftslosigkeit vorhanden ist, kann sie dumpf und langweilig oder sogar zu einer Depression werden. Wenn Sehnsucht und Leidenschaftslosigkeit jedoch zusammenkommen, wird alles so interessant, so vollkommen und so lebendig.

F.: Guruji, können wir Intention als nicht manifestiertes Karma bezeichnen? Wenn es doch Karma ist, sollte es eine Bindung erzeugen. Bitte erläutere den Zusammenhang zwischen Intention und Karma, und sprich über die Bindung, die sie möglicherweise erschaffen.
Sri Sri Ravi Shankar:
Schau, Karma, das nicht in Zusammenhang mit persönlichem Gewinn, sondern in Zusammenhang mit etwas Gutem entstanden ist, mit etwas , das die Interessen der Gesellschaft unterstützt und der Menschheit förderlich ist, wird nicht zu Karma. Deshalb wird diese Art von Karma Yagna genannt. „Nyatra loko yam karma-bandhana“: Anderes Karma erzeugt Bindung. Nicht jedoch Karma, das durch Verbesserung der Gesellschaft oder durch den Dienst am Göttlichen – Yagna genannt –  entstanden ist.

F.: Lieber Guruji, wie kann ich mehr Bescheidenheit und Akzeptanz erreichen? Ich bin als arrogant, unhöflich und aufbrausend bekannt.
Sri Sri Ravi Shankar: Du bist am richtigen Ort. Mach‘ den Schweigekurs einige Male. Zwei oder drei Schweigekurse werden es auflösen. Und urteile nicht allzu sehr über dich selbst. Manchmal urteilen wir zu hart über uns selbst. Entweder du urteilst über andere und wirst wütend auf sie, oder du urteilst über dich selbst, und regst dich über dich selbst auf. Es ist besser, das nicht zu tun. Diese beiden Handlungsweisen scheinen verschieden zu sein, sind aber gleich. Wir beschuldigen entweder die anderen oder uns selbst. Selbstbeschuldigung ist genauso schlecht, wie andere zu beschuldigen. Darum geht es in diesem Wissen. Es bringt dich von einer Kultur der Beschuldigung zu einer Kultur der Freude. Du bist glücklich und machst andere glücklich. Und wenn du glücklich bist, wird jeder, der mit dir in Kontakt kommt, ebenfalls glücklich. Hast du schon Menschen an deinem Arbeitsplatz erlebt, die sehr enthusiastisch sind? Sie sind immer bereit zu sagen: „Komm, wir schaffen das, lasst es uns tun, es wird geschehen.“  Sie sind sehr positiv und enthusiastisch, und selbst wenn es Probleme gibt, sagen sie: „Gut, wir kommen damit klar!“ Sie machen sogar dann noch Witze. Andere regen sich selbst in den besten Situationen auf und ärgern sich. Sie sagen: „Alles ist gut gegangen, aber wie wird es weitergehen? Eines Tages wird alles vorbei sein. Und dann?“
Warum bist du nicht wenigstens an diesem einen Tag glücklich, was immer du tust? „Es ist alles nur eine Show für einen Tag, was soll das bringen?“ Diese Art von armseligem Pessimismus unterstützt das Leben nicht. Es unterstützt auch niemanden um dich herum. Depression ist kein Kennzeichen für das Leben. Kennzeichen dafür sind: Feiern und das Leben anheben. Du solltest dich daran erinnern. Wann immer du dazu neigst, in den negativen Zyklus zu geraten, sollte es dir sofort in den Sinn kommen: „Oh, Guruji hat darüber gesprochen, ich werde am „Schalter drehen“, ich werde den „Modus“ ändern. So, wie du es auch bei deinem Handy tust, wenn von SMS zu E-Mail oder zum Telefonieren wechselst. Es sollte dir möglich sein, umzustellen, du hast die Fähigkeiten dazu.

F.: Lieber Guruji, was für eine Art Menschen magst du um dich herum haben? Kann ich einer dieser Menschen werden?
Sri Sri Ravi Shankar: Ja, ja. Ich mag alle Arten von Menschen um mich herum. Ich habe eine Sammlung von allen. Eine Sammlung aller Exemplare, einer von jeder Art. Ich liebe die Vielfalt, du bist also willkommen.

F.: Liebster Guruji, aufgrund meiner sehr strengen Erziehung bin ich extrem scheu und steif. Wie kann ich ausdrucksfähiger und liebevoller werden?
Sri Sri Ravi Shankar: Gut, willst du dich wirklich ändern? Beginne sofort damit. Als Erstes solltest du die Etikette entfernen, die du in deinen Kopf gebracht hast: „Ich bin scheu und steif!“ Wer sagt, du seist scheu und steif? Komm‘, akzeptiere, dass du dich nicht kennst. Wenn du glaubst, scheu und steif zu sein, lassen deine eigenen Gedanken dies zu einer Realität werden. Du säst die Samen: „Ich bin scheu, ich bin steif.“ Die Samen, die du gesät hast, werden dazu führen, dass es so kommt. Anerkenne jetzt sofort, von heute an, dass du deinen Geist nicht kennst, dass du dich selbst nicht kennst. In der Vergangenheit warst du scheu und steif, nun aber nicht mehr, nicht in diesem Augenblick. Diesen Schritt musst du vollziehen. Entferne diese Etikette „scheu und steif“, die du erschaffen hast. Lass‘ deinen Kopf eine Zeit lang „etikettenfrei“ und beobachte, was geschieht.

F.: Lieber Guruji, ich stecke zwischen weltlichen Dingen und dem Göttlichen fest. Die Sehnsucht verhindert, dass ich mich auf meine Arbeit fokussiere, aber ich muss arbeiten, um meine Familie zu ernähren. Bitte leite mich an.
Sri Sri Ravi Shankar: Schau, denke nicht, dass die beiden Dinge im Widerspruch zueinander stehen. Du musst arbeiten. Gleichzeitig kannst du aber dir  aber auch etwas Zeit für dich selbst nehmen. Zwanzig Minuten für dich allein. Wenn du Auto fährst, kannst du dir Wissen anhören. Es gibt so viele Wissensbriefe, CDs. Höre dir ein paar Bhajans an und wenn du von der Arbeit nach Hause kommst, meditiere für eine kurze Zeit. Ein normales weltliches Leben zu führen steht in keinem Widerspruch zu deinem spirituellen Fortschritt. Beides ist nebeneinander möglich. Schau dich hier um. Viele Leute fahren den langen Weg durch den ganzen Verkehr hierher. Sie brauchen ungefähr zwei Stunden dafür. Sie nehmen den ganzen Weg auf sich, anderthalb Stunden nach ihrer Arbeit, sitzen hier und fahren wieder anderthalb Stunden zurück. Du kannst das tun, wenn du möchtest, es muss ja nicht jeden Tag sein. Manche von euch tun es jeden Tag. Du kannst einmal, zweimal oder dreimal in der Woche zum Satsang kommen. Satsang ist auch eine Abhängigkeit, er nimmt dich einfach gefangen. Du fühlst dich so gut dabei, nicht wahr? Wie viele von euch fühlen sich so gut?  Wieviele von euch empfinden, dass die Energieebene sich verändert, wenn sie den Ashram betreten?

(Alle haben diese Erfahrung gemacht.)

F.: Guruji, ist es wahr, dass Gott in jedem Augenblick gegenwärtig ist? Warum fühlen wir dann manchmal eine Trennung oder Dualität?
Sri Sri Ravi Shankar: Das ist ein Spiel!!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s