Du selbst bist Shaastra. Wenn du dein Bewusstsein, deinen Geist studierst, findest du dasselbe wie im Shaastra.

4. August 2011

Wir unterliegen der Illusion Yogis zu sein, Bhogis (genusssüchtig) zu sein. „Niemand kann mit mir gleichziehen, ich habe dies, ich habe das getan!” Menschen, die solche Aussagen machen, begrenzen ihre Identität.

Jede Art von Identifizierung limitiert dein Potenzial. Du bist so weit, beschränkst dich aber darauf, dies und das getan zu haben. Was hast du schon getan? Alles ist durch dich geschehen. Immer wenn jemand etwas Bedeutungsvolles erreicht oder etwas Gutes getan hat, sagt er, es sei einfach geschehen, er wisse nicht, wie es habe geschehen können.

Du möchtest eine Frage stellen, hörst dir die Antwort jedoch nicht an. Denn dieses Wollen hält dich vom Zuhören ab, ist dir das schon aufgefallen? Du hast eine Frage im Geist. Jemand anderes hat eine andere Frage gestellt, die gerade beantwortet wird, aber du kannst es nicht aufnehmen. Du sitzt da mit deiner eigenen Frage. Auch mit den Liedern ist es so. Du sitzt da, möchtest ein bestimmtes Lied singen und bist für nichts anderes empfänglich. Es ist so, nicht wahr? Deshalb musst du ein Yogi sein, du musst alle Sankalpas loslassen. Lass’ dein Sankalpa – jetzt singen zu wollen – los! Das sind kleine Übungen um zu lernen, wie du Dinge loslassen kannst.

Wenn diese kleinen Sankalpas im Geist vorhanden sind, können wir nichts sehen und nichts hören. Die Natur möchte dir sogar größere Dinge geben, aber du hältst an deinen kleinen Wünschen fest und machst dir weiterhin Sorgen. Deshalb heißt es: „Lass das alles los! Du musst wissen, wie du all deine Sankalpas loslassen, aber auch, wie du sie manifestieren kannst.” Das Geheimnis dabei ist, dass derjenige, der weiß, wie er seine Sankalpas loslassen kann, auch derjenige sein wird, der sein Sankalpa manifestieren wird. Das ist das größte Geheimnis. Es ist das, was die Gurus lehrten: Werde ein Experte beim Loslassen deiner Sankalpas. Ich möchte dies, ich möchte das tun, lass’ es los! Ich möchte das nicht, ich möchte jenes, lass’ es los! Wenn du lernst, wie du es loslassen kannst, lernst du, wie du alles erhalten kannst. Werde hohl und leer.

Nun wird es keine Fragen mehr geben. Auf einen Schlag sind alle Fragen verschwunden. Wie willst du eine Frage stellen, wenn ich gesagt habe, derjenige sei dumm, der eine Frage stellen wolle? So wird also niemand eine Frage stellen.

F.: Guruji, kürzlich habe ich dein Gespräch aufgenommen, bei dem du über Reinkarnation und Wiedergeburt und über die Samskaaras aus früheren Leben sprichst. Etwas, was mich beschäftigt ist, dass es so aussieht, als seien die Gesetze der Welt verschieden von den göttlichen Gesetzen. Die Dinge, die hier geschätzt werden, werden offensichtlich von Gott nicht gutgeheißen. Gaandhaari hatte Lord Krishna gefragt, welche Sünden sie begangen hatte, dass sie ihre hundert Söhne alle im Kampf verlieren musste. Lord Krishna bat Gaandhaari, in ihre früheren Leben zurückzugehen. Als sie in ihre früheren Leben zurückging, entdeckte sie, dass sie 108 Leben vorher 108 Menschen getötet hatte. Nun musste sie – 108 Leben später – die Konsequenzen ihrer Handlungen tragen, indem sie ihre hundert Söhne verlor. Weltliche Gesetze besagen, dass „aufgeschobene Gerechtigkeit aufgehobene Gerechtigkeit” sei. Wie kommt es, dass die Regeln in Gottes Reich anders sind als auf der Welt? Außerdem werden wir dazu angehalten, Freundlichkeit und Mitgefühl gegenüber jedermann zu leben, wenn jemand jedoch von einem größeren Unheil heimgesucht wird, wird es als unvermeidliche Folge von Praarabdha Karma abgetan. Wenn es in Gottes Reich kein Mitgefühl gibt, warum erwartet man dann von uns, Mitgefühl und Vergebung zu praktizieren, während andere Sünden und Verbrechen begehen? Warum diese Diskrepanz zwischen dem Göttlichen und der weltlichen Rechtsprechung?

Sri Sri Ravi Shankar: Schau, die göttliche und die weltliche Rechtsprechung sind gleich, sie unterscheiden sich nicht. Gott ist von der Welt nicht zu trennen. Er durchdringt alles. Sarvam Khalvidam Brahma – Alles ist nur Brahma. Wenn du deine Hand ins Feuer hältst, verbrennst du dich sofort. Wenn du aber einen Mangosamen, oder auch einen Kokosnusssamen in die Erde säst, wie lange wird es dauern, bis ein Baum gewachsen ist, der Früchte trägt? Vier bis sechs Jahre? So gibt es Handlungen, die unmittelbare Konsequenzen nach sich ziehen, und andere, deren Auswirkungen sich verzögern. Wenn dein Großvater oder ein Vorfahr von dir sich während zwanzig Jahren abgearbeitet hat, um eine Fabrik aufzubauen, wirst du derjenige sein, der die Früchte seiner Arbeit ernten wird! Wenn du dieselbe Logik hier anwendest, sind Karma und die Konsequenzen daraus ewig und jenseits des Verstehens. Gewisse Arten von Karma können nur aufgelöst werden, wenn die Konsequenzen getragen werden, während das Ergebnis anderer Arten von Karma verändert, angepasst werden kann. Wenn du zum Beispiel Sooji Halva zubereitest, kann das Verhältnis der Zutaten untereinander angepasst werden. Einmal gekocht, kann Sooji jedoch nicht mehr in den ungekochten Zustand zurückversetzt werden. Das Ausmaß deines mitgebrachten Karmas ist Praarabdha Karma, aber das aktuelle Ausmaß des Karmas kann beeinflusst – vermindert oder verstärkt – werden. Deshalb können Dhyaan (Meditation), Jaap(Chanting), Havan(Opfer), Daan (Wohltätigkeit) dabei helfen, das Karma zu verändern. Vielleicht haben wir – wenn auch unbewusst – jemandem Schaden zugefügt. Unsere Shaastras (Schriften) empfehlen uns, immer ein paar Reiskörner unseres Essens mit Vögeln oder anderen Geschöpfen zu teilen. Eine Haltung der Dankbarkeit allem gegenüber, was wir im Leben bekommen haben, löst ebenfalls Karma auf. Kritisere und verurteile niemanden. Vergiss’ auf dem Pfad der Selbsterkenntnis jedoch deine Sünden und Verdienste, entspanne dich einfach und sei glücklich. Je entspannter wir sind, desto spontaner und natürlicher werden die Dinge vollbracht. Als wir den Ashram gebaut haben, habe ich darauf verzichtet, den Rat eines Vastuberaters einzuholen. Viele Jahre später, bemerkten ein paar Vastuspezialisten, dass alle Gebäudeteile sich am richtigen Ort befanden und untereinander stimmig waren. Unser eigenes Bewusstsein ist Shaastra. Wenn wir also auf unser Bewusstsein, auf unsere Intuition hören, werden wir im Einklang mit der Natur leben. Alles wird in Ordnung sein. Deshalb wird es Intuition genannt. Stell’ dir vor, du musst dich mit einer elektronischen Angelegenheit befassen, hast aber keine Kenntnisse darüber. Du spielst instinktiv mit den Kabeln herum, und vielleicht wird das Problem dadurch gelöst. Viele Menschen haben so etwas erfahren. Ich fuhr einmal von London nach Birmingham, wo ich einen Vortrag halten sollte. Das ereignete sich vor mehr als zwanzig Jahren. Birmingham ist eine große Stadt. Ein Herr realisierte eine Stunde nachdem wir London verlassen hatten, dass er vergessen hatte, nach der Adresse des Veranstaltungsortes in Birmingham zu fragen. In jenen Tagen gab es noch keine Mobiltelefone. Also beschloss ich, ihn intuitiv zu führen. Ich erzählte ihm, in welche Richtung wir gehen sollten, bis wir die Straße in Birmingham erreichten, in der die Veranstaltung stattfand! Ich will damit sagen, dass Shaastra kein Buch ist, du selbst bist Shaastra. Wenn du dein Bewusstsein, deinen Geist studierst, findest du das, was im Shaastra vorhanden ist. Auf diese Weise sind Vaastu Shaastra und Ayurveda entstanden. In diesem Land ist alles durch Meditation aus dem Bewusstsein des Geistes aufgetaucht: Tanz, Musik, Kunst und Wissenschaft. Meditiere also, denn Meditation ist das Höchste. All dies wird sich manifestieren, wenn du meditierst. Im Englischen ist es als Intuition bekannt. Intuition bedeutet: „Das, was richtig ist”. Diese Kraft ist in jedermann vorhanden. Nutze sie gelegentlich, aber nicht die ganze Zeit.

F.: Unhörbar…

Sri Sri Ravi Shankar: Du bist also die ganze Zeit mit der Shrutibox (Instrument) beschäftigt gewesen. Was? Du hast also nichts davon gehört, was ich gesagt habe. Wo bleibt der Spaß, wenn du noch nicht einmal die Shrutibox und das, was sich darin befindet, loslassen kannst? Kannst du sie loslassen? (Antwort: „Ich werde sie loslassen, wenn ich die Antwort bekommen habe.“)

Du willst sie loslassen, wenn die Antwort kommt? Du wirst sie nie loslassen. Bist du dir bewusst, mit wie vielen Tricks dein Geist spielt? Das ist genug. Du bist dir bewusst, mit wie vielen Tricks dein Geist im Laufe des Tages arbeitet. So viele Kämpfe finden statt, weil du in deinem eigenen Geist gefangen bist. Zuerst kämpft dein Geist mit dir, er täuscht dich, dann täuschst du andere oder wirst von ihnen getäuscht. Werde dir also als Erstes bewusst, was dein Geist tut, was in ihm vorgeht.

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