Der leere Raum ist gefüllt mit Intelligenz, Wissen, Liebe und Mitgefühl

3. August 2011

F.: Guruji, haben die Gopis je meditiert, wenn Krishna anwesend war?
Sri Sri Ravi Shankar: Haben Gopis überhaupt meditiert? Ob sie nun meditiert haben oder nicht, was spielt das schon für eine Rolle? Es ist eine alte Geschichte. Aber die Meditation sollte das Leben nur unterstützen, alles sollte auf meditative Weise geschehen: Gehen, sprechen, sitzen, etwas tun. Krishna hat jeden Morgen routinemäßig meditiert. Er pflegte um vier Uhr aufzuwachen und eine Stunde lang zu meditieren. Danach ehrte er seine Schüler, und um acht Uhr machte er einen Rundgang durch die Stadt und traf die breite Öffentlichkeit. Abends feierte er auf seine  schalkhafte Weise.

F.: Kann Leidenschaftslosigkeit mit Sehnsucht Hand in Hand gehen?
Sri Sri Ravi Shankar: Sie müssen Hand in Hand gehen, das ist Weisheit. Sehnsucht ist die eine Seite, Leidenschaftslosigkeit die andere. Wenn keine Leidenschaftslosigkeit vorhanden ist, kann Sehnsucht zu Verbitterung führen. Wenn nur Leidenschaftslosigkeit besteht, ist das Leben zu trocken. Wir brauchen etwas Bewegung, Erregung und Spass im Leben. Spiritualität ist voll davon. Sie ist voller Begeisterung und Freude. Unglücklicherweise wird Spiritualität als eine dumpfe, langweilige und ernsthafte Sache angesehen, obwohl sie das niemals ist. Göttlichkeit und Spiritualität sind voller Lebendigkeit. Jeder, der die Nähe des Göttlichen gesucht hat, ist sehr lebendig und niemals trocken geworden.

F.: Wie können wir erkennen, dass die ganze Welt ein Spiel des Geistes ist?
Sri Sri Ravi Shankar: Oh! Du hast das noch nicht erkannt? Erzähle mir, wie oft hat sich dein Urteil als falsch erwiesen? Oft? In nahezu  70 – 80% der Fälle haben sich deine Urteile als falsch erwiesen. Wann immer du jemanden beurteilst, merkst du, dass du falsch liegst, nicht wahr? Das hat dich gelehrt, dass alles Maya ist, richtig? Dein Geist lehrt dich, dass alles Maya ist. Du sitzt da und hast eine gewisse Angst, du hast Sorgen und stellst dir Dinge vor, und plötzlich merkst du, dass das alles falsch ist. Es ist alles in deinem eigenen Geist entstanden. In diesem Augenblick merkst du: „Oh, ja, dieser Geist ist Maya“, und das ist das Spiel. Betrachte einfach deinen eigenen Geist. Du siehst dir jemanden an, beurteilst etwas und findest dann heraus, dass es nicht wahr ist. All diese falschen Erkenntnisse, das falsche Verstehen, die Konzepte, die falschen Ideen und Beurteilungen reichen aus, um dir zu zeigen, dass dein Geist eine Illusion ist.

F.: Welche Rolle spielt Karma in unserem Leben?
Sri Sri Ravi Shankar:
Alles ist Karma, mein Lieber! Wenn du eine Frage stellst, ist es Karma. Karma bedeutet Aktion. Und mein Karma ist es, mir deine Frage anzuhören. Ob ich sie beantworte oder nicht ist meine Wahl und dein Karma, verstehst du? Alles ist Karma.

F.: Wir benutzen nur einen kleinen Prozentsatz unseres Gehirns. Wie können wir ihn vergrößern?

Sri Sri Ravi Shankar: Du bist am richtigen Ort! Und du wirst genau das Richtige bekommen, um den Prozentsatz zu vergrößern.

F.: Jeder Gedanke, der in den Geist kommt, hat entweder damit zu tun, Sicherheit zu erlangen, oder vor der Sicherheit davonzulaufen. Wie kann man das hinter sich lassen?

Sri Sri Ravi Shankar: Ist das so? Jeder Gedanke! (Antwort: Fast jeder Gedanke.) Nun bist du von jedem Gedanken zu fast jedem Gedanken gelangt. Analysiere das nochmals. (Antwort: Ich bin mir nicht sicher.) Nicht sicher! Auf eine Frage, bei der du nicht sicher bist, wirst du keine sichere Antwort erhalten!

Wenn du glaubst, deinen Geist zu kennen, dann kennst du ihn wirklich nicht, und wenn du weißt, dass du deinen Geist nicht kennst, dann kennst du ihn wirklich nicht. Wirklich notwendig ist, dass du deinen Geist beobachtest: „Oh, wow, schau dir diesen Geist an, was er alles sagt.” Dazwischen – wenn dein Geist ruhig ist, während dieser kurzen Momente, und seien es nur Sekunden oder ein paar Minuten am Morgen, am Nachmittag oder am Abend, irgendwann – lädst du deinen ganzen Organismus wieder auf. Verstehst du das? Einfach nur Angst vor dir selbst oder deiner Lebenssituation zu haben wird dich nicht besser machen oder dir irgendeine Sicherheit geben können.

Sieh’, als Baby warst du abhängig, nicht wahr? Hast du dein eigenes Brot verdient, als du ein fünf Monate altes Baby warst? Die Natur sorgt dafür, dass der Gedanke, dich zu ernähren, im Geist von jemandem auftaucht. Du warst als Baby so abhängig und konntest nicht gehen. Wohin sollte ein fünf Monate altes Baby schon gehen? Du warst also in allen Bereichen abhängig, als du geboren wurdest. Und wer auch immer sich um dich gekümmert hat, dein Vater, deine Mutter oder sonst irgendjemand, es ist diese eine Intelligenz, die durch diese Menschen alles für dich bereitgestellt hat, richtig? Verstehst du das oder nicht? Dann wirst du älter, noch älter und noch älter, und schließlich viel älter, und wieder muss jemand für dich da sein. Zwischen diesen wenigen Jahren glaubst du, unabhängig zu sein, aber das ist nichts als eine Illusion. Selbst in dieser Zeit bist du von irgendeiner unsichtbaren Kraft oder Macht abhängig, die über alles herrscht, die deinen Atem beherrscht, die deinen Kreislauf beherrscht, die beinahe jeden Augenblick deines Lebens beherrscht. Zwischen diesen beiden Phasen – wenn wir sehr jung oder sehr alt sind – glauben wir, die Kontrolle zu haben, wenn auch nur bei wachem Bewusstsein. Wenn du träumst oder schläfst hast du auch dann keine Kontrolle. Wenn dein Atem während des Schlafes plötzlich aufhört, ein- und auszuströmen, was kannst du dann tun? Es gibt eine bestimmte Macht, die dafür sorgt, dass der Atem ein- und ausströmt. Ja. Und diese Macht, dieses Bewusstsein trägt die ganze Intelligenz der Welt in sich. Als das Handy aufgekommen ist, hast du plötzlich realisiert, dass da eine Kraft im Raum vorhanden ist. Schau, du nimmst ein Handy zur Hand, drückst auf bestimmte Buchstaben, auf irgendwelche Knöpfe, und das bewirkt, dass die elektromagnetische Welle nach Amerika geht und dieselbe Nachricht in der Mailbox einer anderen Person erscheint. Das ist doch ein großes Wunder, das wir als selbstverständlich hinnehmen. Wir sehen nicht, dass das, was getippt worden ist, als Energie aufgenommen wird, und dass eine Intelligenz es durch den Raum trägt. Das bedeutet, dass der Raum zwischen dem einen und dem anderen Sendeturm voller Wissen ist. Verstehst du, was ich sage? Der Raum um uns herum ist gefüllt mit all dem Wissen dieser Welt.

Als ich das vor ungefähr 25 jahren zu sagen pflegte, verstanden es die Leute nicht. Ich fragte mich, wie ich es ihnen verständlich machen könnte. Ich sagte, der Raum dazwischen sei der Geist. Es gibt Wissen in jedem Teilchen des Raumes, und ich fand es sehr schwierig, das zu erklären. Aber durch das Mobiltelefon konnte es sehr gut erklärt werden.

Zuerst erschien das Faxgerät. Ich sagte: „Schau, alles, was auf diesem Stück Papier geschrieben steht, erreicht den anderen Ort, wenn das Papier durch dieses Gerät geht.” Als das  Faxgerät erschien, sagte ich: „Ha, nun kann ich es erklären!” Und durch die Mobiltelefone ist es so einfach geworden, es zu sehen, dass du nicht mehr viel erklären musst. Der leere Raum ist voller Intelligenz, voller Wissen, voller Liebe und Mitgefühl. Der Raum atmet, das ist die Realität. Der Raum ist das, was dein inneres Selbst ausmacht.

Wie kann ein Gebet also heilsam sein? Es ist Mitgefühl im Bewusstsein überall um dich herum vorhanden, du erkennst und fühlst das, und es hebt dein Bewusstsein und deinen Geist an. Es durchdringt dein Bewusstsein.

F.: Guruji, dieser Raum ist gefüllt mit Bewusstsein, ist das Devi Tattva oder Shiva Tattva?

Sri Sri Ravi Shankar: Sie sind beide dasselbe.

F.: Guruji, gibt es das sogenannte Glück oder Unglück? Wie kann man Unglück überwinden?

Sri Sri Ravi Shankar: Natürlich! Wenn die Dinge so geschehen, wie du sie haben willst, nennst du es Glück, und wenn alles schief läuft, nennst du es Unglück. Unglück kannst du dadurch überwinden, dass du deine Intuition verstärkst. Das wiederum kannst du – wenn du mich fragst – durch Meditation erreichen.

F.: Guruji, wenn ich über den Tod nachdenke, fühle ich mich leidenschaftslos. Wie kann man in einer solchen Situation ein Karma Yogi bleiben?

Sri Sri Ravi Shankar: Schau, alles, was du mit Leidenschaftslosigkeit (Vairaagya) tust, hat eine Menge Kraft. Wir arbeiten nicht für uns selbst, sondern für andere. Gut. Wenn wir für andere arbeiten, gibt uns das eine bestimmte Art von Befriedigung.

Wir wollen das bekommen, was wir noch nicht bekommen konnten. Das nennt sich Yoga. Das was wir haben, wollen wir bewahren/erhalten. Das wird Kshemam (Schutz) genannt. Wenn unser Geist leer ist, und wir uns in der Glückseligkeit befinden, beginnt sich beides mühelos im Leben zu manifestieren. Das, was wir noch nicht bekommen/erreichen konnten, kommt, und das, was wir schon haben, bleibt uns erhalten.

Nun, wie viele haben schon erlebt, dass sie alles bekommen haben, was sie wollten? Und wie viele haben empfunden, dass von ihrer Seite aus keine allzu großen Anstrengungen notwendig waren? Das ist das Zeichen eines Yogis. Für einen Yogi ist keinerlei Anstrengung notwendig, damit seine Wünsche erfüllt werden, aber er muss seiner Pflicht nachgehen.

Weißt du, alles was du willst – deine Wünsche, deine Absichten – wird schon erfüllt, noch bevor der Wunsch oder die Intention aufgetaucht ist. Deshalb bekommen Yogis das höchste Vergnügen, weil der Zustand ihres Bewusstseins bewirkt, dass die Frucht schon da ist, bevor der Wunsch danach aufgetaucht ist. Er muss sich nicht allzu sehr anstrengen. Du musst dich für deine Bedürfnisse – was für Bedürfnisse du auch immer hast – nicht allzu sehr anstrengen. Das bedeutet nicht, dass du faul sein sollst. „Oh, Guruji hat gesagt, Yogis müssten keine Arbeit verrichten, warum soll ich überhaupt Seva machen, lass mich den ganzen Tag herumliegen, alles soll von alleine für mich geschehen.” Du musst deine Arbeit tun, nicht um deine eigenen Wünsche zu befriedigen, sondern weil du gewisse Dinge tun musst. Du solltest sie einfach tun.

F.: Guruji, manchmal zweifle ich, ob ich auf dem richtigen spirituellen Pfad bin.

Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du manchmal zweifelst, ist es in Ordnung. Wenn die Zweifel immer da sind, ist es ein Problem. Wenn du dich hier wohl fühlst, dann bleibe. Mein Job besteht ohnehin darin, deine Zweifel nicht zu bereinigen, sondern sie zu verstärken.

F.: Woher kommt die Willensstärke?

Sri Sri Ravi Shankar: Willensstärke kommt aus dem Ego.

 

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