Bewusstsein ist stärker als Materie

25. Januar 2011, Ashram in Bangalore, Indien

F: Je mehr meine Liebe für das Göttliche erblüht, desto schwerer fällt es mir, meinen Schmerz und meine Sorgen abzugeben. Wie sollten wir auch unseren Ballast an die abgeben, die uns am wichtigsten sind?

Sri Sri Ravi Shankar: Das macht nichts. Das Göttliche wird es annehmen. Es wird es dir sogar entreißen, wenn du es nicht hergeben willst. Solange die Verbindung besteht, besteht auch die Aufmerksamkeit – es ist ein Geben und Nehmen. Du wirst immer Segen empfangen. Du wirst immer Glückseligkeit empfangen und das Unerwünschte wird einfach von dir abfallen. Es ist nett von dir, so zu denken – es zeigt den Grad deines Bewusstseins an. An diesem Punkt deiner Entwicklung lass den Gedanken fallen, dass dieser Ballast ein Teil von dir ist. Wenn du merkst, dass dich etwas sticht in deinen Gedanken, so betrachte es einfach als den Ballast, der er ist – nicht dein Ballast oder der eines anderen.

F: Lieber Guruji, ich fühle mich so verloren in dieser Welt. Du sagst immer: „Das Leben muss reizvoll sein.“ Aber es hat nirgends einen Reiz. In jeglichem Tun scheint eine absolute Leere zu stecken. Ich weiß nicht, was ich tun soll oder wohin ich gehen soll.Gib mir bitte eine Orientierungshilfe.

Sri Sri Ravi Shankar: Du bist am rechten Ort. Sei einfach hier. Ist es nicht reizvoll hier? Ist es ohne Reiz und leer? Selbstverständlich ist es hohl und leer, wenn du meditierst. Aber nun ist es gerade so feierlich und voller Freude, wie du siehst. Niemand könnte je sagen, dass es hier ohne Reiz ist.

Schau, wie alle lächeln. Ja, wenn du der Welt etwas nehmen willst, wird die Welt vollkommen stumpfsinnig und voller Mängel erscheinen. Wenn du aber deinen Beitrag leisten möchtest, ändert sich das Bild radikal.

F: Ist Frieden ein Geisteszustand, in dem man keine Wünsche und kein Verlangen mehr verspürt oder verspürt man sie, aber sie lassen schnell wieder nach? Wie kann man dauerhaften Frieden erlangen?

Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du aufhörst, dir Dauerhaftigkeit zu wünschen, erfährst du den Frieden.

F: Die Seele bleibt für immer und wird geboren, bis sie Moksha (Erlösung) erlangt. Wer lebt dann noch in der Hölle?

Sri Sri Ravi Shankar: Weshalb willst du jetzt die Hölle erkundigen? Ich war nie dort und kann dir deshalb nicht sagen, wie es dort ist.

F: Was ist bedingungslose Liebe und wie und wann gelingt es uns, jemanden bedingungslos zu lieben?

Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du im Gegenzug nichts erwartest, dann ist das bedingungslose Liebe. Nicht einmal ein Dankeschön oder Dankbarkeit. Viele Menschen helfen anderen, aber sie haben Erwartungen im Hinterkopf und das ärgert sie und macht sie fertig. Das ist eine Bedingung. Bedingungslose Liebe geschieht auf natürliche Weise, wenn dein Bewusstsein erblüht. Du kannst sie nicht erzwingen oder kultivieren. Ich wüsste nicht, wie man sie kultiviert. Sie ist einfach ein Phänomen. Wenn sich dein Bewusstsein ausdehnt, dann entsteht daraus bedingungslose Liebe. Du sagst: „Ich bin da für dich und erwarte dafür nichts von dir.“ Das wird dir zufallen und du hast es schon bei einigen Menschen erfahren, aber bei vielen anderen hast du Erwartungen.

F: Guruji, wie gehen wir mit Situationen um, in denen wir das Gefühl haben, zu Unrecht beschuldigt zu werden?

Sri Sri Ravi Shankar: Mit einem Lächeln. Es gibt in dieser Welt auch einen Platz für Ahnungslosigkeit. Wenn dich jemand beschuldigt, so geschieht das aus Unwissenheit. Geschieht es nicht aus Unwissenheit, so ist es schlechte Absicht oder Neid und das würde ich als Teil der Ahnungslosigkeit betrachten. Du machst also am besten einfach weiter und bleibst da nicht hängen, denn du kannst die Meinungen anderer nicht kontrollieren und das brauchst du auch nicht – jeder kann seine eigene Meinung haben. Die beste Lösung ist, den Menschen aufzuklären und den Rest zu übergehen. Das musst du sogar. Wenn jemand behauptet, du seist ein Dieb, kannst du nicht sagen: „Er hat das Recht auf eine eigene Meinung.“ Du klärst ihn auf. Ob er es dann annimmt oder nicht, ist seine Sache. Behalte diese Lösung im Kopf für alle Beziehungen. Aufklären und hinwegsehen. Wenn du von Anfang an darüber hinwegsiehst, wirkt das nur arrogant. Aufklären ist ein etwas starkes Wort hier. Du könntest auch sagen: Informieren und hinwegsehen, das ist sogar besser. In Aufklärung steckt mehr Mühe. Wenn man wütend ist, sagt man: „Dem werde ich eine Lektion erteilen!“

F: Manchmal werden mangelnde Voraussicht und das daraus resultierende Chaos als göttliches Chaos verkauft. Wie geht man mit so chaotischen Menschen um?

Sri Sri Ravi Shankar: Die Person, die das Chaos verursacht hat, möchte das verdecken und wird immer etwas sagen, um das Gesicht und die Stellung zu wahren. Sie wird sich viele Rechtfertigungen zurechtlegen. Verstehe also diese Haltung – du würdest vielleicht das gleiche tun, wenn du in dieser Lage wärst. Richte dich nicht nach dem, was die Leute sagen. Die meisten Probleme beginnen, wenn wir uns auf Worte konzentrieren und nicht darauf, wo diese Leute stehen und was sie fühlen. Eine Mutter sagt zu ihrem Kind: „Los, verschwinde!“ Sie meint das nicht wirklich so, aber ihre Worte sind sehr mächtig und wenn das Kind sich diese Worte wirklich zu Herzen nimmt, dann erlebt es unnötigerweise ein Trauma. Ich würde sagen, dass du hinter die Worte schauen musst.

Deine Kommunikation sollte nicht alleine über Worte geschehen – sie sollte die verbale Barriere überwinden. Selbst wenn jemand lauter gemeine Sachen zu dir sagt, kannst du geerdet bleiben und dein Geist kann ruhig bleiben. Dann hast du etwas erreicht. Du kannst mit den Menschen jenseits der Worte in Verbindung treten.

Erwarte allerdings nicht, dass sie auch mit dir in Verbindung treten. Das geht nur in eine Richtung. Ich sage dir, Kommunikation ist immer einseitig. Du hast die Fähigkeiten, du kannst kommunizieren und du kannst auf diese Weise auch etwas empfangen. Du machst dir keine Gedanken über ihre Reaktion und was sie von sich geben.

Gewöhnlich legen sie los mit ihren Schuldzuweisungen und du lässt dich davon beeindrucken. Jemand weist Schuld zu und du lässt dich davon beeindrucken. Du stehst auf und sagst: „Ich habe den Generalschlüssel und weiß genau, auf welchen Knopf ich drücken muss und wie die Leute reagieren und wie sich die Dinge dann verändern.“ Du solltest dieses Vertrauen haben – die Seele, der Geist in dir, ist der Generalschlüssel. Sie kann jede Situation so wenden, wie du möchtest. Dieses Vertrauen solltest du haben. Es geschieht vielleicht nicht die ersten fünf Male, aber beim sechsten Mal wird es klappen. Es hängt alles von deiner Überzeugung und deiner Beharrlichkeit ab. Und macht dir keine Gedanken über das, was sie sagen.

F:Kannst du erklären, wie das Bewusstsein stärker ist als die Materie?

Sri Sri Ravi Shankar: Nun, wenn du mit einem Schnellkochtopf kochst – wie wird da der Druck aufgebaut? Mit Wasserdampf! Und der ist stärker als das Wasser oder nicht? Je subtiler es also wird, desto stärker wird es. Also, dieses Teil hier (Guruji zeigt die kleinen, silbernen Zimbeln in seiner Hand) hat Silbermoleküle. Wenn man diese noch einmal auflöst, bekommt man Partikel und löst man diese auf, erhält man subatomare Teilchen, die winziger als winzig sind. Sind sie nicht stark? Was davon ist stark – diese Zimbeln oder das Atom? Das Atom ist mächtig.

Je subtiler es wird, desto mächtiger und mächtiger wird es. Aber alles besteht ja aus Bewusstsein. Das gesamte Universum besteht aus Bewusstsein. Wenn man immer subtiler und feiner wird, wird man mächtiger.

Heute habe ich etwas über Untersuchungen gesehen, die ein Mann in Japan mit Wasser gemacht hat. Er hatte ein wenig Wasser in einer Flasche und machte davon ein Foto. Dann besprach er das Wasser mit einem Gebet und machte erneut ein Foto. Man kann den Einfluss des Gebetes sehen – die subtile Gedankenschwingung ist auf das Wasser übergegangen. Es ist ganz offensichtlich.

Er nahm eine Flasche Wasser und beschimpfte sie und mache dann ein Bild davon unter dem Mikroskop. Zu einer anderen Flasche sagte er schöne Dinge und man kann den Unterschied erkennen.

In Indien wird dieses Prozess Abhimantra genannt. Du nimmst einen Topf voll Wasser, hältst deine Hand darüber und chantest dann Mantras. Man nimmt an, dass die Mantras auf das Wasser übergehen. In Indien hat das lange Tradition. Wenn man zu einem Heiligen oder einem Weisen geht, nimmt man einen Topf mit Wasser mit und bittet ihn, das Wasser zu segnen. In der Gemeinschaft der Shindhis geschieht das oft.

Dieses Abhimantra – das Chanten von Mantras über Wasser – hat einen immense Einfluss auf das Wasser, denn 70 % unseres Körpers bestehen aus Wasser. In der Rudrabhishekalässt man das Wasser auf ein Lingam aus Kristall fließen, während man etwas Bestimmtes chantet. Dieses Wasser ist sehr aufgeladen und hilft, die Atmosphäre zu verbessern. Nun sind die Veränderungen durch diese Praktiken dank der Bilder unter dem Mikroskop sichtbar.

Es kam auch einmal ein Mann aus Russland und hat in Mahabalipuram, Tamil Nadu,während des Aarti ein Experiment durchgeführt. Er nahm die Bilder auf und stellte fest, dass alle negativen Ionen plötzlich aus der Atmosphäre verschwunden waren. Sie hatten sich in positive Ionen verwandelt. Die positiven Ionen bringen Veränderungen. All diese Dinge werden gemacht, um positive Ionen zu schaffen, die die notwendigen Veränderungen bringen. Mit dem Feuer ist es ganz genauso. Wenn während der Feuerzeremonien das Mantra mit einer Absicht gesprochen wird, geschieht in der Atmosphäre eine qualitative Veränderung.

F: Liebe Guruji, ich glaube an diesen Spruch: Man erntet, was man sät. Aber oft erleben wir auch, wie jemand schwere Zeiten durchmacht, ohne das wir erkennen, dass diese Person einen großen Fehler begangen hat. Warum geschieht so etwas?

Sri Sri Ravi Shankar: Karma! Die Wege des Karmas sind unergründlich. Das Karma ist wie ein Ozean. Da geht es nicht nur um ein Leben. Wir haben über viele Leben hinweg Dinge getan, die alle ihre Auswirkungen haben. Es ist sehr schwierig auszumachen, welches Karma welcher Saat entspringt und welche Frucht dieses Karma tragen wird. Darum heißt es: ‘gahana karmanogati’ . „Die Wege des Karmas sind unergründlich.“ Denn es geht nicht nur um ein Erdenleben, sondern um viele. Wir haben viele Dinge getan und wissen nicht, wann wo welches Karma aufgeht. Mach dir deshalb nicht zu viele Gedanken um das Karma. Bleib einfach aktiv und folge deinem Gewissen.

Handle bewusst!

F: Wie kann man die volle Verantwortung für seine Handlungen übernehmen ohne das Gefühl zu haben, der Handelnde zu sein?

Sri Sri Ravi Shankar: Wenn du Verantwortung übernimmst, dann übernimm sie einfach. Das Gefühl, der Handelnde zu sein, bewirkt, dass du über die Konsequenzen brütest. Was auch immer geschehen ist – in dem Moment, in dem du Verantwortung übernimmst, bist du gestärkt. Du bist ganz in der Gegenwart. Du hast die Konsequenzen schon akzeptiert. Wenn du etwas tust, dann verfange dich nicht in der philosophischen Frage, ob du der Handelnde bist, sonst verwirrt dich das nur. Wenn du etwas tust, dann tue es zu 100%. Wenn du zu 100% dabei bist, erkennst du plötzlich: „Ich tue ja gar nichts, es geschieht einfach.“ Nicht der Handelnde zu sein ist eine Erfahrung und nichts, was du versuchst zu tun oder zu erreichen.

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Eine Antwort zu Bewusstsein ist stärker als Materie

  1. Lingam schreibt:

    Als ich vor langer Zeit meine erste Lingam-Massage bekommen habe, war ich erst etwas skeptisch. Dann war es aber richtig toll und seitdem gönne ich mir diesen Luxus regelmäßig.

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