Weniger Bedürfnisse – mehr Verantwortung

Dienstag, 25. Januar 2011

Wenn wir weniger Bedürfnisse haben, können wir größere Verantwortung übernehmen

24. Januar 2011, Bangalore

F: Im Ishavasya- Upanishad heißt es: “Tena tyaktena bhunjitha”. Genieße die Welt, indem du ihr entsagst. Wie kann das gelingen?
Sri Sri Ravi Shankar: Dazu gehört Geschick. Das geschieht, wenn es keine Fiebrigkeit gibt. Hast du gesehen, wie sich ein Kind benimmt, wenn es Schokolade sieht? Es isst ein wenig, stopft sich etwas davon in die eine Tasche und versucht, noch mehr in die andere Tasche zu stopfen. Das Kind ist ganz wild. Ein Erwachsener kennt diese Fiebrigkeit nicht mehr. Er isst vielleicht ein Stückchen Schokolade, wenn er möchte. Wenn nicht, dann wird er einfach nein sagen und seines Weges gehen. Aber bei einem Kind ist das anders.

Du machst Erfahrungen, du genießt etwas, aber du sehnst dich nicht danach, denn du weißt, dass die Freude von innen kommt. Das Objekt ist nur ein Abbild. Wenn du erkennst, dass die Freude aus dem Inneren kkommt und nicht im äußeren Objekt liegt, dann kannst du genießen.

F: Krishna sagt zu Arjuna: “Glaub nicht, dass du sie tötest – sie sind schon tot.“ Wenn dir ein Terrorist genau diesen Grund angeben würde im Namen seines Glaubens, was würdest du sagen?

Sri Sri Ravi Shankar: Das sind zwei vollkommen verschiedene Situationen, die du nicht verwechseln darfst. Ein Terrorist handelt aus Hass, aus Unwissenheit, richtig? Du kannst einen Polizisten, einen Armeeangehörigen und einen Terroristen nicht auf eine Stufe stellen. Sie benutzen alle eine Waffe, aber der Polizist benutzt sie aus einem ganz anderen Grund als ein Terrorist. Die Absicht, die Geistesverfassung ist eine ganz andere. Deshalb wurde Arjuna gesagt: „Kämpfe den Krieg der Gerechtigkeit, aber ohne Wut, ohne Hass, Neid oder Geiz. Tu es, um das Dharma zu schützen.“

F: Es heißt, wir sollen uns trauen, große Träume zu haben. Aber darauf folgt der Wunsch. Wie kann man mit diesem Wunsch umgehen?

Sri Sri Ravi Shankar: Mit Urteilsvermögen. Wünsche kommen. Du sollst träumen, aber bleibe geerdet.

F: Haben alle Dinge eine männliche und eine weibliche Seite? Warum teilen wir alles in männlich und weiblich ein?

Sri Sri Ravi Shankar: Ja. Es gibt auch ein neutrales Geschlecht. Es gibt 3 Geschlechter. Manche Dinge gehören dem neutralen Geschlecht an. Es gibt sogar eine Schrift über das Geschlecht der Steine und der Bäume. Die Shilpa Shastra, das Buch der Skulpturen, handelt davon. Auf Hawaii sagen sie auch, dass Steine verschiedenen Geschlechtern angehören. Sie wissen, welche das das sind. Aber das spielt keine Rolle. Das Selbst, der Geist, ist jenseits der Geschlechter.

F: Sollte ein Schüler die volle Verantwortung für schlechte Noten übernehmen?

Sri Sri Ravi Shankar: Es ist besser, wenn er die volle Verantwortung übernimmt. Du könntest dem Lehrer die Schuld geben, der Umgebung, den Eltern und allen anderen und letztlich dir selbst. Es ist besser, die Verantwortung zu übernehmen, statt das „Du bist Schuld“-Spiel zu spielen.

F: Welchen Stellenwert hat das Opfer auf dem spirituellen Pfad?
Sri Sri Ravi Shankar:
Es ist unerlässlich. Auf dem spirituellen Pfad brauchst du Leidenschaft und Opferbereitschaft. Gerade erst heute habe ich einige Swamis getroffen, alles junge Menschen, Computeringenieure und hochqualifizierte Leute. Sie haben ihre Karriere geopfert, ihr Leben, alles, um armen Menschen Bildung zu bringen und der Gesellschaft zu dienen. Sie dienen Tag und Nacht. Sie wollen gar nichts für sich selbst. Sie denken nicht: „Oh, was wird mit mir geschehen?“ Sie widmen ihr Leben dem Bau von Schulen und Colleges und machen auf diese Weise für Millionen Menschen Bildung zugänglich. Es ist also notwendig für ein höheres Ziel. Opfer zu bringen, schafft mehr Freude, es verringert deine Freude nicht. Opfer deine kleinen Bedürfnisse. Wenn wir viele Bedürfnisse haben, können wir weniger Verantwortung übernehmen. Wenn wir weniger Bedürfnisse haben, können wir größere Verantwortung übernehmen. So lebt man am glücklichsten.

F: Guruji, warum bist du so schön?

Sri Sri Ravi Shankar: Weil auch du schön bist. Deshalb findest du mich schön. Wenn du nicht schön wärst, wüsstest du nichts über meine Schönheit. Welche Eigenschaften du auch immer hast – sie werden nach außen projiziert. Das, was du in mir siehst, hast du also auch in dir. Wenn du dich nicht schön fühlst, dann werde schön. Was hindert dich daran? Werde schön.

F: Endet der Kreislauf aus Leben und Tod niemals?

Sri Sri Ravi Shankar: Die ganze Welt ist so. Alles ist sphärisch, alles ist ein Kreislauf. Du musst zurückkommen, aber du hast die Wahl. Wenn du aus einem Zwang heraus geboren wirst, dann ist es die immer alte Leier. Wenn du aber erlöst bist, hast du die Wahl und kannst geboren werden, wann du willst. Wenn du erlöst zurück kommst, bereitet es Freude.

F: Stimmt es, dass es Orte mit negativer und positiver Strahlung gibt? Ich habe bemerkt, dass unsere Gruppe in unserem Vorort nicht den Erfolg hat, den sie woanders bekommt. Was können wir tun, um das Sattva eines Ortes anzuheben?

Sri Sri Ravi Shankar: Arbeitet weiter, macht weiter. Veränderung kann überall geschehen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

F: Wie kann ich meine Wut in den Griff bekommen? Ich ärgere mich schon über kleinste Kleinigkeiten.
Sri Sri Ravi Shankar:
Wenn du wütend werden musst, dann über große Sachen, nicht über die üblichen Kleinigkeiten des täglichen Lebens. Ärgere dich über die Korruption in unserem System und über die Ungerechtigkeit um dich herum. Dein Ärger muss in einem größeren Zusammenhang stehen, dann wirst du sehen, dass all die kleinen Dinge unwichtig werden. Ich möchte, dass du zu allen Jugendlichen in diesem Land und auf der ganzen Welt sprichst. Sprich mit ihnen. Sag ihnen, dass sie etwas gegen die Korruption unternehmen sollen. Wenn der Regierungschef die Korrupten schützt, was kannst du dann tun? Die Menschen müssen aufwachen. Wir alle müssen aufwachen. Alle sollten sich gegen die Korruption aussprechen.

F: Wie kann man jemanden am besten auf seine Verantwortung aufmerksam machen?

Sri Sri Ravi Shankar: Mit allem, was funktioniert. Alles, was sie aufmerksam macht, ist gut. Sitz‘ nicht da und denke über die beste Möglichkeit nach. Was immer dir einfällt, das probier aus und schau, was davon funktioniert. Das, was funktioniert, ist die beste Möglichkeit.

F: Guruji, soll ich einen Rat von dir ganz genau befolgen oder nur dem Grundgedanken?
Sri Sri Ravi Shankar:
Da stellst du mir eine sehr generelle Frage. Und du wirst dir die Antwort so zurecht legen, wie es dir passt, stimmt’s? Ich lasse mich darauf nicht ein. (lacht)

F: Ablenkungen und Alltagsprobleme gibt es immer wieder. Ist es besser, ein davon losgelöstes und ruhiges Leben zu führen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Das Leben ist eine Verbindung von beidem: Dynamik und Stille, Chaos und Stille. Du solltest dich vor keinem der beiden fürchten. Wer an Chaos gewöhnt ist, fürchtet die Stille. Bei meinen öffentlichen Vorträgen ist mir aufgefallen, dass manche Menschen nicht einmal ihre Augen schließen können. Das macht ihnen Angst. Manchmal können nicht einmal Politiker oder Professoren für 10 Minuten mit geschlossenen Augen dasitzen. Sie haben Angst davor. Die Menschen fürchten sich sehr vor der Stille, vor der Ruhe, davor, ihre Augen zu schließen. Ähnlich ist es mit Menschen, die an Stille und ihren Komfortbereich gewöhnt sind. Sie fürchten sich sehr vor Chaos und Störung. Beide sind unvollständig. Du solltest dich im Chaos genauso wohl fühlen wie in der Stille, das ist die Kunst des Lebens. Wir erkennen die Dynamik der Stille und die Stille im Chaos. Wenn du dich in beiden zuhause fühlst, dann kannst du in beiden Situationen deinen Beitrag leisten.

F: Es gibt so viele Gurus im Land. Ich weiß nicht, welchen ich für mich wählen soll. Kannst du mir bitte sagen, ob ich mir einen Guru auswählen soll oder ob nicht doch der Guru mich auswählt? Wenn ich derjenige bin, der wählen soll – wie soll ich meine Entscheidung treffen?

Sri Sri Ravi Shankar: Nun, ich kann dir da keine Entscheidungshilfe bieten. Du hast die Wahl. Es liegt an dir. Das ist keine Wahl, die du mit dem Verstand triffst.

Etwas in deinem Herzen sagt: „Ja, ich sollte die Kriya erlernen, ich sollte da sein!“ Du fühlst dich zu Hause, du fühlst dich umsorgt und wohl, richtig? Sonst kannst du diese Frage stellen, wo auch immer du hingehst. Das macht keinen Sinn, oder?

F: Ich mache täglich Kriya und habe sie bislang nicht einmal ausgelassen. Ich leide jedoch immer noch unter meinen Begierden, unter Habgier und Neid. Wie kann ich mich davon befreien?

Sri Sri Ravi Shankar: Dein Wunsch nach Befreiung zeigt, dass du auf dem richtigen Weg davon weg bist. Es wird schon besser. Sei nicht zu hart zu dir selbst.

F: Wie kann man Vairagya (Nachsicht) üben, wenn ein Wunsch aufkommt?
Sri Sri Ravi Shankar:
Sei dir der Unbeständigkeit in allen Dingen bewusst. Gut, du hast einen Wunsch. Er wird erfüllt. Na und? Die Zeit wird alles verschlingen. Die Zeit wird alles verändern, mach also einfach weiter. Wenn du weißt, dass alles unbeständig ist und dann trotzdem alles genießen kannst, dann ist das Vairagya, die Abtrennung.

Fest des Wissens: Zusammenstellung kurzer Fragen

F: Heutzutage haben die meisten Gurus lange Haare und einen langen Bart. Ist das eine Kleiderregel?
Sri Sri Ravi Shankar:
Ja, das kann man als Kleiderregel bezeichnen. Das lange Haar ist wie eine Antenne, mit der man Botschaften von Gott empfängt und und der lange Bart ist die Erdung, um diese Botschaften an die Menschen weiterzuleiten.

F: Guruji, was ist Shanti (Friede)?
Sri Sri Ravi Shankar: Wir müssen dich in ein kleines Zimmer einschließen und die Lautsprecher 24 Stunden lang aufdrehen. Aber nicht mit guter Musik, sondern mit schwerer Kost. Wenn wir sie dann nach 24 Stunden abschalten, wirst du wissen, was Shanti ist. (Lachen!!!)

F: Lieber Guruji, wie gelingt es uns, Hindernisse zu überwinden, wenn wir Verantwortung tragen?
Sri Sri Ravi Shankar: Dein Friede kann nur auf die Probe gestellt werden, wenn es Hindernisse gibt. Sei dankbar für die Hindernisse.

Q: Passiert es, dass du gestresst bist?
Sri Sri Ravi Shankar:
Das Produkt funktioniert wirklich hervorragend! Erst vergangene Woche war ich in Kerala. Dort hatten sie 19 Termine an einem Tag eingeplant für mich.Bevor ich losfuhr, habe ich einige davon abgesagt und war dann doch auf 22 Terminen. Ich dachte, das würde mich irritieren, aber ich habe mich selbst überrascht und war nicht irritiert. Jeder von uns trägt enorme Energie in sich. Eine einzige Zelle kann ganz Bangalore 24 Stunden lang mit Licht versorgen.

F: Kannst du etwas zur Seele – zu Atma – sagen?
Sri Sri Ravi Shankar:
Schritt für Schritt entwickelt sich hier das Verständnis aus dem Erlebten. Bevor du dich mit Atma, dem Selbst, beschäftigst, musst du die fünf Elemente der Schöpfung kennen. Was sind diese Tattvas? Prithvi, Ap, Tej, Vayu and Akash – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Dann kommt der Geist, dann Buddhi (Intellekt), das Gedächtnis, das Ego und schließlich Maha Tattva (das Selbst).

F: Wie sieht Gott die Welt?
Sri Sri Ravi Shankar: God kann keine zwei sehen. Für Gott existieren nicht du und ich! Er kann in allem und jedem nur sich selbst sehen!

F: Guruji, die Wahrheit zu sagen, schafft in der Außenwelt Probleme und zu lügen schafft Probleme in der Innenwelt. Was sollen wir uns verhalten?
Sri Sri Ravi Shankar:
Löse das Problem. Probleme sollten als Herausforderung betrachtet werden. Jemand, der mutig ist, liebt Herausforderungen und du bist mutig, sage ich dir!

F: Manchmal scheint es, als wäre alles unwahr. Wir rennen wissentlich oder unwissentlich den Dingen hinterher. Manchmal habe ich das Gefühl, einfach mit dem Strom mitgerissen zu werden und das bestürzt mich. Was von all dem ist unveränderlich? Was ist die Wahrheit?
Sri Sri Ravi Shankar: Die Wahrheit kann nicht ausgesprochen werden. Nur in der Stille tiefer Meditation kannst du die Wahrheit erfahren!

F: Warum stürzt du dich nicht einfach auf die Welt? Warum geht das so langsam?

Sri Sri Ravi Shankar: Ihr braucht ja auch etwas zu tun!

F: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wenn es das nicht gibt – worin liegt der Sinn unseres Daseins?
Sri Sri Ravi Shankar:
Es ist gut, wenn du gespannt bleibst!

F: Gibt e seine feste Anzahl an Seelen? Wenn ja – wie kommt es, dass so viele Menschen auf diesem Planeten wiedergeboren werden? Warum nimmt die Bevölkerung zu?
Sri Sri Ravi Shankar:
Hmmm! Es gibt aber auch viele Tierarten, die ausgelöscht werden!

F: Welchen Rat würdest du einem Skeptiker geben, der nicht glauben will?

Sri Sri Ravi Shankar: Das ist ein sehr guter Anfang. Achte darauf, dass du nicht zynisch oder frustriert wirst. Skepsis ist vollkommen in Ordnung, Zynismus aber nicht. Der raubt dir die Energie. Am Anfang der Reise kann man skeptisch sein und ich würde das schätzen und begrüßen, denn wenn du diese Skepsis erlebt hast, wird dein Glaube umso stärker sein.

F: Guruji, ich habe die Sonne, den Mond und die Natur gewürdigt. Warum kann Gott es nicht würdigen, wenn ich etwas Gutes tue?
Sri Sri Ravi Shankar:
Er würdigt es nicht, weil er weiß, dass du es besser kannst. Wenn er dich alle Augenblicke würdigt, dann verspürst du nicht mehr den Wunsch, dich zu verbessern.

Wissensplus::Die Wahrheit ist unveränderlich. Schau dir dein Leben genau an. Erkenne, dass alles, was sich darin geändert hat, nicht die Wahrheit ist. Mit dieser Einstellung wirst du feststellen, dass um dich herum nur Unwahrheit existiert. Wenn du die Unwahrheit erkannt hast, dann hast du dich von ihr befreit. Wenn du die Unwahrheit nicht erkennst, kannst du dich auch nicht von ihr befreien. Deine Lebenserfahrung wird dir deine eigene Unwahrheit zeigen.

Wenn du mehr Reife erlangst, wirst du erkennen, dass alles unwahr ist – Ereignisse, Situationen, Menschen, Gefühle, Gedanken, Meinungen, Konzepte, dein Körper – alles ist unwahr. Nur dann geschieht Satsang – „eine Zusammenkunft mit der Wahrheit“ – in seinem wahren Sinn. Eine Mutter kann ihr Kind nicht als unwahr ansehen, bis es erwachsen wird. Für ein Baby ist Süßsein keine Unwahrheit und für einen Teenager ist Sex keine Unwahrheit.

Wissen ist Unwahrheit, wenn es nur aus Wörtern besteht. Aber in ihrem wahren Sein ist sie Wahrheit. Liebe als Gefühl ist unwahr, als Liebe an sich ist sie wahr.

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