Zusammengehörigkeitsgefühl dehnt sich aus …

Wenn das Zusammengehörigkeitsgefühl sich so ausdehnt, dass es jedermann einschließt, ist die Spiritualität gewachsen

Bangalore, Indien, 4. Dezember

F.: Wie soll man Kinder in einer Welt, in der vor allem Leistung zählt, großziehen?

Sri Sri Ravi Shankar: Die Welt war schon immer leistungsorientiert. In der Vergangenheit war der Konkurrenzkampf in geringerem Ausmaß vorhanden. Er ist jetzt sehr viel größer geworden. Wir müssen den Menschen Werte beibringen. Auch im Satyuga gab es Rakshasas (Dämonen). Mache also nicht die Zeit dafür verantwortlich. Leiste deinen eigenen Beitrag. Bringe den Kindern Werte bei.

F.: Worin besteht der Unterschied zwischen Jeeva (dem individuellen Bewusstsein) und Brahma (dem unendlichen kosmischen Bewusstsein)?

Sri Sri Ravi Shankar: Jeeva ist ein Teil von Brahma. Ein Ballon ist sowohl von Luft gefüllt als auch mit Luft umkreist. Innerhalb und auch außerhalb eines Gefäßes ist Raum vorhanden. Der innere Raum ist Jeeva, der äußere Raum ist Brahma. Jeeva bedeutet Wünsche, Abneigungen, Verlangen. All das ist der Ballon. Deshalb ist Gott nicht jemand Getrenntes, sondern das, „was ich bin“. Wenn die Welle nach dem Ozean fragt, was soll man da noch sagen? Die Welle selbst ist der Ozean. Du musst das nur erkennen. Darum sagt man, dass es nur einen Augenblick braucht, um den Stiel einer Blume zu brechen, das Göttliche jedoch in einem Bruchteil dieses Augenblicks erkannt werden kann.

F.: Ich kann keine Kritik annehmen. Es beunruhigt mich.

Sri Sri Ravi Shankar: Wie lange geschieht das? Eine zeitlang, nicht wahr? Das ist schon in Ordnung. Wenn du denkst, du solltest dich nicht beunruhigen, beunruhigst du dich noch mehr. Die Störung bleibt nicht die ganze Zeit bestehen. Wenn etwas an den Bemerkungen stimmt, nimm es an. Heiße die Kritik willkommen. Dient sie deinem Fortschritt, oder handelt es sich nur um  einen Eindruck, den du hinterlassen hast?

F.: Ich fühle mich sehr oft unglücklich. Wie kann ich das überwinden?

Sri Sri Ravi Shankar: Bist du jetzt gerade glücklich oder traurig? Sei einfach glücklich. Die Antwort befindet sich in deinem Inneren. Eine Frau begab sich einmal zu einem Heiligen und fragte: „Warum ist die Welt so traurig?“ „Wenn du die Welt noch nicht einmal bei all dem Elend verlassen kannst, wie willst du da eine Welt voller Glück verlassen können?“ Es wird ein großer Verlust für dich sein, wenn du die Welt nicht loslassen kannst. Gehe einfach in dein Inneres, zur Quelle, dort gibt es keine Traurigkeit. Wenn du einmal gelernt hast, nach innen zu gehen, wird die Welt nicht mehr traurig erscheinen. Sieh dir die Welt nur an, wo bleibt da Traurigkeit? Vögel zwitschern, Flüsse fließen. Wo bleibt die Traurigkeit? Ich sehe nur Schönheit in der Welt. Sieh dir all diese Gesichter hier an, sie sind so glücklich! Es gibt im Leben zwanzig Prozent Traurigkeit und achtzig Prozent Zufriedenheit. Unser Geist verwandelt die zwanzig Prozent jedoch in zwei Tausend Prozent.

F.: Kannst du bitte über die linksradikalen Naxaliten sprechen?

Sri Sri Ravi Shankar: Das Problem mit den Naxaliten betrifft nicht die Armut. Ein armer Mensch kann kein Gewehr erheben oder eine Bombe herstellen. Es sind Menschen, die eine falsche Erziehung genossen haben. Sie sagen: „Wenn jemand uns wählen kann, kann er uns auch unterdrücken. Hat Napoleon jemanden um seine Stimme gebeten? Haben Mao oder Stalin das getan?  Sie glaubten, durch eigene Kraft an die Macht kommen zu müssen. Diese Art von Erziehung bringt Menschen zur Gewalt. Menschen, die einen spirituellen Weg gehen, welche die Geschichte kennen, werden sich niemals den Aktivitäten der Naxaliten anschließen. Die Menschen, die das tun, sind auf dem Gebiet der Spiritualität unwissend. Deshalb ist die Spiritualität so außerordentlich wichtig. Aus diesem Grunde sage ich oft, Krishna sei der erste Kommunist gewesen. Krishna sagte: „Sieh Mich in allem und alles in Mir.“ Das ist der wirkliche Kommunismus.

F.: Es gibt eine Menge Armut. Wie können wir eine Lösung dafür finden?

Sri Sri Ravi Shankar: Eine der Hauptursachen der Armut ist der Alkoholismus. Viele Dorfbewohner geben sechzig Prozent ihres Einkommens im Palmweinladen aus. Wenn man davon ausgeht, dass sie arm sind, woher haben sie dann den Palmwein? Es gibt Dörfer die nur durch das Schließen der Palmweinläden die Armutsgrenze überwunden haben. Die Ärmsten unter den Armen können dort, wo der Alkohol gestoppt worden ist, so viel verdienen, dass sie nicht hungern müssen. Jugendliche in ländlichen Gebieten kümmern sich jetzt um dieses Problem. Menschen aus allen Kasten sollten gemeinsam feiern. Für eine Mahlzeit in der Woche sollten alle zusammentreffen. Wenn die Dorfbewohner zusammenkommen, wird das Gefühl, ein Dalit oder kein Dalit zu sein, verschwinden. Wir sollten in allen Dörfern diejenigen, die etwas beitragen können bitten, denen zu geben, die nicht genug haben. Eine solche Entwicklung kann nicht durch die Regierung alleine gewährleistet werden. NGOs müssen diese Veränderung in die Wege leiten.

F.: Was trägt die Samskaaras durch die verschiedenen Leben? Der Körper stirbt und das Bewusstsein ist rein.

Sri Sri Ravi Shankar: Der Geist trägt die Samskaaras weiter.

F.: Was ist Spiritualität?

Sri Sri Ravi Shankar: Hast du ein Gefühl der Zusammengehörigkeit? Das ist Spiritualität. Wenn das Zusammengehörigkeitsgefühl sich so ausdehnt, dass es jedermann einschließt, dann ist die Spiritualität gewachsen. (Ein Mädchen aus dem Publikum fragt)

F.: Wie weißt du, ob du jemanden wirklich liebst?

Sri Sri Ravi Shankar: Stell dir vor, du sitzt während vier oder fünf Stunden da. Beginnt dein Bein zu Schmerzen? (Das Mädchen nickt mit dem Kopf.)  Wie weißt du das? (Sri Sri richtet sich an das Publikum.) Unser Zweifel betrifft immer etwas Positives. Jemand fragt dich: „Bist du glücklich?” Und du antwortest: „Nun… Ich bin mir nicht sicher.“ Du zweifelst niemals daran, ob du eine Depression hast.

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